Wenn Männer Radsport mit Anbaggern verwechseln

Frauen sind manchmal gerne unter sich. Dafür gibt es ungemein viele Gründe und man kann nicht behaupten, dass es den einen wahren Grund gibt. Manche Frauen fühlen sich unter Frauen einfach wohler, manche verspüren weniger Leistungsdruck, andere möchten die Gefahr sexistischer oder anmachender Sprüche meiden, wieder andere möchten Freundschaften weiblicher Natur sammeln. Alles legitime Gründe – finde ich. Vor allem, wenn man schon schlechte Erfahrungen gesammelt hat. Auch beim Radsport suchen Frauen ganz gerne mal die Gesellschaft von Frauen, weswegen ich auf Facebook eine Rennradgruppe für Frauen leite: MUCiclista. Und heute ist mir wieder klar geworden, dass solche Mädelsgruppen auch Vorteile haben können.

Auf Facebook gibt es auch die eine riesige Gruppe namens Rennradln München, in der so ungefähr alles Mitglied ist, das nur Ansatzweise was mit Rennrädern zu tun hat. Die Jungs machen ihren Job gut, denn wer kann schon alle Mitglieder einer vorherigen Probe unterziehen? So passierte mir es, dass ich irgendwann einmal in die Gruppe schrieb, dass ich bei mir um die Ecke jemanden mit einem Crosser gesehen hätte. Und dass ich mich freuen würde, wenn wir mal zusammen fahren könnten. Daraufhin erhielt ich zwei Nachrichten von Männern aus der Gruppe. Der eine war nett, unterhielt sich mit mir, wir tauschten Radinformationen aus. Der andere war penetrant, schrieb seltsame Sache und war mir unheimlich.

Entsprechend wenig antwortete ich. Auf meine Frage, was er denn eigentlich von mir will und wer er eigentlich sei, antwortete er „Ich bin ich“. Eine Antwort, die erstens mein geliebtes Kinderbuch durch den Dreck zog und mir auf die Nerven ging. Auf so kryptische Antworten habe ich keine Lust, vor allem nicht auf Chatten mit unbekannten seltsamen Männern, denn es gibt genug wichtigeres im Leben. Er schrieb dann später, dass er gerne mit mir mal crossen würde. Aha. Wenigstens weiß ich jetzt das. Aber mein Interesse war nicht vorhanden, fast schon negativ.

Irgendwie ließ er aber nicht locker:

„aber besonders Sprachwuetig bist du nicht“

Mein Winken mit dem Zaunpfahl verstand er nicht, also musste der gesamte Zaun her, so höflich wie nur möglich:

„Nicht, wenn ich dich nicht kenne und so. Bin da zurück haltend. Aber ich meld mich wenn ich mal wieder Crossbegleitung suche, okay?“

So normal eben, wie das mit Radfahrern ist: Wenn man miteinander fahren will, dann spricht man sich ab. Klärt Treffpunkt, Uhrzeit, Strecke und so weiter. Ich kann nicht sagen, was der Herr sich da vorgestellt hatte. Denn offenbar nicht das, was ich ihm geschrieben hatte. Vielleicht dachte er, dass sich durch den Chat eine Liebesgeschichte entwickelt, dass wir uns sofort zum Radfahren verabredeten oder dass ich ihm zumindest die Füße küsse. Ich weiß es wirklich nicht. Denn was auch immer er von mir hören wollte, er war sehr tief und sehr emotional in seinen Gefühlen verletzt:

ich glaub du hast ned alle hatten am zaun – such nen anderen deppen bei dem du dich melden kannst wenn du jemand suchst
abartig

Aha.

Ernst nehmen konnte ich ihn dann erst recht nicht mehr, denn seine Wahrnehmung der Realität gehorcht offenbar komplett anderen Gesetzen, als die anderer Menschen. Auch wenn man denken könnte, dass mich das verletzen könnte, muss ich jedoch verneinen und sagen, dass es mich eher zum Denken gebracht hat.

Und zum Lachen, denn der arme Kerl hat mit seiner Masche einfach nirgendwo Glück: Es stellte sich heraus, dass ich nicht die einzige aus der Gruppe bin, die von ihm angemacht worden war und nach Nicht-Erhalten von was-auch-immer-er-halluziniert-hat dann beleidigend wurde. Aha.

Er schreibt also Frauen an, textet sie zu, bekommt ein höfliches „Chill mal Alta“ und rastet aus. Das schreit ja nach pathologischen Verhalten, Klein-Mann-Syndrom oder verzweifelter Einsamkeit, die er seinem miesen Charakter zu verdanken hat. Sogar auf einer Singlebörse soll er aktiv gewesen sein und eine Frau, nachdem sie ihm klargemacht hatte, dass das hier eben nicht grade die Liebe des Jahrtausends sei, mit Kraftausdrücken nur so beworfen haben. Was für ein Gentleman. Was für ein Traummann ähm Albtraummann. Aber immerhin „traum“ ist dabei. Vielleicht könnte man ihn das mal wissen lassen?

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Und wenn soetwas passiert – mir passiert das ab und an – dann ist man froh, dass man auf eine Gruppe toller Frauen zurückgreifen kann. Die geben ihre Meinungen ab, teilen ihre Erfahrungen, schimpfen über den Typen und sagen mir vor allem eines nicht: „Mann, nimm’s doch als Kompliment! Seh’s doch mal gelassen, so sind Männer halt. Sei froh, dass dich wenigstens einer anbaggert!“

Und deswegen tun sich auch manche Frauen so schwer mit fremden Männern Rennrad zu fahren, sich zu verabreden, die Vorteile der Facebook-Gruppe zu nutzen. Deswegen sind manche Frauen einfach lieber unter sich, manche Anfänger fahren nur mit Frauen, andere fahren garnicht erst alleine, denn auch da gibt es Herren der Schöpfung, die einen Schlag mit dem kompletten Zaun benötigen.

P.S.: Ausnahmen bestätigen die Regel: Ich will damit nicht sagen Männer sind alle doof und blöd, auch Frauen sind alle blöd und doof. Menschen sowieso. Und du, der das hier liest, sowieso erst recht immer zweimal mehr.

Eine Antwort zu “Wenn Männer Radsport mit Anbaggern verwechseln

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