Die Bio-Impedanz-Analyse – Warum die BIA besser als deine Waage ist

Wer sich auf die Waage stellt, der bekommt meist immer eine Zahl angezeigt. Okay, das war falsch ausgedrückt: Mehrere Zahlen, hoffentlich immer zweistellig mit mindestens einer Nachkommastelle. Alles andere bewegt sich rapide in Richtung „unbeweglich und tot“ oder „unbeweglich und lebendig“. Eine Waage wiegt die Masse, die sich auf der Platte befindet. Wie man eben Mehl wiegt. Die angezeigte Zahl zeigt das komplette Gewicht, sei es mit Schuhen, mit Winterjacke, mit Knochen und mit Fett. Es gibt keine Unterscheidung.

Die BIA kann fast alles

Eine Bio-Impedanz-Analyse ist also sowas wie eine Waage. Nur komplett anders. Man stellt sich zwar auf das Gerät, lässt das Gewicht messen und gibt dann mit zwei Armgreifern der Maschine etwas Zeit während sie den Körper scannt. Das geschieht mit einem beständigen Signal eines schwachen Wechselstroms, der über Arme und Beine in den Körper ausgesendet wird. Spüren tut man davon nichts, keine Sorge.

Denn mit der BIA misst man nicht  nur das Gewicht, sondern eben auch die körperliche Zusammensetzung, die aus mehr als nur Fett oder nur Knochen besteht. „Ich hab ja so schwere Knochen“ oder „Das ist alles Fett“ sind Aussagen, die mit einer BIA gut überprüft werden können. Also Vorsicht was ihr sagt, die BIA hat’s dann Schwarz auf Weiß. Die BIA dient der Bestimmung der Körperzusammensetzung und ist daher ideal für alle Sportler oder Menschen, die Muskelmasse auf- oder Körpergewicht allgemein abbauen möchten. Es wird bei der BIA in folgende Unteranalysen unterschieden:

  • Körperzusammensetzungsanalyse
  • Muskel-Fett-Analyse
  • Fettleibigkeitsanalyse
  • Segmentale Mageranlayse
  • Körperwasseranalyse

Dabei wird in der Körperzusammensetzungsanlayse eben genau das analysiert, was den Körper so ausmacht: Gesamtkörperwasser, Proteine, Mineralien, Körperfettmasse. Bei der Muskel-Fett-Analyse wird das Gesamtgewicht in Skelettmuskelmasse und Körperfettmasse unterteilt – ergo Muckis und Wabbel. Erst bei der Messung der Fettleibigkeit kommt das Körperfett ganz allein auf’s Podest, mit der BMI-Zuordnung, die ich jedoch sowieso minimal für stupide halte. Bei der segmentalen Mageranalyse wird einfach gemessen in welchen Körperpartien wieviel der Muskelmasse steckt – also in Arm, Bein oder Rumpf. Alles klar soweit? Kann das die Waage daheim? Eben, deswegen ist so eine BIA verdammt spannend.

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Dank meines Bruders und des Fitnessstudio „Freiraum“ in Bayreuth konnte ich die BIA machen und gleich beraten werden. Alter Angeber. 

Meine BIA und was man alles daraus lesen kann

Es ist ja fast schon wie bei Harry Potter und dem Teesatz-Lesen. Man interpretiert was man will, wenn man die Waage vor sich hat. Bei der BIA arbeitet man aber mit harten Fakten, wenn man sie aber überhaupt versteht. Mein kleiner großer Bruder als Fitnesstrainer hat mir dabei geholfen. Also, hier ist meine BIA-Auswertung, die in diesem Format ausgedruckt wird und anschließend die Interpretation der harten Fakten:

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  1. Mein Gewicht wird auf meiner heimischen Waage mit 1-2,5kg mehr angezeigt, pah.
  2. Mein Gewicht befindet sich etwas über dem Normalbereich für eine 1,65cm kleine Frau. Aber das wusste ich.
  3. Meine Muskelmasse ist nicht von schlechten Eltern. Ich kann einiges aufweisen. Das heißt also, dass ich entweder saugut Muskeln aufbaue, meinen Muskeln immer genug Futter gegeben habe und/oder immer so sportel, dass Muskelaufbau induziert wird. Auf jeden Fall: Muckis hab ich ohne Ende!
  4. Und mein Körperfett ist auch da. Nicht übermäßig viel mit 26,2%, aber es ist gut etwas da. Das heißt, dass ich beim Abnehmen nur im Körperfettbereich abnehmen soll.
  5. Uiuiui – meine Körperwasseranalyse ist unterm Normalbereich. Ich muss mehr trinken, aber sowas von! Was natürlich mehr Gewicht verleiht, aber Wasser ist gesund, das muss nicht erklärt werden. Oder?

Fazit also aus meiner BIA? Klingt eigentlich ganz einfach, aber ist für mich immer noch verdammt schwierig:

  • Weniger Ungesundes mampfen, mehr gesundes Essen zu mir nehmen
  • In Maßen essen und Zuckerkrams radikal minimieren
  • Ausdauertraining machen
  • Mehr trinken
  • Und einfach Input < Bedarf

Muskeln, Fett, Gewicht, Ernährung, Training – Fragen über Fragen

Aber trotzdem, auch mit dieser tollen Auflistung der Ergebnisse und dem Verständnis, dass mehr an mir Muskeln als Fett ist und meine 70+kg zum größten Teil dank der Muskelmasse bestehen (okay okay, auch wegen des Fettanteils), hab ich da so meine Fragen. Fragen, dessen Antworten ich gerade noch erarbeite, um besser an mir und mit mir arbeiten zu können.

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  1. Wenn ich so viele Muskeln habe frage ich mich, woher die kommen. Ich habe in den letzten Jahren weder regelmäßig noch länger Kraftraining gemacht sondern war Laufen und Rennrad fahren. Alles beide Ausdauersportarten. Baue ich also generell sehr gut Muskeln auf und muss mein Training am besten entsprechend anpassen?
  2. Soviele Muskeln – aber noch immer sowenig Leistung. Mit so gscheiden Muskelpartien müsste da nicht meine Leistung auf dem Rad, bergauf wandern oder bei Sprints richtig gut sein anstatt nur einigermaßen okay, gefolgt von einem Schnauf-Stakkatto, das sehr todesnah und unsportlich klingt?
  3. Mit diesem Talent Muskeln ohne Zutun aufzubauen, müsste da durch Training nicht die Nutzung und die Leistung dieser Muskeln steigen und ich quasi Wonderwoman werden?
  4. Was ist dann meine ideale Sportart, denn wie schon oft gehört bin ich als kleines Mucki-Paket eigentlich nicht für Ausdauerthemen gemacht. Oder doch? Drahtig, dünn, sehnig bin ich nicht, kann ich kaum, werd ich nie. Nur schlepp mal das Gewicht mit dir rum! Puuuhhh. Liegt mein Talent etwa irgendwo verbuddelt?
  5. Fett abnehmen. Ergo kein Fett essen? Fett ergo Zucker ergo kurzkettige Kohlenhydrate meiden oder nur noch einmal pro Tag essen?
  6. Weniger Kohlenhydrate dann also mehr Fleisch, Fisch und Milchprodukte. Sind das nicht die ideale Muskelpräparate natürlicher Art? Wer Muskeln auf keinen Fall aufbauen möchte, sondern eigentlich grundsätzlich das Körpergewicht wieder auf gesunde Wohlfühl-65kg kriegen möchte, sollte nicht auch noch Muskeln aufbauen! Obwohl das ja mal eine Gaudi wär, ich würd zugern mal 4 Wochen Muskeln aufbauen und sehen, ob ich das kann. Höhöhö.

Ihr seht, Fragen über Fragen. Obwohl diese Fragen spannender sind, als „Bin ich nur fett oder ist die Waage heute ein Arschloch?“ oder „Ist diese ominöse sicherlich total falsche Zahl jetzt ein Beweis, dass ich Muskeln aufgebaut habe oder an Fett zulegen konnte?“. Man hat Klarheit und kann sich voller Begeisterung in mehr Fragen reinstürzen. Auf die ja vielleicht jemand von euch eine Antwort oder einen Rat hat. (Solang es nicht „Ernähr dich doch vegan/paleo/vegetarisch“ ist.)

Denn so ein bisschen stolz bin ich alte Sportliebhaberin ja schon, dass mein Fettanteil nicht jenseits von Gut und Böse ist und meine Muskelmasse fast schon zuviel sind – ohne, dass ich sie gezielt trainiert hatte. Was zweimal Radfahren pro Woche halt ausmacht…

9 Antworten zu “Die Bio-Impedanz-Analyse – Warum die BIA besser als deine Waage ist

  1. Wie viele Fragen hat die BIA dir denn beantwortet, zu denen du vorher keine Einschätzung hattest? Zumindest das grobe Fazit, ob das eigene Gewicht nun von Muskeln oder vom Fett kommt, kann man meiner Meinung nach selbst sehr gut einschätzen (wenn man ehrlich zu sich ist). So eine BIA liefert es einem lediglich schwarz auf weiß. Den wirklich großen Vorteil sehe ich eher darin, die einzelnen Werte im Vergleich zu anderen (also die Einordnung im Verhältnis zum „Normwert“ bzw. die Kategorisierung Unter/Normal/Über) zu sehen und die eigenen Werte in naher Zukunft bei einer erneuten Messung zu vergleichen. Kleine Unterschiede sind für einen selbst im seltensten Fall quantifizierbar.

    „Soviele Muskeln – aber noch immer sowenig Leistung.“
    Muskeln sind eben nicht gleich Leistung. Gerade beim Laufen ist Muskelvolumen meiner Meinung nach eher hinderlich als förderlich. Auf dem Rad ist es vermutlich ähnlich. Jegliche Muskelmasse ist eben Gewicht, dass man mit sich tragen und bewegen muss.
    Das erwähnst du ja selbst auch, dass „Mucki-Pakete“ nicht für Ausdauersport prädestiniert sind. (Für was stattdessen? Keine Ahnung – nicht mein Metier.)

    „Fett abnehmen. Ergo kein Fett essen?“
    Meine Meinung zu jeglichen Abnehmthemen: „Input < Bedarf" – du sagst es selbst. Eine ausgewogene, gesunde Ernährung ist immer gut für den Körper. Abnehmen kann aber auch, wer sich ausschließlich von FastFood ernährt – es darf nur eben nicht so viel sein, wie der Körper verbraucht.

  2. BIA ist schon immer ne interessante Sache. Schließe mich aber im Großen und Ganzen dem lieben Laufhannes an. Interessant wäre es vor allem, die Messungen über eine Saison oder einen beliebigen Zeitraum zu verfolgen. Erst dann kann man richtig gute Schlüsse ziehen. Zumal das Körperwasser ohnehin starken Schwankungen unterliegt.

    Und zur Ernährung: Beim Abnehmen helfen mir – das merke ich gerade wieder – Intervalltrainingseinheiten ganz besonders. Tagsüber halte ich mich ein wenig an LowCarb – aber auch nicht dogmatisch. Mittagessen zur Zeit: Eine Birne, ein halber Camembert und eine Buttermilch. Frühstück meistens Quark mit Obst, Leinsamen und etwas Haferflocken. Abends dann ganz normal.

    • Es soll ja nur die BIA in den Grundzügen erläutern, erklären und vorstellen und nicht irgendwelche finalen Schlüsse präsentieren. Ob ich eine erneute Messung durchführen kann weiß ich noch nicht, aber es würde dann später im Jahr ausgeführt werden.
      Ich würd bei mir wohl das Abendessen mit dem Mittagessen tauschen, aber an sich ist das mein Ernährungsplan aktuell. Ohne Quark und Camembert (igitt) aber 😉

  3. Es gibt ja scheinbar wirklich diese unterschiedlichen Typen, die einen die schnell Muskeln aufbauen und die anderen die eher drahtig sind und scheinbar langsam oder weniger Muskeln aufbauen. Vllt. gehörst du eben dem ersteren Typ an.
    Und wieso sollte Laufen und Radfahren nicht das Muskelwachstum ankurbeln? Schau dir mal die Bahnradfahrer an, die werden ihre baumstammartigen Oberschenkel sicher nicht nur aus der Beinpresse haben. Aber Muskeln bedeutet nicht gleich Leistung. Ein Bodybuilder mit gleichem Oberschenkelumfang bringt sicher nicht die gleiche Leistung aufs Pedal. Genauso wirst du trotz möglicher Disposition nicht gleich zum super Sprinter, solang du nicht spezifisch darauf hin trainierst. Wenn du allerdings einen Sprint gegen „Typ2“ mit genau dem gleichen Trainingslevel machen würdest, hättest du bessere Voraussetzungen zu gewinnen.

    • Ich kann etwas gewinnen? Hurraaaa 🙂
      Ja, diesen Unterschied kenne ich und hab mich auch schon früher darüber informiert. Ich hoffe nur, dass meine Muskeln zu irgendetwas gut sein könnten, wenn ich diese schon ungewollt habe. Am Ende soll’s ja schon Spaß machen, aber etwas leichter sollte es doch mal werden… 😉

      • Jup,
        Naturgemäß solltest du, verglichen mit deinem drahtigen „Counterpart“, einen schnelleren Antritt und eine höhere Endgeschwindigkeit in der Ebene haben. Also das sind die beiden Dinge die dir, entsprechend deiner Physiologie, leichterfallen sollten.
        Um das Maximale aus deinen vorhandenen Muskeln rausholen zu können, musst du das Zusammenspiel zwischen den Muskeln und innerhalb der Muskeln verbessern (inter- und intramuskuläre Koordination). Also einerseits wie gut ganze Muskelgruppen harmonisieren und andererseits wieviele Muskelzellen durch dein Kommando tatsächlich rekrutiert werden.
        In der Theorie trainiert man das mit wenigen maximalkräftigen Wiederholungen (3-5) und mehreren Sätzen, was auf dem Rad natürlich schwer umsetzbar ist :/
        Aber so wirklich zum Tragen kommt das eh erst im Profibereich. Also…so what, wie du schon sagtest: Hauptsache es macht Spaß!

    • Manche Fitness-Studios bieten das an, manche Diät-Zentren – da muss du einfach über Google in deiner Nähe suchen oder im Fitness-Studio deines Vertrauens anrufen 🙂

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