Hexenschuss – was tun?

Eine Bewegung, die alltäglicher nicht sein kann, und plötzlich ist er da – der Schmerz. Und zwar kein Schmerz, der sich als „Hm, das zieht echt fies“ beschreiben lässt, sondern ein Schmerz, der mitunter unerträglich ist und einen bewegungsunfähig in einer Position verharren lässt.
Der Hexenschuss.
Meist ist er als Lumbago definiert, als im Lendenwirbelsäulen (LWS)-Bereich. Denn dort ist der Druck, die Belastung und die Abnutzung am größten. Es gibt allerdings auch im Brustwirbelsäulen (BWS) und Halswirbelsäulen (HWS)-Bereich ebenfalls Hexenschüsse, jedoch hatte ich zumindest noch keinen. Der Hexenschuss, bei dem man wie eine Hexe vor Schmerzen krumm und krummer wird, tut weh, unsäglich weh. Man sucht verzweifelt eine Position, in der der Schmerz erträglich ist. Man kann nichts mehr tun: das Gehen, Strecken, Drehen oder Aufstehen ist mitunter nicht mehr möglich. Und dieser Schmerz aus der Hölle lässt einen vermuten, dass man sich wohl n Wirbel durchgebrochen hat. Oder die Bandscheibe ist hinüber. Oder man hat schlafwandelnd Wrestling betrieben und wurde galant überm Knie in Zwei gebrochen. Seufz.
Jedoch für alle die Entwarnung: Ein Hexenschuss tut zwar weh, aber es ist nichts kaputt gegangen!
Achtung: Solltest du jedoch Lähmungserscheinungen, ausstrahlende Schmerzen in Beine mit Kribbeln oder Inkontinenz haben, dann pack dich sofort zur Notaufnahme. Denn das könnte ein Bandscheibenvorfall sein und eine Ischialgie.

Ich und Hexenschüsse

Meinen ersten Hexenschuss hatte ich wohl mit 13. Auf einmal kam ich aus dem Bücken nicht mehr alleine raus. Dann immer wieder kleinere Schmerzprobleme. Bis ich dann, als Servicekraft beim Schuhbeck, eine Kiste voller Tischdecken hochheben wollte. Ein weiterer, sehr sehr schmerzhafter Hexenschuss war geboren. Wenn ich das alles aufsummiere, dann komme ich sicherlich auf 10 oder 11 Hexenschüsse in meinem Leben. Ausgelöst durch zuwenig Core-Stabilität, zuwenig Muskeln im unteren Rücken und einer Dysbalance. Denn mache ich keinen Sport und liege viel, wie letztes Jahr nach der Blinddarm-OP, bin ich sehr anfällig für Hexenschüsse.

Im Laufe der Zeit habe ich nun herausgefunden was mir hilft. Und vielleicht hilft es auch jemand anderem – dir zum Beispiel. Es sind meine persönlichen Tipps, also musst auch du ausprobieren, was dir Erleichterung und schnellere Genesung einbringt. Und vor allem: Es geht vorbei, es ist meist nichts Schlimmes und es ist einfach ein Zeichen, dass du eine starke Mitte und einen starken Rücken fördern solltest. Alles wird gut!

Der Hexenschuss – eine kurze Erklärung

Was genau ist das jetzt – also medizinisch gesehen? Tanzen da Nerven Samba? Ist was angeknackst? Nein und nein. Es sind „nur“ die Muskeln.

„Hauptsächlich wird ein Hexenschuss durch eine Blockade eines Wirbelgelenks, durch Verspannungen oder Verkrampfungen der Rückenmuskulatur verursacht. Fehl- und Überbelastungen zählen zu den häufigsten Ursachen für ein akutes LWS-Syndrom.“ Bauerfeind

Oder, noch besser erklärt von Liebscher&Bracht:
„Unter einem Hexenschuss versteht man eine akute Funktionsstörung des Rückens im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS). Der Hexenschuss, in der Fachsprache auch als Lumbago, Lumbalsyndrom oder Lumbalgie bezeichnet, erfolgt meist auf ruckartige Bewegungen, wenn Muskeln, Faszien und Bänder im unteren Rücken bereits strapaziert sind. Dann reicht meist schon eine falsche Bewegung und die Muskeln verhärten sich.“

Du siehst also: Durch deine fehlende Stabilität, Rückenstärkung oder durch Überbelastung (falsches Heben, zu langes Liegen/Sitzen, falsche Bewegungen à la „Ich kann doch turnen!“) reizt du deine Muskeln so sehr, dass am Ende auch ein Niesen ausreicht und die Muskeln machen mit voller Kraft und Wucht einfach dicht. Das ist wichtig zu verstehen, denn dann sind die Hilfsmittel, die beim „Bekämpfen“ notwendig sind, auch gleich viel logischer.

Was hilft bei einem Hexenschuss?

Ich stell dir meine Top3 vor, die sofort umgesetzt werden können oder sogar umgesetzt werden müssen. Aber geh dein eigenes Tempo, denn beispielsweise konnte ich bei einem Hexenschuss erst am dritten Tag wieder „gehen“ (ich meine humpeln). Am ersten Tag war nichts, aber wirklich nichts möglich, außer vor Schmerzen heulen und Tabletten schlucken. Aber ich will nicht voraus greifen. Bist du bereit für meine Top3?

  • Schmerzmittel
  • Wärme
  • Dehnübung

Schmerzmittel

„Muss das sein?“ fragen sich manche, andere wiederum haben schon die Packung in der Hand. Nein, es „muss“ nicht sein, jedoch ist es wichtig, dass du den Bereich mobilisierst. Das geht nicht, wenn du vor Schmerzen Heulkrämpfe bekommst und nur gekrümmt in der Ecke stehen kannst, weil alles andere nicht auszuhalten ist. Du musst entweder in den Schmerz gehen, dich bewegen und hoffen, dass du nicht woanders verhärtest, oder den Schmerz lindern indem du ein passendes Schmerzmittel nimmst. Diclofenac bzw. Voltaren sind hier für mich die Retter gewesen. Ich habe meist die Maximaldosis von 150mg genommen. Aber es wäre sehr wichtig, dass du das mit deinem Arzt absprichst. Ich weiß, dass ich das erstens vertrage und brauche, du bist vielleicht anders. Auf jeden Fall erlaubt, wenn keine Nebenwirkungen gegen den Wirkstoff bekannt sind, sind 75mg. Ich lege daher immer sofort mit Maximaldosis los, um es zu ertragen.

Anmerkung: Wenn du im Schmerz bleibst und dich bewegst, ist das mitunter nicht auszuhalten. Anstatt jedoch, was viele Ärzte gerne anbieten, die Spritze in den Rücken zu akzeptieren, bitte ich dich es erst einmal mit normalen Mitteln zu probieren. Spritzen sind schwer zu setzen, schwer die Ursache zu treffen und können Nebenwirkungen fieser Natur mit sich ziehen. Wenn du dich im Schmerz versuchst zu bewegen, kann das zu ausgleichenden Fehlhaltungen oder Verhärtungen führen, was weitere Schmerzen erzeugt. Sich nicht zu bewegen ist jedoch keine Option!

Bewegung

Ja, du bist bewegungslos. Ja, alles tut weh. Ja, jede Bewegung schießt schmerzhaft in den Rücken. Aber es sind Muskeln und die müssen gelockert, gedehnt und gestreckt werden. Sorry, aber das ist die Lösung für alle Hexenschüsse.

Zu extremer Schmerz? Dann humpel, sobald du es erträgst, langsam durch die Wohnung. Hol dir eine Stütze. Geh ganz ganz vorsichtig Stufen, wenn überhaupt möglich. Aber bewege dich. Und versuche dich sanft aufzurichten. Ich weiß, ich weiß, auch ich lache immer hysterisch, wenn ich daran im Ernstfall denke. Aber so schief und so klein wie ich dann bin, dauert es meist nur einen Tag und der restliche Rücken verhärtet sich und schmerzt. Muss ja nicht sein.

Schmerz ist ertragbar? Du kommst alleine/mit Hilfe auf den Boden und wieder hoch? Dann empfehle ich dir folgende Übung von Liebscher&Bracht, bei der es nicht um die perfekte Ausführung geht, sondern um Millimeter für Millimeter:

Oder du probierst diese Übung, die auch bei vielen sehr sehr hilfreich ist. Und ja, auch ich habe mir beispielsweise beim vorletzten Hexenschuss gedacht „Wie soll ich davon irgendwas machen, wenn ich Schmerz fast irre werd?“, aber gib dir Zeit. Denn unterschätze niemals die Macht der Wärme!

Wärme

Wärme entspannt. Locker. Fördert die Durchblutung. Und ist einfach nur ein Muss bei einem Hexenschuss. Oder irgendeiner muskulären Verhärtung. Ich empfehle die Wärme“bandagen“ von Thermacare, die eine beständige Wärme abgeben, aber nicht verbrennen oder mit Klebstoff die Haut in eine Pustellandschaft verwandeln. Außerdem sind sie auch in LWS-Form als Gürtel sozusagen zu bekommen und mit einer bequemen Hose auch in der Arbeit zu tragen. Nach 12 Stunden wechsel ich dann immer. Wärmesalbe ist auch eine Option, aber die Wirkung verklingt sehr schnell, oft werden sie zu heiß und man duftet dann gerne wie Omas Kräuterschrank, in dem eine Katze getobt hat. Bitte niemals tun: Wärmesalbe und Wärmekissen kombinieren! Verbrennungen sind uncool.

Falls du wieder mobiler bist und Badewannen magst, hol dir von Kneipp Badezusatz für Rückenschmerzen oder ein Rückenwärmebad von Tetesept und nimm ein heißes Bad. Lass dir aber zumindest raushelfen, damit du nicht durch eine ruckartige Bewegung was auslöst. Schone dich!

Fehlt dir was? Hast du Fragen? Dann meld dich gerne, aber mach auf jeden Fall einen Termin beim Arzt aus und ggfs. auch bei deinem Orthopäden. Ich wünsch dir gute Besserung!

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