Japan – Survivalguide für den Sommer

Nachdem ich jetzt schon ganze zwei Wochen in Japan bin und das in der heissesten Zeit des Jahres möchte ich denjenigen, die nach Japan kommen und eventuell den August oder September mitbekommen ein paar sinnvolle Tipps und Tricks weitergeben, die mitunter auch Leben retten können. Oder vorm Er-schmelzen retten. Ist fast genauso schlimm.

Im August ist die durchschnittliche Temperatur meist um 20 Grad wärmer als in Deutschland die Sommertemperatur ist – wir wünschen uns einen Sommer mit 27 Grad, damit man ins Schwimmbad gehen kann, Eis essen oder in Sommerklamotten rumlaufen kann. Meist haben wir in diesem Monat einen eher durchwachsenen Sommer mit oftmals 15 oder 18 Grad. Nicht so in Japan. Anfangs dachte ich, dass ich mit 38 Grad Tagestemperatur gut zurecht kommen würde, aber eines hatte ich vergessen: die Luftfeuchtigkeit.

In Japan ist es im Sommer sehr heiß, das bedeutet 32 bis 38 Grad tagsüber, manchmal an Regentagen auch etwas kühler, aber die Hitze ist jedes Jahr da. Und wenn diese heißen Tage noch nicht genug wären, toppt man das noch, indem man 70% Luftfeuchtigkeit dazu gibt. Kurzum: Heiß, schwül, stickig. Und hier ein paar Tipps wie man den Sommer in Japan am besten überleben kann:

  • Handkerchief

Das ist ein kleines Handtuch, das auch gerne im Winter oder sonst als Handtuch für die Hände nach dem Toilettengang benutzt wird und in allen Facetten angeboten wird: Hello Kitty und Miffy für die „Jüngeren“ und gediegene Blumentücher für die älteren Damen; einfarbige schlichte, Stickereien an einer Ecke oder handgearbeitete Färbungen – es gibt sie überall. Und was macht man im Sommer mit einem Handtuch? Schon mal bemerkt, dass man durch das Laufen in der Hitze, durch die Schwüle und durch die Hitze der Stadt … schwitzt? Und schon gemerkt, dass dieser …  Schweiß stört, nervt und überall hin rinnt? Genau dafür ist das kleine Handtuch da: Schweißwischtuch für Gesicht, Hals und sonstiges. Und es ist wahnsinnig hilfreich – wer steht denn schon gerne bei einem Date schweißüberströmt mit glitzernden Schweißperlen auf der Lippe da und begrüßt Freund/Freundin? Eben.

  • Fächer

Damals, vor langer Zeit … Pustekuchen. Fächer sind in Japan normaler als man glaubt. Ohne Fächer nämlich steht die Luft und der Hitzschlag rückt etwas näher. Mit dem Wedeln des Fächers kann man frische Luft in Gesicht, Dekoltee oder sonst wo hinfächeln – es hilft! Und das haben auch die Marketing-Firmen entdeckt und bieten die simplen Fächer aus Plastik mit unzähligen Motiven und Werbesprüchen an – für umsonst. Aber man kann sich auch welche mit beliebten Motiven wie Totoro von Hayao Miyazaki oder einen traditionell japanischen aus Bambus mit Kirschblüten  oder Hasen kaufen. Dazu gibt es dann noch die als „Fächer“ in westlichen Spähren bekannten Klapp-Falt-Fächer, die es ebenfalls in unzähliger Ausführung gibt, aber meist muss man dafür etwas mehr Geld hinlegen, wenn man nicht möchte, dass der Fächer nach ein paar Mal auf- und zufalten auseinander fällt. Immer dabei haben – wer nicht wedelt, der hat im Sommer in Japan ein kleines Problem.  Im japanischen unterscheidet man zwischen den Uchiwa und den Ogi, dem einfachen Blattfächer und dem Faltfächer.

  • Eis

Was ich bei dieser Hitze brauche ist Magnum-Eis. Schöne Schokolade aussenrum mit süßem Vanilleeis und dicken Karamelkern der… So ein Blödsinn. Wer bei diesen Temperaturen eine Weile spazieren war, durch Wald, Stadt, Wiesen oder sonstwo, und eine Rast einlegt, der braucht keine klebrige, schwere Süßigkeit. Eher etwas, das wirklich kühlt, entspannt und die innere Temperatur auf ein Normalmaß senkt: Kakigori. Auf gut deutsch: Geraspeltes Eis, auf das dementsprechend ein Sirup mit Geschmack kommt. Man sitzt also im Schatten, hört die Zikaden wortwörtlich brüllen, wedelt sich Luft zu und hat das Handtuch um den Hals gelegt – da kommt dann auch schon das Kakigori mit Erdbeer-Geschmack. Eine Schale mit Eisraspeln vom Eisblock runtergehobelt – sozusagen Crushed Ice, nur in lecker. Wer eine Schale davon verdrückt wird merken, dass die Zunge fröhlich ihren Geist aufgibt und das Wedeln nicht mehr notwendig ist – gottseidank.

  • Kühlgel

Etwas Kühlendes ist immer gut, vor allem dann für das Gesicht und so. Aber dafür gibt es Wasser, Fächer, Handtuch und Schatten. Was noch in keinster Weise gekühlt ist, das sind unsere Füße. Und mal ehrlich: Wessen Füße fangen nicht irgendwann bei hohen Temperaturen, Herumgelaufe und Luftfeuchtigkeit das Brennen an? Manche sollten sich auf dicke dicke Füße gefasst machen und Schuhe mitnehmen, die etwas Platz lassen, damit man die Füße nicht abschnürt. Da empfehle ich FlipFlops mit einer rutschfesten Sohle, Ballerinas mit guter Sohle und natürlich alle Sportschuhe – je offener desto besser. Und wenn man dann eben doch kochende Füße hat, die zwei Zentimeter an Umfang zugenommen haben hilft nur eins: Kalt duschen, mit einem kühlenden Spray oder Gel einreiben, ein nasses Handtuch um die Füße wickeln und ab nach oben. Um die Füße zu entspannen hilft auch Kieferlatschen sehr, in allen Ausführungen, wobei ich persönlich die Creme für müde Füße bevorzuge: eine Investition ist das wert, Füße müssen einen noch lange lange tragen.

  • Autan, dein Freund

Japanische Mücken sind gemein, hinterhältig und leise. Mag sein, dass nachts nichts in Wohnung, Hotel oder Zimmer gelangt, aber der Aufenthalt draußen ist gefährlich genug und man merkt es erst, wenn es zu spät ist. Dann bilden sich je nach Person unterschiedlich große und hügelige Flecken, die mitunter stark jucken können und sich auf mysteriöse Art und Weise vermehren. Daher: Autan vorher und Fenistil nachher. Oder kühlen. Oder Spucke, das ist mein Heilmittel.

4 Antworten zu “Japan – Survivalguide für den Sommer

  1. So ein Rilakkuma Handtüchlein hab ich auch mal auf einem Jahrmarkt in Asakusa erspielt. Sehr praktisch nur war das Muster nicht ganz mein Stil 🙂

    Für diejenigen mit Anzugspflicht unter uns ist Coolbiz übrigens eine sehr gute Idee. Ohne Coolbiz-Jacket und gelegentliche Aussetzung der Krawattenpflicht kann so ein japanischer Sommer (insbesondere wenn Strom gespart wird!) ganz schön an den Kräften zehren.

    • Ja, vor allem da jetzt schön gespart wird … obwohl ich denjenigen, die zu Erkältung etc neigen doch ein paar Hausmittelchen empfehle, da der Wechsel von Heiß zu Kalt immer noch stark bemerkbar ist. „Hui, ist das heiß… Boah, ist das kalt!“ höre ich oft in meiner Gruppe.
      🙂
      Man sollte auch aufpassen, dass man kein Tüchlein hat, das eventuell abfärbt: also vorher waschen 😉 Und Muster ist im Schweiße des Angesichts dann doch etwas egal, oder?

  2. Na das klingt ja nach einem sehr entspannenden Urlaub 😉 Mir reicht ja schon die Luftfeuchtigkeit hier. Gestern bin ich morgens nur in den Laden rein und schon ins Schwitzen geraten, ohne einen Finger zu heben. Merke: Japan im Sommer is nix für mich *g*

  3. Pingback: Sommer-Gerichte in Japan – Ich kühl mich mal ab «·

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