Interview mit RAD RACE: „Mit der Masse kommt dann auch die Klasse“

Rad Race. In der Radszene seit längerem ein Begriff, bekannt für ihre Fixed-Gear-Events und immer am Organisieren von einzigartigen Teamevents ist die Truppe nicht nur sehr lässig sondern auch sehr gesprächig. Mir haben sie nämlich ein paar Fragen, die mir auf der Seele brannten, beantwortet. Danke! Und deswegen ohne große Worte:
Meet RAD RACE!

RAD RACE – woher um alles in der Welt kommt dieser Name? Rad von Fahrrad? Rad von „Awesome“? Eine Denglisch-Kombi? 

Wir waren 2013 im Oktober auf nem Weg zu ner Punkrock Show. Warmer Spätsommerabend. Und ich so: wir brauchen ne eigene Company. Lass geilen Scheiß machen. Schluss mit der ganzen verstaubten Radsportwelt. Lass ne Bike Company aufmachen, die geile Rennen macht und coole Radklamotten vertickt. Das war die Idee. Und wir so: lass das RAD RACE nennen. RAD als Abkürzung für „radical“ und „radial“/ Speiche und „rad“ für awesome und RACE weil Rennen. Und dann haben wir das Logo auf n Bierdeckel gekritzelt und die Facebook Page gegründet. Ich hab dann meine 11 besten Freunde angerufen und gefragt, ob sie Bock haben in ne Idee ihre Ersparnisse zu stecken. Alle waren dabei und irgendwie ging dann alles ganz schnell und jetzt ist auf einmal unsere 4. Saison und wir machen ne Weltmeisterschaft, ne Europameisterschaft, ein Etappenrennen über die Alpen, ein Event im Velodrom in Berlin und haben ein Radsport-Team gegründet, mit dem wir durch die Welt fliegen. Irgendwie alles ziemlich unglaublich und das war nur die Hälfte der Story.

RAD RACE CRIT COLOGNE 2016 - Shot by Drew Kaplan_37

 

Wer RAD RACE persönlich treffen will und ein bisschen die schönsten Städte Deutschlands unsicher machen will, der kann kostenlos bei den Oakley Cycling Sessions mitmachen, Goodies abstauben und eine coole Zeit haben. 

Hat euer Slogan „Stop Raceism, start raceism.“ irgendein Geschehnis als Ursache? 

Der Spruch hat einfach saugut dazu gepasst, dass wir die Radsportszene zwar bisschen aufwirbeln, aber am Ende doch zusammenbringen wollen. Dazu kommt dann unsere „Mission“, dass wir doch eigentlich nur wollen, dass alle gleich behandelt werden. Egal ob Frauen, Männer oder egal wo du her kommst. In den letzten 4 Jahren gab es ja dann leider genug Geschehnisse in der Welt und auch in unserem Umfeld, so dass „Stop Racism – Start Raceism“ aktueller denn je ist.

Und wer ist denn das Kernteam, wer hat RAD RACE ins Leben gebracht und erhält es am Leben?

Ganz am Anfang war es meine Idee. Aber es ist wirklich ein Kollektiv und wir haben mittlerweile 2 Büros in Hamburg (hier machen wir die ganze Kommunikation mit Jo und Carl als Festangestellten und freien Mitarbeitern) und Münster (Minh Thuy macht Merchandise, Taha und Drazen machen die Buchhaltung, John und Flo sind das Event Team, Jan ist Leiter des gesamten Teams und zudem bringen alle 12 Gesellschafter von RAD RACE auch ihre persönlichen Talente ein (Eti & Benni machen unsere Filme; Urban und Paul sind Rechtsanwälte; Ralph ist Banker und Ali macht Werbung…)

Wir versuchen beim RAD RACE immer unsere Freunde in Lohn und Brot zu bringen und versuchen seit dem ersten Tag zum Beispiel auch immer mit Designern und Fotografen zu arbeiten, die wir schätzen und mögen und die wir dann fair bezahlen. Fazit ist: mit Freunden arbeiten macht am meisten Spaß.

Könnt ihr erklären, was das besondere am Fixie-Fahren ist? Ihr hättet ja auch einfach ganz normale Rennräder-Events machen können, aber nein…

Wir kommen ja urspünglich vom Rennrad. Dennoch sind wir mittlerweile wohl auch ein Kollektiv aus Bahnfahrern und Teamfahrern, die bei Fixed Gear Races mitballern. Zudem kannst du bei 3 von 7 RAD RACEs ja auch mit nem Rennrad starten. Komm zu einem RAD RACE und dir wird sofort bewusst werden, warum Fixed Gear so geil ist. Die Fahrer sind anders. Die Stimmung ist cooler als bei 0815 Radsport-Veranstaltungen. Und das Gefühl ohne Bremsen mit 60km/h in nem Rennen zu sein ist dann doch wohl unbeschreiblich. Ist ja jetzt nicht so, als das man mit nem Renner von 60 auf 0 bremsen kann, wenn vor dir einer runtergeht. Aber generell ist das Risiko beim Fixed natürlich schon nochmal n Stück höher.

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Und ihr habt jetzt sogar die ersten richtigen Fixie-Räder von Canyon. Ein Traum für insbesondere mich. Jetzt ehrlich: Mit wem habt ihr geschlafen, um das zu realisieren?

Für uns auch ein Traum. Kannste uns glauben. Wir sind Canyon einfach mega dankbar, dass sie uns und den jungen Radsport so supporten. Klar kriegt Canyon als Direktvertrieb aus dem Internet viel Gegenwind. Aber was viele vergessen: deren Gründer, Roman Arnold, hat schon in den 80ern Radartikel verkauft. Und zwar auf der Straße aus seinem Anhänger. Da er aber ein guter Geschäftsmann ist hat er dann das digitale Zeitalter voll erkannt und genutzt. Und Canyon gibt bis heute mega viel in die Radpsortwelt zurück. Naja und wir haben mit Canyon klein angefangen 2015 und in 2 Jahren dann einfach versucht die Kooperation voll geil auszubauen. Und Canyon Bahnrahmen bzw Fixed Gear Bikes mit zu entwickeln (denn das CANYON V-RAD ist ja derzeit nur ein Prototyp) ist am Ende auch für uns eine Riesenehre.

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Weil man ja nicht an die Canyon-Fixies kommt würd ich gern von euch eure Top-Fixie bzw. Singlespeed-Empfehlungen hören. 

Sorry, kannste vergessen. Machen wir nicht ☺
Aber unsere Empfehlung ist da dann doch zu seinem Local Dealer zu gehen und sich beraten zu lassen, was man braucht. Und wer keinen vor seiner Tür hat, der checkt mal https://www.biglebikeski.com/ ab.

Man nehme an, man hätte nun ein Fixie. Wie oder wo oder wie lange übt man das denn, bis man sich nicht auf dem Asphalt aufreibt bei der ersten Fahrt?

Ich habs in Hamburg in nem Parkhaus geübt. Und dann jeden morgen damit zur Arbeit. Dann haste das schnell raus. Ist am Ende auch 1000x einfacher als man denkt.

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Apropos Asphalt: Wieviele Asphalt Tattoos habt ihr denn?

Leider zu viele und leider auch teilweise schlimme Sachen erlebt. Lass über was anderen labern. Scheiß Thema. Am Ende gehören Stürze zum Radsport dazu. Der Krieg mit den Autos ist aber teilweise schon lange nicht mehr witzig.

Urbanes Radfahren wird aber immer beliebter, weil die Städte immer voller werden. Je voller die werden, umso mehr Radfahrer gibt es. Umso mehr die Leute Radfahren umso mehr checken die wie geil es ist und wollen mehr.

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Ist das Red Hook Crit ein Vorbild oder eher ein Erfahrungspunkt in eurem Rad-Leben (haha)?

Klar ist das RHC ein Vorbild für uns. Wir tauschen uns mit David Trimble auch ganz gut aus. Auch wie er Dinge angeht und er will wissen, wie wir es machen. Zum Beispiel Dopingtests, Live Streams, Sicherheit bei den Races… Das waren so die letzten Themen. Das RHC ist in Jahr 10, wir sind in Jahr 4 und wir sind schon stolz drauf, was wir in Saison 4 geschaffen haben. Am Ende ist uns wichtig, dass wir uns treu bleiben und der große Unterschied zu uns und dem RHC ist, dass das RAD RACE noch viel kleiner ist und wir viel experimenteller mit vielen Dingen umgehen. Wir haben zum Beispiel 4 verschiedene Formate (Last Man Standing, Crit, Battle, Tour de Friends), er hat nur 1. Mal sehen wo RAD RACE ist, wenn wir in Jahr 10 sind… Also 2024… Ganz schön spannend. Ist da nicht Olympia ☺

Interessant: Beim RHC gab es ja am Anfang keine Damenrennen. Damen haben sogar die Männer in den Rennen in ihre Schranken gewiesen, starke Power. Da es aber soviele Frauen und Anfragen gab, wurden dann Frauenrennen umgesetzt. Erstaunlich, wenn man im Rennradbereich oftmals eher nach Frauen sucht. Glaubt ihr, der Urban Racing Bereich ist attraktiver für Frauen? 

Meine ganz ehrliche Meinung, warum nicht so viele Frauen im Radsport sind ist ganz pragmatisch und bisschen klischeehaft. Aber guck mal: Der Sattel ist mega unbequem, die Klamotten alle hauteng, du hast n Helm auf und siehst aus wie ein Pilz… Ganz ehrlich: da ist Skateboardfahren oder Surfen schon cooler als Radsport. Urbanes Radfahren wird aber immer beliebter, weil die Städte immer voller werden. Je voller die werden, umso mehr Radfahrer gibt es. Umso mehr die Leute Radfahren umso mehr checken die wie geil es ist und wollen mehr. Daher glaube ich, dass der eigentliche Radsport-Boom erst noch in ein paar Jahren kommt.

Mit Tour de Friends brettert ihr dieses Jahr über die Alpen. Das erste Event und es hat doch ordentlich für Furore gesorgt: seid ihr happy mit der Resonanz?

Ja mega!! War ja auch nach paar Stunden mit 400 Leuten ausgebucht. Wir sind sogar live gegangen, als wir den Startpreis rausgehauen haben. Einfach um den Leuten zu zeigen, wer wir sind, warum wir das machen und was in dem Preis enthalten ist. Wir sind die ganze Zeit in Österreich, Deutschland und Italien unterwegs, um das Ding vorzubereiten. Ich bin davon überzeugt: wenn das nur halb so cool wird, wie ich denke. Dann rasten alle komplett aus. Ich hoffe sooooo sehr, dass das alles klappt, was wir uns vornehmen. Aber wenn das einigermaßen klappt, dann wird das mega epic. Versprochen!

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Wenn Tour de Friends überzeugt können wir vielleicht mit weiteren Events von euch bzw. mit euch rechnen? Vielleicht etwas, das eher Randonneure anspricht oder Cross-Fans?

Wir haben 2016 in Wien ja schon ein Cyclocross Race in Wien organisiert. Das RAD CROSS. Aber ansonsten wollen wir eher weniger Rennen machen, als mehr. Lieber weniger richtig geile, als 20 beschissene. 2017 sind es 7 und bisher war jedes killer. Aber frag uns das nochmal nach der Tour de Friends Ende September.

 

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RAD RACE „Tour De España 2015“ from RAD RACE on Vimeo.

Canyon hat ja gerade eine neue komplett überdachte Frauen-Kollektion rausgebracht. Wie findet ihr das denn, zumal die anderen Räder ja nicht explizit „Männer-Räder“ heißen.

Finden wir killer! Werden aus unserem Team auch Maria und Tami fahren und ausprobieren. Die Geo von Männern und Frauen ist doch auch unterschiedlich. Daher ist es doch mega geil, wenn Canyon da versucht, spezifisch was für Frauen rauszubringen. Frag Tami und Maria mal in ein paar Wochen, wie die Dinger rollen…

Denkt ihr Frauen brauchen oder wollen immer eine Extrawurst? Wenn ja, ist das denn berechtigt oder zeigt das, dass Männer einfach gechillter umgehen und sowieso schon immer die Welt besitzt haben? 

Aus unserer Erfahrung aus 4 Jahren Orga ist das simple Problem bisher, dass bei Radsportrennen einfach generell zu wenig Frauen sind. Teilweise können wir als Veranstalter da so viel tun wie wir wollen. Wenn nur 20 Frauen kommen, dann ist das Erlebnis einfach scheiße. Wir haben mittlerweile das Glück, dass sich viel mehr Frauen bei uns anmelden. Aber ansonsten brauchen wir einfach mehr Frauen bei den Rennen und in den Trainings. Mit der Masse kommt dann auch die Klasse. Isso.

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Ihr organisiert die Oakley Cycling Session – was ist euer Ziel bei den Events deutschlandweit?

Wir wollen 15 mal richtig geile Zeit auf dem Rad haben. 15 Städte durchfahren. Auf Strecken, die keiner kennt. Erst in dem Moment wo wir losrollen, wissen die Mitfahrer, wo es längs geht. Es gibt ne gechillte 20k Runde für Beginner und 40k für Fortgeschrittene. Am Ende dann für alle Drinks und BBQ aufs Haus und Shirts von Oakley. Dazu den neuesten heißen Scheiß von Oakley ausprobieren. Ist doch megageil, oder?! Wir haben auf jeden Fall mega Bock!

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Oakley Cycling Session: Was ist eure Nachricht an alle, die noch hadern ob sie mitmachen sollen?

Meldet euch for free an und kommt einfach vorbei.
So einfach ist das. Kommt alleine oder mit eurer Crew und habt mit uns ne geile Zeit auf dem Rad. Es geht um ne coole Zeit, nicht um Bestzeiten. Wir wollen einfach crewsen, nicht ballern. Freuen uns auf Euch!

Eine Antwort zu “Interview mit RAD RACE: „Mit der Masse kommt dann auch die Klasse“

  1. Pingback: Oakley Cyclingsession München: Brillen, Bikes und Bier | RCP Blog·

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