Women’s 100 by Rapha: Weltweit 100km radeln, Ladies only

Ich bin 100km geradelt. Eigentlich mehr, weil ich mich auf der Hinfahrt und Rückfahrt verfahren habe. Sind dann am Ende des Tages, der schon um 9 Uhr anfing, ca. 130km geworden. Und all das nur, weil Rapha wieder zum weltweiten „Women’s 100“ Event geladen hatte. Wie kann ich da „nein“ sagen, wenn der offizielle Ride in München stattfindet? Eben, ein Ding der Unmöglichkeit. Und das fanden irgendwie auch einige Tausend Frauen weltweit. Helm auf, Schuhe an, Sonnenbrille auf die Nase und lospedaliert. 100km warten!

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Gestartet sind wir an der Waldwirtschaft München. Wir, das sind über 35 Frauen gewesen. Groß, klein, alt, jung, Rennsemmel, Gemütlichkeitsfahrer, Anfänger, Vollprofi. Alles war dabei, aber eins hat uns verbunden: Das Rennradeln. Wir waren alle hier, um gemeinsam Teil einer weltweiten Bewegung zu sein und die Challenge anzunehmen. Ich war natürlich wieder einmal zu spät dran. Wollte ich eigentlich pünktlich um 9 Uhr da sein, da die Abfahrt um 10 Uhr war, kam ich 10 Minuten vor Start erst an. Ich und mein Orientierungssinn, wir sind nicht wirklich ein gut funktionierendes Team. Daher gab’s ein schnelles „Hallooooo!“ von Franzi von Rapha, eine Banane ins Trikot und eine Breze an den Lenker. Gefrühstückt hatte ich natürlich nicht, wollte das in aller Gemütlichkeit tun. Pustekuchen. Noch kurz ins Gruppenbild gehetzt und dann ging’s los. Leichte Gänsehaut beim einheitlichen Einklicken von mehr als 70 Pedalen und los ging’s.

© Sebastian Schels

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Erst einmal: Was will denn dieser olle Mopedfutzi da hinter uns? Mann, auf die Straße mit dir, nerv nicht, typisch die bekloptten Mopedfahrer, die können mich ma… oh, das ist unser Fotograf. Das erklärt natürlich alles. Vor allem, da ich aufgrund der Unmöglichkeit meine Leistung einzuschätzen mich lieber ganz ganz hinten eingereiht habe. Mit Amélie von Rapha, die als Lumpensammlerin mich schon mal als garantierten Lumpen hatte. So konnte ich in Ruhe radeln und musste nicht in der Masse etwaige Radlerinnen ausbremsen. Fand ich gut.

Denn die 100km Strecke, die von München über Wolfratshausen, entlang des Starnberger Sees zurück nach Leutstetten ging, diese Strecke hatte vor allem am Anfang viele leichte und fiese Steigungen drin. Und ich bin alles andere als ein Climber. Ich bin eher ein Roller. Biskuitrolle mit Kirschfüllung. Aber ich hab die Steigungen gut gemeistert, konnte sogar ab und an welche überholen. Dennoch dachte ich immer wieder, dass jetzt, just in diesem Moment wohl meine Lunge platzt. Oder mein Japsen und Keuchen sicherlich das Image des „coolen Rennradeln“ für immer zerstört – für die außenstehenden Passanten. Ich klang, als wär ich kurz vorm Kollabieren. Aber das Talent hab ich auch beim Laufen. Würde ich wenigstens Leistung vollbringen, wie der Typ, der mich beim Basetrail überholt hat und vom Supertrail kam, dann würde ich ja nix sagen. Aber auch Kirschbiskuitrollen wollen überzeugen 😉

© Sebastian Schels

© Sebastian Schels

© Sebastian Schels

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Der Sonntag war ein wunderbarer Sonnentag, heiß, schwül und mit blauem Himmel. Nicht nur waren deswegen die Flaschen bald leer, sondern auch die Energiereserven. Außerdem brannten meine Füße und ich war kurz davor barfuß weiter zu fahren. Sehr kurz. Aber von Rapha gab’s ungefähr bei Kilometer 52 eine Pause – inklusive Säften, Wasserkanister, Espressomaschine, Muffins und und und. Während die Berge von Gewitterwolken langsam umhüllt wurden brannte uns die Sonne auf die Köpfe, Salzkrusten im Gesicht wurden mit viel Lachen als natürliches Peeling akzeptiert und ich hätte mir am liebsten eine Cola-Infusion gelegt. Ohne Cola ist das aber schwer, daher gab’s süße Fruchtschorle und Schoko-Muffins. Und viel viel Wasser. Natürlich mussten hier wieder Gruppenfotos her, Pippi-Pause hinter der Scheune war auch angesagt („Ich würd da jetzt nicht hinter gehen. Ne, würd ich nicht.“ wir so zu den männlichen Kollegen, die das Event grandios mitorganisiert haben.) und mein Knie musste ein bisschen gereinigt werden.

© Sebastian Schels

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Der zweite Teil der Strecke war, wie eben jeder zweite Teil ist, besser. Schneller und ich fing an, mich wohl zu fühlen. Anstiege liefen besser, das Treten lief geschmeidiger und aufhören wollte ich sowieso nicht mehr. Vielleicht lag das an dem glitzernden Starnberger See, der zu unserer Linken war? Oder an der wunderbaren Platten-Einlage zweier tollen Mädels, die beim Aufpumpen mehr ins Schwitzen gerieten als bei der ganzen kompletten Tour? Oder an den paar Gesprächen, die sich langsam auftaten (beim Sport bin ich so wie ich bin, eher für mich und ruhig) und Spaß machten? Vielleicht lag’s auch daran, dass Ricky von Rapha versuchte Petrus zu beschwören, damit wir noch trocken in die Waldwirtschaft zurück kämen. Auf jeden Fall war es toll. Einfach nur toll. Und die Strecke kann einiges.

© Sebastian Schels

© Sebastian Schels

© Sebastian Schels

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Mit schönen Tan-Lines, Salzlinien im Gesicht und dem Gefühl, was geschafft zu haben, kamen wir dann ins „Ziel“. Da staksen dann 36 Mädels durch den Biergarten und ziehen sich teilweise um, nur um dann gemeinsam mit Rapha-Cap an einem großen (sehr langen) Tisch zu sitzen und über bairische Brotzeitplatten herzufallen. Rapha hat einfach für alles gesorgt und ein bombastisches Event organisiert – vielen Dank für den tollen Tag!

© Sebastian Schels

© Sebastian Schels

© Sebastian Schels

© Sebastian Schels

© Sebastian Schels

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Während wir über Rhabarber-Schorlen, Radl-Outfits, alternative Sportarten und Kennenlern-Fragen diskutieren, kommen jetzt auch „endlich“ Frauenthemen. „Wie hast du denn diese Flechtfrisur gemacht?“ und Ricky nebendran lacht auf und meint: „Jetzt ist es soweit, den ganzen Tag haben wir ohne stereotypische Themen geschafft, aber jetzt muss das doch sein.“ Wir nicken. Na klar, wir sind schließlich Mädels, die Rennrad fahren. Und das ist auch gut so und einfach nur awesome.

5 Antworten zu “Women’s 100 by Rapha: Weltweit 100km radeln, Ladies only

  1. Diesen Beitrag hatte ich irgendwie übersehen. Hört sich nach einem so schönen Tag an. Dein Tag gefällt mir ja noch mehr als der vor einem Jahr hier. Tolle Organisation.
    Leider habe ich es dieses Jahr nicht zu einer Gruppe geschafft, weil ich unterwegs war. Aber für das nächste Jahr steht es garantiert wieder im Kalender.

    • Nächstes Jahr bist du auf jeden Fall dabei – eventuell sogar beim Official Ride? 🙂
      War auf jeden Fall super, vor allem, dass auch das Wetter so gut mitgespielt hat. Vielleicht gibt’s dann mal einen Rapha 200?

  2. Pingback: 12 Mädels, 51km und ein bisschen Dreck: Braver Than The Elements | RunningCherry·

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