Schloss Neuschwanstein, Alpenpanorama, Eisbecher: Zum Bodensee und einmal rum #bodenseetrip

Eigentlich wollten wir nach Prag. Aber weil die Berge so laut nach uns riefen, haben wir uns eben verfahren. Ein bisschen. 420km. Aber wir bereuen keinen einzigen davon, unser Hintern vielleicht, aber der hat nichts zu sagen. Von München zum Bodensee und einmal rum. Das war unser #bodenseetrip. Und ich bin Radtourensüchtig geworden.

Dank des verlängerten Wochenendes hatten wir vier Tage Zeit, um unterwegs zu sein. Prag war und ist noch immer ein absolutes Traumziel, vor allem über das wunderschöne Krumlov an der Moldau in dem ich schon zweimal laufen war. Sagenhaft unberührte Landschaften, gutes Essen und interessante Straßen. Aber die Busse nehmen keine Fahrräder mit zurück und das mit dem Zug ist so eine Sache. Daher wurde der Plan „Prag“ für mich zumindest auf August verschoben, inklusive Besuch von Festka. Nun, nach Prag dachten wir uns „Hey, warum nicht die Via Claudia Augusta?“ und die Busshuttle meinten alle so „Nö.“ und wir so „Na gut.“ – leider. Dann kam Marianne, meine Mitradlerin, die Idee doch den Bodensee-Königssee-Radweg in Angriff zu nehmen. Anstatt allerdings die ganze Strecke abzufahren würden wir in vier Tagen nur einen Teil abfahren und gleich eine Bodensee-Umrundung anschließen. Gesagt, geplant, gebucht, gefreut.

Die vier Tage #bodenseetrip fahre ich mit meinem Focus Crossrad aufgrund der Kieswege und der für MTB geeigneten Strecke.

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Tag 1: Gepackt, gefrühstückt, verfahren

Es ist 6 Uhr. Das Aufstehen fällt garnicht so schwer, die Vorfreude macht sich fröhlich klopfend im Herzbereich bemerkbar. Die Vorstellung 4 Tage mit dem Rad einfach weg zu sein ist umwerfend und seltsam befreiend. Meine Ausstattung habe ich mir die Woche davor geholt: eine Ortlieb-Satteltasche mit 1,7 Liter Fassungsvermögen. Eine Rapha-Musette für mein Frühstück und Kleinkram wie Geldbeutel und Radpumpe hatte ich auch umgeworfen. Das Gefühl, dass ich irgendwas vergessen hätte, war mindestens genauso präsent wie das Gefühl, dass ich am Abend wieder daheim wäre. Oder? Wie gesagt, die Vorstellung weg zu sein konnte ich noch nicht so ganz realisieren, war es doch nur ein Mini-Trip im Vergleich zu manchen Touren. Oder war es das wirklich minimale Gepäck, das ich dabei hatte, das mich daran zweifeln ließ wirklich „weg“ zu sein? Egal, ich wartete auf Marianne, frühstückte in der Sonne und checkte den Wetterbericht. Höllenhitze heute und morgen, Samstag und Sonntag solle es dann schütten und gewittern. Naja. Besser so als durchgehend mieses Wetter. Unsere Jugendherbergen hatten wir ja bereits gebucht, was sich als sehr schlau herausstellte: Alles war ausgebucht, keine Chance mehr für andere irgendwo unterzukommen.

Marianne kommt an, mit zwei ordentlich gepackten Satteltaschen macht mir deutlich was ich alles nicht dabei habe. Aber ich fühle mich fröhlich-frei und mir ist es irgendwie sehr lieb kaum was an Ballast dabei zu haben. Bei all den Fluchaktionen von Marianne, als wir kleine „Stiche“ (sehr steile kurze Anstiege) hochkämpfen denke ich immer daran und danke meiner kleinen Ortliebtasche und meiner Bereitschaft im Notfall einfach zu frieren. Eine Jacke oder ein Pulli befindet sich nämlich nicht auf meiner Packliste:

  • Bikini
  • Kleines Handtuch
  • Lululemon Shorts
  • T-shirt
  • Top
  • Slip
  • Bermuda-Shorts
  • Langärmliges dünnes Oberteil
  • Ersatztrikot
  • 2 Paar Socken
  • 1 Kosmetikbeutel mit Shampoo, Duschgel, Deo, Nivea-Creme (MUSS!), Kontaktlinsen-Set und Rasierer
  • Ladekabel (das jetzt in der schlimmen Jugendherberge in Konstanz lebt)
  • Handschuhe (für den Fall des Regens)
  • Armlinge
  • Pass, EC-Karte, Geld
  • Mini-Sonnencreme Schutzfaktor 50 (ich wär wohl sonst schwarz-rot)

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Unsere Strecke hatten wir nach Gefühl und Kenntnis ausgewählt. Wir wussten, wir müssen am ersten Tag nach Füssen runter-rüber und dass wir in Bad Kohlgrub bereits auf den gekennzeichneten Radweg stoßen würden. Das war unser Plan, daher fuhren wir von München am Starnberger See entspannt gen Süden. In Seeshaupt nahmen wir dann den Radweg durch die Wälder nach Weilheim – beste Idee überhaupt, da diese Wege durch den Wald einfach toll waren. In Weilheim suchten wir dann unseren Weg via Google Maps Richtung „runter“ und zwar solange, bis wir in einem Wald standen und nicht mehr weiterkamen. Google sagte „geradeaus“, die Streckenführung sagte „geradeaus“, nur der Wald sagte eben typisch „Willkommen in der Wildnis!“ und es gab keinen Weg. Null Weg. Niente. Also umdrehen, über großsteinige Wege zurück und weiter außen rum. Die Hitze von 32 Grad ließ uns fluchen, keuchen, die leere Wasserflasche schielte ich schon sehnsüchtig an und es wurde zu einem Stop-and-Go. Irgendwann hielt ich an einem Hof, fuhr rein und brabbelte die Leute da an meine Wasserflasche bitte bitte aufzufüllen. Taten die dann auch. So eine tote Radlerin auf dem Hof kommt auch recht blöd.

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Wusstet ihr, dass so Namen wie Huglfing und Berg nicht einfach so heißen, weil sich ein besoffener Bayer dachte „I hob a supa Idee füran gscheidn Namen fürs Dorf!“ sondern weil diese Dörfer auf beschissenen Hügeln oder Bergen sind? Wir konnten da nur noch hysterisch lachen, dann schnaufen, dann hyperventilieren und dann nachträglich fluchen. Auf jeden Fall waren wir irgendwann in Schöffau, wollten dort Pause machen, aber fanden nur eine fliegenverseuchte Gaststätte. Da litt ich lieber noch mehr in der Hitze auf dem Rad, als meine verdiente Pause mit Aggressionsbewältigungsmaßnahmen zu verbringen. Von Schöffau war es nicht mehr weit nach Bad Kohlgrub. Nur ging dieser Weg durch den Wald. Und dieser Weg war ein Wanderweg. Kein Radweg – also unserer Meinung nach. Wir waren nach mehr als 90 Kilometern und zuviel Hitze und zuwenig Essen einfach fertig und stierten wortlos jeder für sich nach Bad Kohlgrub. Gelegentliches Warten. Schweigendes Weiterfahren. Stummes Leiden. Und als wir dann in Bad Kohlgrub das Kneipp-Becken entdeckten waren wir kurz davor darin zu baden.

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Nach runtergeschlungenen Getränken und Stochern auf dem Tellern ging es weiter. Anstatt den Radweg mit mehr Kieswegen, mehr Höhenmetern und mehr Strecke zu nehmen bretterten wir dann einfach auf der Schnellstraße entlang. Richtung Schongau, dann bogen wir links ab und fuhren an Bad Wiessee vorbei nach Füssen. Es hatte 35 Grad in der prallen Sonne, wir hatten reizvoll abwechselnden Anstiege und Abstiege und Schwangau kam und kam nicht näher. Ich redete mit mir selber, dann ich hatte seit einer ganzen Weile nichts mehr getrunken, wir teilten uns eine halbe Wasser-Bidon und waren wirklich durstig. Bis die Tankstelle kam und uns Dörrpflaumen wieder in einigermaßen frische Radfahrerinnen verwandelte. Danach fuhren wir auf dem traumhaften Radweg, Schloss Neuschwanstein kam immer näher, die Umgebung roch nach Alpen, gemähten Gras und Sonnentag. Wir sammelten Fliegen mit den Augen, fuhren im Schatten der Berge entlang und überquerten den Lech. Ein Aperol Sprizz und ein Joghurt-Becher für Marianne, eine Weißweinschorle und ein Erdbeer-Spaghetti-Becher für mich. Dazu das Plätschern des Brunnen und das Wissen, dass ein Bett auf uns wartete. Neben tausend anderer kleiner Geschichten war dieser Tag der vollste und noch immer der schönste des #bodenseetrip. 

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Tag 2: Schönes Allgäu, schöne Berge, schön miese Höhenmeter

Aufstehen. Hatte ich geschlafen? Bis auf den irren Dänen, der nachts brabbelnd vor seiner Schublade stand, auf und ab und auf und ab schloss, reinleuchtet und das Zimmer verließ und wieder betrat hatte ich zwei Koreaner, die neben mir mit Licht „flüsterten“ und auf dem Laptop rum tippten. Wie. ent. spannend. Hätten wir noch etwas mehr Zeit gehabt bei der Planung hätten wir sicherlich ein Zweier-Zimmer bekommen, aber so kurzfristig war das uns egal. Bett ist Bett und Dusche ist Dusche. Nach einer schnellen Klamottenwäsche am Abend verließen wir in der Früh um 7 die Jugendherberge in der Altstadt zum Frühstück und sogen die kalte Frische eines Sommertages ein. Wir kühlten nach und meine eingebrannte Kante war der Morgenlacher schlechthin.

Weiter mit dem Rad. Ich brauchte allerdings ein paar Minuten, bis mein Hintern das Schmerzniveau akzeptiert und sich angepasst hatte. Autschi. Wir fuhren ins Allgäu. Ins tiefe tiefe Allgäu. Vorbei am Hopfensee und immer wieder am „oooooh“ und „aaaaah“ machen, weil die Berge so sagenhaft schön strahlten. Wellig war’s und schon ordentlich heiß, wie das nur tagsüber werden sollte? Von Welle zu Welle kämpften wir uns von Dorf zu Dorf, ich zählte die Katzen und stand nur noch bei Anstiegen im Rad, weil alles andere nicht mehr machbar war. Seltsame Umsetzung. Von Füssen ging es über kleine Radwege nach Nesselwang. Was für eine Landschaft, was für ein Wetter und die Berge… ich war verliebt und bin es noch immer. Aufgrund der ganzen Verliebtheit verfuhren wir uns natürlich wieder, bretterten einmal um den Grüntensee rum und weiter über Wertach nach Rettenberg, gen Ende auf der Schnellstraße. Und alter Verwalter, was für ein Downhill das war!  In Immenstadt wurde es Zeit für ein Eisbecher und der Plan zum erfrischenden Kühl fand schnell zwei Befürworterinnen. Ich schlief kurz ein und Marianne hielt ihren Freund auf dem Laufenden. Bevor ich dann ganz wegratzte radelten wir weiter zum Großen Alpsee, wurden nackig und dann wieder angezogen und sprangen ins kühle Nass. War ganz nett, allerdings gibt es sicher schönere Badeplätze an diesem See.

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Die Hitze stieg und stieg, ich zog mich aus. Jersey musste einem Top weichen und die leichten Sommersocken von Assos kamen an die Füße – angenehm. Am See entlang fuhren wir dann über Stiefenhofen, Oberreute und Weiler Simmerberg nach Scheidegg. Vorher hatten wir aber ein Blackout und kehrten irgendwo ein. Bestellten irgendwas zum Trinken. Exten das, bestellten nochmal und irgendwas zum Essen. Ich aß, weil ich wusste, dass ich musste. Außer einer Breze hatte ich nichts gegessen und ich hatte noch einige Kilometer vor mir – von den Höhenmetern wusste ich noch nichts. Wir vegitierten im Schatten dahin, ich wollte  mich nur im Schatten da hinten auf der Wiese einrollen und schlafen. Das Rad rief und so machten wir uns auf den Weg. Nach Scheidegg. Hätten wir gewusst, dass uns 7km Daueranstieg erwarteten, wären wir vielleicht anders gefahren. So kam es, dass wir den Weg nach Scheidegg einschlugen und bei dem kleinen Anstieg, der um eine Kurve ging und sicherlich gleich enden würde, etwas fluchten. Als die Kurve klar machte, dass es weiter ginge, fluchten wir noch mehr. Als wir allerdings sahen, dass es dauerhaft ein ganzes Stück nach oben ging, schaffte ich nur ein „Fuck it“ und haxelte hoch. Irgendwo wartete ich dann und Marianne meinte nur emotionslos „Ich wünsche mir mein Rennrad so sehr herbei“ und schielte wie ich auf den verbleibenden Anstieg. Nicht viel, nicht steil, kein Pass, aber wir waren fertig, Marianne hatte ein Trekkingrad und ich stand nur in den Pedalen im kleinsten Gang. Ole.

Bergab ließ der Schmerz nach, die Alpenstraße war schön schattig und müde aber zuversichtlich bald in Lindau zu sein fuhren wir fleißig weiter. Und dann glitzerte auf einmal der See, unzählige Segelschiffe sahen wie kleine Wolken auf dem Wasser aus, die Berge in zartrosa Licht getaucht und alles wirkte, als läge dem Bodensee daran uns gebührend willkommen zu heißen. Mit einem Eisbecher belohnten wir uns dann, ich durfte mein Handy im Laden aufladen und das Sailing Festival gab die Hits der letzten 25 Jahre zum Besten – mehr oder weniger tontreffend.

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In der Jugendherberge schrubbte ich Klamotten und hoffte auf schnelle Trocknung. In der Dusche wurde mir schmerzhaft klar, dass mein Hintern nicht nur vom Sitzen auf dem Sattel weh tat, sondern dass sich mein Allerwertester wirklich aufgerieben hatte. Daher die sengenden Schmerzen beim Sitzen. Und beim Duschen. Wasser in offene Wunden ist halt doof. Wir cremten uns mit der Nivea-Creme ein, weil wir glühten. Also auch vor Müdigkeit und Erlebnissen, aber in erster Linie dank der Sonne. Hätte ich keinen Helm hätte ich wohl einen Sonnenstich. Und hätte ich mich nicht mit der 50er Creme eingeschmiert… Kopfkino an, Zoidberg los.

Die Strecke von München nach Lindau wurde dank meines iPhones nicht komplett aufgezeichnet, die ungefähre Strecke findet ihr hier: München nach Lindau auf Gpsies

Tag 3: Instagram-Begleitung, Schweizbesuch, Höllenhitze

Das Büffet. Dieses Hostel hatte ein Bio-Frühstücks-Büffet und wir badeten in Schinkensemmeln, Wassermelonen, Ingwerwasser, Müsli, Nutella und Kaffee. Wir füllten die leeren Speicher auf, legten die Klamotten zum Trocknen nach draußen und packten. Ich musste ja immer sorgfältig falten und stopfen und stampfen, aber dann war alles in der Ortlieb-Tasche drin. Draußen wartete schon die Madleine, eine Australierin die ich über Instagram kannte und in Dornbirn studiert. Und die gerne mit uns etwas um den Bodensee radeln würde. Ich finde soetwas immer toll, wenn Menschen spontan sind, tolle Mädels Rad fahren und man unkompliziert schöne Momente gemeinsam verbringen kann. Danke Madleine für’s Radführer spielen und mitfahren!

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Von Lindau ging es für uns im Uhrzeigersinn über Bregenz nach Konstanz. Der Radweg verlief zu 90% direkt am See, nur an der Ostseite machten wir einen Schwenker. Außerdem fanden wir zwischendrin Erdbeerfelder und Erdbeer-Verkäufer. Gesehen, gekauft und Pause gemacht. Mit einem Erdbeerbauch fuhren wir weiter, durch absolut sengende Hitze. Wir knackten die 37 Grad und brettern von einem gestauten Hitzeradweg zum nächsten – von Schattenpause zu Schattenpause. Eigentlich wären wir gerne irgendwo reingesprungen, aber der See bot an der Schweizer Seite keine freundliche Einstiegsstelle. Also entschieden wir, auch aufgrund der irren Preise der auch irren Schweizer: Pause gibt’s in Konstanz, im Tagesziel. Ein kurzes Verschnaufen gönnten wir uns… ähm… irgendwo und saßen am See im Schatten. Ich döste ein bisschen vor mich hin, träumte von Eisbechern und Radler (das Getränk).

Konstanz war recht schnell erreicht, die Stadt war voll, Marianne kurz weg und wir von oben bist unten total verschwitzt. Einen kurzen Eisbecher, dann hüpfte Madleine in den Zug, um wieder zurück zu kommen. Wir wechselten die Location („Tut mir leid, alkoholische Getränke haben wir nicht“) bis wir ein Weißbier- und Radler-freundliches Etablissement gefunden hatten. Leicht apathisch suchten wir dann die absolut nicht empfehlenswerte Jugendherberge AKQA auf. Seltsames Ding, sehr neu und sehr im Industriegelände. Kurz in die Dusche, dann lagen wir nur auf den Betten. Versuchten wieder eine normale Körpertemperatur zu erlangen – diese Bilder bleiben unter uns. Ich weiß zwar nicht wie, aber wir schafften es uns anzuziehen und rauszugehen. Es war drückend schwül und wir sehnten uns das doch versprochene Gewitter, den Regen, den kühlen nassen Sturm her. Wir stapften zu einem absoluten In-Lokal und verschlangen schweigend einen Burgerteller. Dann noch ein Eis für den Weg und wir stapften wieder zurück, langsam funktionierten wir wieder.

Tag 4: Bootsfahrt, Alpenaussicht, Stegschlafen

Ich hätte sie alle gerne verprügelt. Alle, die in diesem Zimmer schliefen. Alle, die nach und nach in dieses scheiß Zimmer kamen. Jeden hätte ich gerne auf den Gang geschliffen, mit „WELCHE VERFICKTE UHRZEIT GLAUBST DU DASS ES IST?“ angebrüllt und dann verkloppt. Klar kann man um 24 Uhr noch Duschen. Klar kann man um 2 Uhr erst ankommen, die Lichter anmachen, die Tür offen stehen lassen, miteinander reden, lachen und klar kann man um 3 Uhr das Bett beziehen und in andere Betten mit der Taschenlampe leuchten. Ich bezieh dich auch gleich neu, du dummes bescheuertes…

Jugendherbergen sind nicht meins. Nach 2 Nächten 4 Stunden Schlaf, 360km und 3.000 Höhenmetern und Höllenhitze darf man auch etwas austicken. Ich war etwas aufgequollen. Kam mir vor wie Spongebob. Kein Frühstück, aber dafür war der Mäcces um die Ecke. EIn Schoko-Kaffee-Frappucciono und ein Erdbeerkuchen kühlten und füllten die Speicher auf. Und auf einmal von rechts: „Sorry. Ist das dein Rad?“ Mein erster Gedanke war, dass der Typ nur einen Piep sagen soll, dass das Fahrrad da nicht hingehört und ich zeig ihm wo mein Frappuccino auch nicht hingehören würde – bei ihm. Aber dann redete er weiter: „Macht ihr eine Bodenseeumrundung?“ Machen hier wohl alle. „Und berichtest du darüber auf Twitter?“ Oh Gott, es ist soweit, ein Stalker. „Ich bin MTBKonstanz! Hallo!“ und dann war alles klar. Der Jens ist MTBler und wir hatten über Twitter Kontakt, wieder mal: Schön, dass diese Social Media Welt voller toller Menschen ist! Nächstes Mal Jens planen wir etwas mehr Zeit ein – und nicht wenn ich unter akutem Schlafentzug leide.Foto 07.06.15 08 13 20

Wir fuhren mit der Fähre (hollareiduljö, eine Bootsfahrt die ist lustig, eine Bootsfahrt die ist schön) – das war toll. Ich liebe Schiffsfahrten, da kommt die kleine Heldin in mir durch. Je mehr Seegang desto besser. Die Fähre allerdings tuckerte schön über das glitzernde Wasser nach Meersburg, brachte uns auf die schönere Nordseite. Warum schöner? Weil wir ein dauerhaftes Alpenpanorama hatten. Läppische 60km waren das. Und wir hatten Zeit. Also planten wir einen Stop in Friedrichshafen ein – natürlich mit Eisbecher – und einen Stop am See im Freibad. Bikini an und ich ratzte sofort am Steg weg. Im kühlen See den Bergen entgegen zu schwimmen ist wirklich etwas Schönes. Marianne und ich genossen die Zeit und ich konnte meine Tanlines an den Beinen etwas ausgleichen.

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Am Bahnhof hätten wir nichts gegen gebratenen Chinamann-Reis gehabt oder leckere Sandwiches. Es gab leider nur miese Verpflegung, aber das Radler in der Flasche war uns sicher. Ab in den Zug, Räder verstaut und schon saßen wir. Während am Fenster das Allgäu und sommerliche Landschaften des wunderschönen Bayerns an uns vorbeizogen merkte ich, dass ich lieber draußen wäre als im Zug. Aber unser #bodenseetrip war zu Ende. 430km, 3.800 Höhenmeter und viele wunderbare Erinnerungen an eine tolle Strecke mit einer unglaublich entspannten Mitfahrerin – danke Marianne. Ach ja, und mit einen wunden Arsch. Ich lief mit Pflaster am Popes rum, wenn das mal kein Opfer für den Radsport ist.

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Problem: Ich bin angefixt. Ich will mehr. Und diese Sommertage auf dem Rad, die um 6 Uhr schon beginnen und einfach Freiheit bedeuten, von denen will ich mehr.

7 Antworten zu “Schloss Neuschwanstein, Alpenpanorama, Eisbecher: Zum Bodensee und einmal rum #bodenseetrip

  1. Was für eine tolle Aktion! 🙂
    Tut mir nur leid, dass ausgerechnet meine alte Heimat so eine miese Unterkunft zu bieten hatte. Die JuHe kenne ich aber nicht. Ich kenne nur die im alten Wasserturm. Trotzdem scheint es aber ja echt toll gewesen zu sein. Etwas irritiert hat mich nur, dass Freiburg nun plötzlich am Bodensee liegt. Ich denke mal, ihr wart in Friedrichshafen. 😉

    • Ups ja – vollkommen richtig. Der Sonnenstich hat sich einfach doch auf mein Gedächtnis ausgewirkt. Besser ich gleich aus 😉
      Naja, Konstanz ist dann eben nicht meine Lieblingsstadt – dafür hab ich andere.

  2. Ich sag nur: Hirschtalg Sportcreme – wortwörtlich fürn Arsch. Hat mir ebendiesen schon oft gerettet 😉
    Coole Tour btw.

  3. Alleine für die Bilder vom Spaghetti-Eis und meinen jetzt entstandenen Hunger hat es sich gelohnt, mir deine Tour noch einmal anschauen. Starke Bilder, starke Tour!

  4. BIn so froh dort zu wohnen wo ihr euch durchgequält habt. Nachdem in Huglfing/Oberhausen täglich gefühlt 1000 Radler durchkommen, kann ich nur sagen: mir gefällt’s hier. Da ich allerdings fast nur mit dem MTB unterwegs bin, finde ich die Wege auch nach Schöffau, Bad Kohlgrub, etc. super schön und vor allem nicht so überlaufen.
    …. außer wenn die Preissn aus München wieder mal das Oberland erkunden …

    • Hahaha, die Preißn fahren eben gern dahin wo’s schön ist 😉 Und im Berchtesgadener Land ist’s nicht anders muss ich sagen. Aber schön wohnst du, sehr schön und ich hoffe du denkst bei jeder Ausfahrt und jedem Spaziergang und Alpenblick und und und daran, wie toll es ist 🙂

  5. Pingback: Hügelstraßen, dobrý den Tschechien, Fantapausen, Moldauradweg: Von München nach Prag #moldautripp | RedCherryPepper·

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