Bänderriss – was tun, was hilft, was schadet?

Bänderrisse sind doof. Weil sie schmerzhaft sind, langsam verheilen und sich die Auswirkungen noch lange bemerkbar machen können. Und so ein Band ist recht schnell gerissen, dafür muss man nur einmal richtig saublöd aufgestanden und umgeknickst sein. Eventuell sogar mit einem eingeschlafenen Fuß. Vielleicht sogar ohne, dass man es bemerkt hat. Man steht auf, merkt, dass der Fuß taub ist, denkt sich „Jetzt sollte ich nicht damit auftreten!“ und befindet sich jedoch schon in Schwung. Während des Auftretens mit dem eingeschlafenen Fuß und dessen Umknickens ertönt ein wunderbar knackig-schnalzendes Knirschgeräusch aus dem Fußgelenk, das einem ganz klar und deutlich sagt: Oha, da ist jetzt was passiert. Ganz unabhängig davon habe ich mich dann auch entscheiden ein bissen auf dem Bett zu liegen, mein Kissen zu umarmen und zu hoffen, dass der Schmerz doch bitte wieder abflauen soll.

Schritt 1: Kühlen, hochlegen und nicht belasten

Wenn das eigene Gefühl schon sagt, dass sich das jetzt nicht unbedingt rosig angehört hat, dann sollte man auch auf sich selbst hören. Wenn man nicht alleine daheim ist, dann plärrt man am besten wie irre rum, sodass Hilfe kommt. Ist man alleine daheim, humpelt man zu Kühlschrank und holt sich ein Kühlpack oder tiefgekühlte Erbsen oder ähnliches raus. Damit geht’s dann ins Bett: Kissenstapel machen, betroffenen Fuß hochlegen und kühlen.

Schritt 2a: Arzttermin ausmachen

Am besten während man liegt das Handy angeln und den Orthopäden des Vertrauens anrufen, Situation schildern und Termin geben lassen. Und nein, da geht kein Weg dran vorbei. Sicher ist sicher.

Schritt 2b: Leiden

Das gehört dazu. Jammern, leiden, humpeln, das eigene Rad streicheln mit dem Wissen, dass man es einige Zeit erst mal nicht benutzen darf, die Laufschuhe beweinen, jetzt erst recht eine Pizza für 4 bestellen… Es tut weh, es ist doof.

-> Bitte diesen Punkt, wenn notwendig, wiederholen. Allerdings empfiehlt es sich das Leiden auf die eigenen vier Wände zu beschränken. Und bitte: Keiner braucht die gesamte Leidensgeschichte von Tag zu Tag und Woche zu Woche auf Instagram. Es gibt schlimmere Dinge im Leben. Und weitaus schönere Dinge, die es zu kommunizieren gilt. 

Schritt 3: Zum Arzt gehen

In der Zeit zwischen dem Umknicken und dem Arzttermin sollte man auf sich hören. Langsam ertasten ob das Belasten schmerzhaft ist, ob eine Schwellung auftritt und womöglich eine Verfärbung und gegebenenfalls krank schreiben lassen. Wer mit dem Auto irgendwo hin fahren muss, der sollte sich das zweimal überlegen und am Ende lieber daheim bleiben.

Der Arzt wird überprüfen ob eine Zerrung, ein teilweiser Riss oder ein kompletter Riss (Ruptur) vorliegt. Nur in Spezialfällen, wenn es sich beispielsweise um einen Leistungssportler handelt oder auch andere Bereiche Schaden genommen haben, wird eine Operation in Betracht gezogen. Der aktuelle medizinische Stand ist der: Das Band kann von selbst wieder sehr wohl und sehr gut zusammen wachsen. Dafür benötigt das Band aber absolute Ruhe und Stabilität sowie keine bis hin zu sehr wenig Belastung. Bänder, die nicht sauber verwachsen sind, können lange Zeit Probleme verursachen. Außerdem geht man die Gefahr ein, dass man dauerhaft instabil im Fußgelenk ist. So können sich Umknick-Vorfällen häufen.

Schritt 4: Schiene, Schlupfbandage oder Tape benutzen

Wenn das Band ganz ab ist, dann hilft hier nur eines: 6 Wochen Ruhe und eine Schiene tragen. Diese Schiene sorgt dafür, dass man nicht nochmal umknickt und hilft beim Sicherstellen des einwandfreien Zusammenwachsens. Natürlich sollte man damit keine Marathons laufen, Radtouren machen oder wandern gehen – ein Bänderriss schmerzt ohnehin schon und sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Schonen wo es geht!

Ist das Band gezerrt oder nur teilweise gerissen, hilft auch hier vor allem Stabilität. Eine Schlupfbandage ist eine Bandage in Form eines Sockens, der vorne offen ist. Mit Silikon-Stabilisatoren an den Seiten gewährleistet es auch hier etwas Support und Stütze. Diese Socke bekommt man auf Rezept im Orthopädie-Häusern. Aber auch Tapen kann helfen, vor allem bei Zerrungen, die sehr schmerzhaft sein können. Am besten belastet man das Bein nicht sofort wieder, sonder kühlt es regelmäßig, pausiert den Sport und schraubt das Bewegungspensum runter.

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Schritt 5: Heilung unterstützen

Es kann nie schaden den Heilungsprozess zu unterstützen. Zum Beispiel können Arnika Globuli helfen oder auch Arnika-Salben oder -Sprays, die es in der Apotheke von „Allgäuer Latschenkiefer“ gibt oder im Drogeriemarkt.

Eine Lockerung der Wadenmuskulatur mit der Blackroll oder einem Blackball kann auch helfen, dass man nicht andere Probleme anlockt. Durch das veränderte Gehen, das Humpeln oder das fehlende Bewegen können auch hier Verkrampfungen, Verklebungen oder Verspannungen entstehen. Auch die können schmerzhaft werfen.

Und dann sollte man auf eines auf jeden Fall pochen: Physiotherapie. Um Stabilität zu erlangen helfen Übungen und das geschulte Auge eines guten manuellen Physiotherapeuten.

Schritt 6: Bewegung

Einfach so nach 6 Wochen wieder hardcore drauf los dreschen… nope, das ist eine selten-dämliche Idee. Auch nach dieser Zeit muss man dem Körper Zeit für Heilung geben. Aber das Fitness-Studio ist kein Problem. Am besten macht man sich hier einen Termin aus und lässt sich beraten, welche Übungen ideal sind, ohne dass man das Fußgelenk zu sehr belastet. Hier sind vor allem Rumpf- und Stabi-Übungen sinnvoll, sowie Beine- und Po-Training, solang es nicht auf das Fußgelenk geht. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden. Kleiner Tipp: Tut die Übung weh, dann sollte man es lieber noch sein lassen. Und zickt nach der Übung der Fuß, sollte man es nicht übertreiben und gut pausieren.

Ansonsten muss man sich vorsichtig an Bereich rantasten. Auf das hören was der Arzt gesagt hat und der Physiotherapeut einem mitteilt. Anstatt direkt los zu laufen, kann man mal in Sportschuhen einige Kilometer zügig spazieren. Und dann mal schauen, wie sich der Fuß verhält, ob das Band sich meldet. Anstatt direkt aufs Rennrad zu hüpfen und in die Berge zu rasen, wäre es gut daheim einmal das Ein- und Ausklicken zu üben – ob das schmerzfrei geht. Und dann vielleicht einmal eine halbe Stunde oder eine ganze auf der Rolle trainieren. Wer keine Rolle hat einfach mal auf dem normalen Rad – ohne Klickies – fahren. Das Drücken der Pedale muss getestet werden. Und wenn es gut wunderbar! Wenn es noch nicht geht – Geduuuuld! Gut Ding will Weile haben. Und Kühlung. Und Arnika. Und Physiotherapie. Vor allem das.

4 Antworten zu “Bänderriss – was tun, was hilft, was schadet?

  1. Protipp für 2b: noch unbedingt eine Dauerversorgung mit Gummitieren sicherstellen – hat mir schon mehrfach geholfen

      • Du wirst lachen, der Tipp kam echt von meinem Arzt 🙂 Wegen der Gelantine. Er meinte entweder Gelantine in irgendwas auflösen und trinken oder Gummibären essen. Da musste ich nicht lange überlegen als bekennender Gummitierjunkie

  2. Pingback: Lieblingsblogs Folge 99 - Coffee & Chainrings·

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