Tolino – Ein Zusammenschluss der „Riesen“ als digitale Leserevolution?

Heute gab’s eine Pressekonferenz, die man über einen einigermaßen brutal schlecht laufenden Livestream mitverfolgen konnte. Wer war da? Die Riesen: Thalia, DBH, Bertelsmann und Telekom. Die haben die digitale und nationale Leserevolution vorgestellt: Tolino. 

Also was ist Tolino?

Salopp gesagt: ’n eReader mit offenem System. Dieses offene System ermöglicht Flexibiltät und steht im krassen Gegensatz zu aktuellen Riesen wie Amazon, dessen eReader „kindle“ nur via Amazon gekaufte eBooks zulässt.  Hat Vor- und Nachteile – für wen die sind, muss ich nicht erklären. Aber hatte ich das offene System schon erwähnt? Das ist toll, denn das ist so anders und steht im Mittelpunkt der Definition der sogenannten „Digitalen Leserevolution“ des Zusammenschluss.

Aber Tolino ist auch eine Cloud. Hat auch ein Wolken-Logo, wie lustig. Da können die ganzen Bücher abgespeichert werden und via Cloud-Zugriff auf anderen Geräten gelesen werden. Weil Funktionen wie „Es merkt sich, wo ich aufgehört habe zu lesen“ nämlich auch sehr wichtig. Finde ich wirklich, aber so besonders? Zum Glück werden alle anderen Funktionen, die auch bei anderen eReadern zu finden sind, als „Klar ist das normal, aber würde es fehlen, wäre es noch blöder“ definiert. Daher wird da nicht näher drauf eingegangen.

Die liebe Frau Hugendubel mit einer etwas seltsamen Wasserwellen-Frisur hat etwas Positives gesagt. Nämlich, dass kleine Buchhandlungen nicht außen vor gelassen werden und integriert werden können/sollen/müssen/dürfen. Als Beispiel: buecher.de wird von Anfang an schon integriert. Aber da hatte ich mich wohl verhört. Ich definiere kleine Buchhandlung, die keiner der Ketten angehört, nämlich als „Buchhandlung Lehmkuhl“ oder als „ExLibris“. Aber egal. Ich hab schlechte Ohren.

Schön war auch die Aussage, dass man Innovationen nicht mit Hardware sondern mit Software macht. Daher verwende man auch Android für den Tolino. Und außerdem will man kein deutsches iBooks bzw. iTunes darstellen, der Zug dafür sei längst abgefahren. Klar. Weil das vor 2 Jahren noch gefunzt hätte. Total.

Was hat der Tolino also alles?

  • Haptische Samtoptik
  • Farbe: Metallischbraun
  • Akkulaufzeit von 7 Wochen
  • Beleuchtung
  • Speicher für 2.000 Bücher
  • 300.000 verfügbare Titel
  • Erweiterungsmöglichkeiten mit externen Speicher
  • „sehr sehr attraktives Preis-Leisungsverhältnis“

Hier ein paar Bilder von der Produktvorführung.

Das finale Ziel dieses Zusammenschluss der „Riesen“ ist und bleibt es die Abhängigkeit durchzubrechen, die andere versuchen durchzudrücken. Aber auch das Lesegefühl und das Leseerlebnis stehen im Mittelpunkt. Bis dato war der Bereich „Digitales Lesen“ noch ein Nischenmarkt, der jetzt aber als profitabler Markt angesehen wird und durch Tolino gepusht werden soll. Mal sehen ob das klappt. Der Bereich „Apps“ soll ja auch noch folgen, weil man Trends schon glauben sollte. (Trend zum Tablet PC besteht.) Was ich sehr wichtig finde.

Und immer wieder hervorgehoben wurde – ja, auch das offene System – aber auch die Präsenz vor Ort. Die menschliche Nähe in den Läden. Die Beratung. Und nochmal: die menschliche Nähe. Die ich aber vor allem bei den Riesen wie Thalia oder Hugendubel dank chronischer Unterbesetzung oder Beratung bei Fragen „Welche Barbiepuppe/Kochlöffel/Auflaufform nehme ich nur?“ stark vermisse. Vielleicht bringt ja Tolino soviel Umsatz, dass man mehr Leute einstellen und die gut bezahlen kann. Wer weiß.

Solang ich das Ding nicht in den Händen gehalten habe und ausprobieren konnte, kann ich nichts weiteres dazu sagen. Neugierig, aber skeptisch. Man redet ja immer soviel… Und dann gibt es keine Webseite, ist schon irgendwie doof. Auch wenn der Tolino erst ab 7. März verfügbar ist. Mal abwarten.

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