Ausflug nach Innsbruck – Laufen, Nichtmehrwegwollen und Schneemampfen

Vor ein paar Wochen waren wir in Innsbruck. Wir, das sind ich und meine vielen vielen Kinderchen. Ne, meine Fans. Ne, wohl eher Kuchensüchtige Onlinefreaks. GIF-verliebte und im asap-ooo-upselling-Jargon sprechende Kollegen. Global Meeting also mit den europäischen Offices.
Und alle so: Skifahreeeeen! Snowboardeeeeen! Saufeeeeeen!
Und ich so: Trainiiiiiing! Rodgauuuuuu! Diäääääät!

Zwei Tage habe ich also für das Training nutzen können. Also eher einfach laufen, weil ich keinerlei Ahnung hatte wohin, woher, wie hoch. Aber trotzdem war’s wichtig, dass ich Kilometer mache. Und für den Zugspitz Supertrail würd’s auch ganz gut herhalten. Als die anderen also die Pisten unsicher machten, versuchte ich die Berge unsicher zu machen. Die konnten nicht mehr vor Lachen und ich nicht mehr vor Atemprobleme, aber ein Versuch war’s wert.

Freitag – Ätherische Latschen-Dosis

Eine kleine Runde sollte es sein. Warm laufen. Raus aus der Stadt Innsbruck und irgendwie hoch. Ich gaffte die Nordkette an, wollte da hoch, aber mein Verstand war klüger und schickte mich woanders hin. Die Strecke ging also nicht zu den bombastisch zuckergußähnlichen Bergen, die stolz auf die Stadt blickten, sondern in die andere Richtung. Von der Stadt aus also hoch zum Schloss Amras, dann weiter zu Aldrans und weiter nach Lans. Und dann lächelte mich da so ein Schild an. Lanserkopf-Runde. Huiiiii, ich laß „Latschen“! Und ab ging’s – Patscherkofel meinem eigentlichen Ziel mal spontan den Rücken gekehrt und lieber am Fuße des Kofels meine Latschenkopf-Runden gedreht. Huiiiiiii. Durchs Unterholz brettern, Auf und Ab, Duft nach Latschen, Glitzersteinchen am Weg und flauschig-schöner Waldboden bedeckt. Der Aufstieg von Innsbruck hoch war schweißtreibend gewesen, runter ging’s mit ordentlichem Tempo und „Jucheeeeee“ und nach 2,5 Stunden war’s auch schon wieder vorbei. Irgendwas über 20 und unter 25km war’s mit nur 668 Höhenmeter (die alle gefühlt im Schloss-Anstieg steckten). War gut. Konnte auch noch eine Berg-Karte basteln und hatte frisches Harz gesammelt… Dieser Duft!

Samstag – Seegruben-Selbst-Massaker

Alles oder nichts. Riegel eingepackt, Gels eingepackt, Gamaschen eingepackt und Jacke dabei. Los los los. Einmal quer durch die Stadt, über die Inn und hoooooch. Hoch zum Alpenzoo – leider kein Spontanbesuch – und über den Wilhelm-Greil-Weg weiter. Irgendwann dann mal Wurzelkraxeln und zur Arzler Alm weiter. Da eine Pause mit Gel und hups, Wasser ist weg. Ach, denk ich mir, passt schon. (Nachtrag: NEEE PASST GARNICHT DU DUMME KUH)

Ohne Wasser also von der Arzler Alm den Rosner Weg entlang, bis man auf den Seilbahnsteig abbiegen kann. Muss man aber nicht. Kann man. Wenn man gerne leidet. So wie ich. (Nachtrag: Oder auch einfach nur total blöd ist.) Anstatt also sich langsam hochzuschrauben kletter-geh ich also den Seilbahnsteig hoch. Hände auf die Oberschenkel und schneller, schneller, höher. Die Gondeln über mich versuche ich zu ignorieren, der Durst irgendwann ist nicht mehr ignorier-bar. Irgendwann kommt der Schnee und ich fange an Schnee in mich hinein zu stopfen, als würde ich verdursten. Was ich irgendwie auch tat.

Je weiter ich noch oben, zum Gipfel kam, desto mehr wurde der Schnee. Irgendwann gab es keinen richtigen Weg mehr sondern nur noch so Fußstapfen, denen man dann querfeldein folgte. Man kämpfte sich durch den Schnee bis man einen breiten Weg fand, der sich zur Seegrube hoch wand. Dem Weg folgte ich und ich lüge nicht, wenn ich sage, dass mir kotzübel war und ich am liebsten einfach nur gern geschlafen hätte. Zwischendrin mal den Sternen vor den Augen Hallo sagen und dann… war ich angelangt. An dem Seegruben-Seilbahn-Restaurant. Noch viel höher, zum Gipfelkreuz, würde ich nicht mehr kommen. Aber das reichte mir. Apfelsaftschorle, Banane und ein Schoko-Riegel halfen. Aber mir war noch immer schwindelig und ich war total erschöpft. Kurzerhand Rucksack auffüllen, Übelkeit niederkämpfen, umziehen bzw. wärmer anziehen weil ich unkontrolliert zitterte und fertig.

Downhill-Phase initiated. Meine Herren, was freute ich mich darauf. Die Aussicht war bombastisch, die Sonne ging gerade unter und der Schnee knirschte glitzernd weiß. Beim Downhill-Laufen verliere ich mich immer in den gleichmäßigen Bewegungen der Beine, laufe bergab oder auch breiten Forstwegen folgend den Bergen entlang. Glitzern der untergehenden Sonne, Schmelzen des Schnees und weicher Waldboden gaben sich die Hand. Anstatt Wurzelklettern folgte jetzt das Wurzelspringen, Hechten und Hüpfen. Mein zickendes Knie ignorierte ich, es wurde immer dunkler. Die Stadt zu meinen Füßen kam näher und näher und entfaltete sich zu einem wachsenden Lichtermeer. Eigentlich wollte ich oben bleiben, aber meine Füße bewegten sich einfach so auf dem schmalen Weg.

Einmal hoch und einmal runter, danach ab in die Sauna. Was hab ich da geschafft? Irgendwas über 30km und 1.347 Höhenmeter (nur, leider). Aber mensch, was für ein Muskelkater in den unteren Wadeln. Da gilt’s noch einiges zu arbeiten. Aber so verliebt in die Berge bin ich schon etwas. Und stolz. Die nächsten Berge können kommen!

Eine Antwort zu “Ausflug nach Innsbruck – Laufen, Nichtmehrwegwollen und Schneemampfen

  1. Pingback: Wenn das Laufen zum Arschloch wird: Langeweile & Enttäuschung | RunningCherry·

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