Braver Than The Elements 2015 – Jäger, Schnaps und Räder

Und statt auf dem Rad waren wir auf einmal auf dem Hof eines Unbekannten, auf dem sich ungefähr 30 Jäger versammelt hatten. Es war Mittag und da macht man als „gscheida Jaaga“ auch Mittagspause. Und bietet fünf Mädels natürlich Schnaps an. Die Jäger alle in grünlicher traditioneller Kleidung mit grellorangenen Highlights, um sie im Gebüsch und Wald auch leicht erkennen zu können, saßen zum größten Teil auf den Bierbänken und schlemmten. Es gab Leberkäse, Bier und Semmeln. A gscheide Jausn hoid, ge?

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Aber eigentlich wollten wir nur am jährlich stattfindenden „Braver than the elements“ Ride – der von Rapha ins Leben gerufen und ausgerichtet wurde – teilnehmen. Wir, das waren drei Mädels, die bei der Organisation mitgeholfen und das Event erstellt hatten. Und eine Menge Zusagen trudelten ein, sodass wir sogar am Ende ganze 11 Zusagen hatten. Eine Gruppe von elf Rennradfrauen wäre doch toll – dachten wir uns. Am Ende jedoch erschienen wieder nur drei mutige Mitfahrerinnen. Etwas, das ich selbst vollkommen verstehen kann, wenn draußen die Minusgrade auflegen, der Wind pfeift, der Regen in Kübeln runter kommt oder Schnee die Straßen bedeckt. Aber wir hatten sonniges, ja richtig warmes Wetter und vom fiesen Gegenwind mal abgesehen, war es das ideale Rennradausfahrtwetter. Puh, was ein Wort.

Mit 6 Mädels bereit die knappe 65km lange Strecke zu bewältigen starteten wir also – in eine Gegend, die ich sehr sehr selten befahren. Wenn nicht sogar nie, da mir persönlich einfach der Süden oder die südlichen Gegenden mehr taugen. Seen, die im Licht glitzern, vernebelte Bergketten, die auf einen warten, hügelige Kurvenstraßen durch Wälder und verzauberte Schleichwegen vorbei an Bauernhöfen, die typisch bayrischer nicht sein könnten, sind das was ich an meinen Ausfahrten auf dem Rennrad liebe. Aber die Gegend um Erding kann man ruhigen Straßen, die sehr flach sind, und Birkenwäldern sowie stiller Landschaft aufwarten. Am Ende weiß ich jedoch, dass ich unterhalb Erding besser aufgehoben bin.

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Während wir munter schwatzend, Erika mit MTB und ich mit Crosser, als sehr buntes Truppchen durch die Gegend brausten, passierten wir Schilder auf denen „Achtung Jagdbetrieb“ stand. Natürlich denkt man sich bei solchen Schildern, wie auch bei diesen Elchschildern, dass das als allgemeine Warnung hingehängt wird. Aber als dann die ersten Rehe und Hirsche durch die Gegend sprangen – gut, vom letzteren sahen wir nur einen – und die Schüsse durch den Wald hallten, wussten wir, dass es echt ist. Es fand gerade hier jetzt eine Jagd statt. Das erklärte auch die in orange gekleideten Passanten an der Straße, die bei Autos standen und warteten. Wir hofften gerade nur, dass kein panischer Hirsch in unsere Gruppe gallopiert oder wir als leckere Fasane verstanden werden. Wurden wir auch nicht, aber man sah uns als sympathische Schnapsmittrinker. Warum auch nicht?

Während Erika und ich eine Pause machten und die anderen Mädels vorneweg fuhren, trudelten über das Feld marschierend Gruppen von Jägern ein und passierten uns. „Habedere“ und „Griaßeichgottmitanand“ und Hutlupfen und „Seids es am Radln? Ihr seids scho stark, ge?“ sowie „Kummts mit, mia mochan Mittag!“ erschallte uns. Als dann die anderen Mädels merkten, dass wir nicht mehr da waren, kamen diese zurück – manchmal hilft lauthals Brüllen auch nicht, um auf sich aufmerksam zu machen. Die Jäger ausgestattet mit wunderbar handverarbeiteten Gewehren, einem Hauch bayrischer Grantlertum und roten Wangen von der frischen Luft ließen mein Herz höher schlagen. Ich bin aber auch so ein Traditionsfan, ich mag das ungemein und finde es nicht altbacken sondern schön. Daher hatte ich kein Problem damit mit den Jägern auf dem Hof einzukehren, der 50 Meter von uns entfernt direkt an der Straße lag. So eine Einladung bekommt man nie, wirklich nicht. Einer der Mitfahrerinnen war das aber leider etwas zeitlich zu eng, sodass sie nicht blieb sondern alleine nach Hause fuhr. Ein Schnaps mehr für uns!

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Der wurde uns in Schnapsgläsern, von der fröhlich lachenden Frau des einen Jägers serviert und wir stießen alle an. Eine Leberkas-Semmel gab’s auch noch, dann folgten viele Gespräche. Es ging um’s Radfahren, was wir fahren, wohin, wer wir sind, ob wir heut abend nicht zur Wirtschaft kommen wollen, ob die Polizei heut bei der Wirtschaft eben nicht Kontrolle fahren könnte (eine Mitfahrerin ist Polizistin) und viel anderes. Heute wurde auch nur Hasen und Fasane geschossen, sodass ich wegen des Hirschen beruhigt weiterfahren konnte. Aber die Hasen und Fasane sahen toll aus und ich fand es bewundernswert mit wieviel Struktur und Vorbereitung die Jägergruppe an die Jagd ging. Es wurde nur im festgelegten Gebiet gejagt und nur eine gewisse Anzahl – wieviel weiß ich grad nicht mehr. Ich hätte mir ja gerne gutes Fleisch einpacken lassen, aber soweit waren die nicht. Gerade mal bei der Mittagspause.

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Daher, mit einem zweiten Schnaps, fuhren wir wieder zurück. Die Sonne kitzelte auf der Nase und da, ganz ganz weit entfernt, konnte ich die Alpen sehen. Zurück ging’s zur „Dicken Sophie“ bei der es nach den 65km und dem fiesen Gegenwind etwas zu Essen gab und die Dankeschön-Tasche von Rapha voll mit kleinen Goodies. Mit der S-Bahn fuhren wir dann wieder in die Stadt und ich hoffe, dass ich das nicht mehr allzu oft machen muss – SBahn und Fahrräder in  München ist nicht so einfach.

>>>> Hier geht’s zur Strecke auf Strava

Dieses Jahr war es wieder eine entspannte kleine Runde. Ich hoffe, dass das nächste Jahr das #braverthantheelements Event etwas… ähm… mutiger wird. Das heißt Kälte und Schnee und Glühwein in der Flasche! Nichtsdestotrotz eine schöne gemütliche Ausfahrt bei sonnigen Dezemberwetter kann auch nie verkehrt sein.

Allerdings beschäftigt mich das sehr, dass dieser Trend des unverbindlichen Zusagens im verbindlichen Stil mit Spontabsage oder gänzlich fehlender Absage einfach so irrsinnig groß ist in der Welt des Frauenrennradsport. Wie oft mache ich Events und bekomme dann Feedback im Stil von „Warum an dem Tag“, „Geht das nicht früher“, „Das ist mir zu spät“ oder „An dem oder den Tag wäre es doch sowieso viel besser“. Nun gut, Feedback ist Feedback. Aber dass dann Events, nach denen viel geschrien wird, keinerlei Zusage erhalten, ist mir rätselhaft. Und wenn dann zugesagt wird, kommen mindestens 50% nicht, 25% sagen ab und 25% stehen freudig grinsend am Ziel. So sind Events einfach sehr schwer planbar und irgendwie lässt die Motivation dann nach. Aber man versucht’s immer wieder, ich würde mich einfach sehr freuen, wenn die Münchner Rennradgesellschaft noch aktiver würde. Vielleicht nächstes Jahr? Der Sommer kommt ja bald 🙂

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