Salto über’s Auto: Warum Radunfälle doof sind

Eigentlich erklärt sich das ja von selber. Unfall ergo Sturz ergo Verletzungen sind doof. Wer noch nie einen „richtigen“ Unfall mitgemacht hat, wird aber nicht wissen, warum so ein Radunfall wirklich besonders doof ist. Und insbesondere auch noch länger anhält.

Gestürzt bin ich ja schon öfter mal. Einmal, weil das Einklicken nicht wollte. Einmal, weil der Stein rutschig war und ein anderer Stein mein Knie stützen wollte (autsch). Einmal, weil eine Dame beim Abbiegen nicht blinkte und nicht den Radweg überprüfte und nicht auf ihre Kinder hörte, die „Mama, da ist ein Radfahrer!“ sagten. Was ist das Resultat von solchen Stürzen oder Kindergartenunfällen? Kratzer am Rahmen, Kratzer am Knie, Kratzer an den Klamotten. Mit etwas Pech etwas mehr als nur ein Kratzer. Aber wer einen Salto – nicht gestreckt hoffe ich – über ein Auto absolviert, der wird Radunfälle aus folgenden Gründen doof finden.

Der Aufprall tut weh

Dort wo das Rad das Auto berührt, geht eine Erschütterung durch Rad und Fahrer, dass einem kotzspeiübel wird. Je schneller das Auto und man selbst, desto heftiger und desto heftiger natürlich der Aufprall. Der Wumms, der sich durch Knochen und Zähne und Körper arbeitet. Und eben durch das Rad. Das Wissen, dass man mit einer speziellen Wucht in ein Auto reingedonnert ist und dadurch das Rad Schaden nimmt, tut zusätzlich zu der Erschütterung verdammt weh.

Gedankenkarussell, Verwirrung

Man landet, kommt zu sich. Und dann geht das Hirn in eine Art Hypermodus: Was ist passiert? Wieso bin ich hier? Ach ja, fuck – ein Auto. Undaaaahh, was tut hier so weh, aua aua aua MUSS MICH BERUHIGEN ALLES GUT. Was steht der da, was macht meine Radbegleitung, was ist mit meinem Rad? Wie ist das passiert, mein Schuh, wieso brennt mein Bein so sehr und wieso geht’s mir grad nicht schon wieder besser? Mir ist schlecht, was mache ich jetzt denn am besten, huch – ein Loch in meinen Beinlingen. Aua aua, diese Beine fühlen sich komisch an, ATME KIRSCHE!

Die Tränen des Schmerzes

Mit tiefem Atmen kann man die Tränen zurück halten, kann den Schmerz im Bein und Fuß und Knie ignorieren. Alles halb so wild. Aber wenn man das Rad sieht, den Schatz, dann werden Weicheier wie ich heulen. Denn statt einem nur losen Vorderrad kann eine wie mit der Flex abgeschnittene Gabel mit gebrochenem Vorderrad mich zu Tränen rühren, denn ich weiß eines: das wird nicht so einfach zu reparieren sein. Und mein Rad hat das nicht verdient. Verletzter als ich liegt es da im Straßengraben, mein treuer, bildschöner und verlässlicher Begleiter.

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Alles kompliziert macht der Krankenwagen

Wer mit dem Krankenwagen fährt, der wird sein Rad am Straßenrand liegen lassen müssen. Ein Krankenwagen darf keine Dinge wie geliebte Räder mitnehmen. Aber Freunde, die jedoch auch ohne Rad. Daher sollte dringen die Polizei dabei sein, die können die Stücke nämlich aufs Revier mitnehmen – ansonsten würde es da liegen. Und je nachdem wo man ist, kann es schwierig sein es da liegen zu lassen. Wer also in irgendein Krankenhaus fährt, muss von da auch wieder weg.  Im Krankenwagen kann man dann in der unbequemen Halskrause anrufen wen man will, der einen dann abholen kommt – eine S-Bahn-Fahrt oder Zugfahrt ist nämlich nicht empfehlenswert. (Musste ich dann auch einsehen.) Wenn man nicht sprechen kann, dann kann man auch die Retter im Wagen bitten für sie zu sprechen.

Alles halb so schlimm? Blödsinn.

Nicht unterschätzen. Wer in ein Auto donnert, der hat Schäden davon getragen. Wer keine Brüche hat, ist ein Glückspilz und hat dann höchstwahrscheinlich Prellungen. Die leider oftmals schmerzhafter sind als glatte Brüche. Und Zerrungen. Und Gehirnerschütterung. Und Stauchungen im Rücken, Nacken und sonst wo. Solche Sachen dauern, denn wenn der Schock nachlässt macht sich der Körper bemerkbar. Hier gilt oft einfach nur eines: Ruhe. Unterschätzt nicht eure Blessuren. Liegend kann es euch prima gehen, aber kaum seid ihr 3 Stunden auf den Beinen und müsst in einen Bildschirm starren, kommen Schwindel und Übelkeit. Also bleibt daheim!

Langzeitschäden olé!

Prellungen sind Schwellungen, hervorgerufen durch einen intensiven Aufprall mit stumpfen Gegenständen. Wie einem Auto, dem Asphalt oder Schotterweg. Diese Schwellungen tun weh, jawohl. Und sind doof. Erschweren Bewegungen, erzeugen Taubheitsgefühl und können bis zu 6 Wochen anhalten. Trotzdem: Lieber Vorsicht als Nachsicht. Wie der Arzt in der Notaufnahme sagte, als ich auf der Liege lag, mit meiner Übelkeit kämpfte und meine Mutter zum Abholen gekommen war: „Wär sie meine Tochter, ich würd mit ihr zum Kernspint gehen.“
Holt euch einen oder mehrere Termine für ein MRT. Egal ob Ellbogen, Rippen, Knie – auch wenn nichts gebrochen ist, können Muskeln und Bändern verletzt sein. Das solltet ihr überprüfen bevor ihr denkt wieder „gesund“ zu sein.

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Prellungen? Pech.

Es zählt jetzt vor allem eines: PECH. Pause – Eis – Compression – Hochlagern. Macht kein Sport, ignoriert nicht die Schmerzen und geht nicht gegen den Schmerz an. Vor allem die, die wieder in den Trainingsplan-Ablauf zurück wollen: Macht es nicht. Eis bedeutet Kühlung, was ihr durch kalte Waschlappen oder Mentholgels oder -sprays erzeugen könnt. Meidet in den ersten Tagen Pferdesalbe oder alles mit Arnika, das ist wärmend und durchblutungsfördernd. Bei einer Schwellung ist am Anfang alles, was durchblutungsfördernd ist, erstmal etwas zu meiden. Nach einigen Tagen ist Pferdesalbe jedoch keine üble Wahl. Compression, also Kompression, kann hilfreich sein, um die Spannung im Bereich etwas zu mildern. Bandagen können helfen, aber achtet bitte darauf, dass diese nicht eng sind oder Schmerzen auch dann erzeugen, wenn ihr keine empfunden habt. Ansonsten: Kompressionssocken können auch helfen – ich hab meine X-Bionic Socken deswegen. Und wenn es für euch bequem oder schmerzlindernd ist: lagert die pausierenden, eingecremten und in Socken gewickelte Beinchen hoch.

Polizei, Schuld, Versicherungen

  • Arbeitet mit der Polizei zusammen. Schildert offen und ehrlich den Hergang aus eurer Sicht.
  • Kontaktiert euren Radhändler und klärt die Frage mit der Reparatur, den Kosten oder dem Ersatz. Bei einem Unfall wird meist die Versicherung alles oder einen Teil übernehmen, nichts, wenn der Unfall komplett eure Schuld ist.
  • Nummer eins aller To-Dos ist jedoch das folgende: Geht jedoch zum Arzt, folgt seinen Ratschlägen und lasst euch komplett durchchecken – Thema Langzeitschäden. Oder auch Folgeschäden.

In solch einer Situation geht ihr vor, auch wenn das Denken an das eigene Rad schon wieder Tränen auslöst… sniff. Denn es wird schmerzhafter sein, wenn ihr eine monatelange Zwangspause einlegen müsst. Und jetzt gerade hoffe ich, dass bei mir wieder alles fein wird. (Und mein Rad bald wieder bei mir ist, was wohl erst nächstes Jahr sein wird 😦 )

Passt auf euch auf! Holt euch ein Safety-ID-Band und habt eure Versichertenkarte dabei – für alle Fälle. Ride safe!

 

8 Antworten zu “Salto über’s Auto: Warum Radunfälle doof sind

  1. Oh nein, das hört sich ja echt übel an. Das mit dem Rad am Straßenrand stehen lassen..das kenne ich. Nur, dass es meinem MTB damals besser ging als mir selbst und ich nicht wie du mit einem Auto kollidiert bin, sondern lediglich mit einer steinigen Kurve (und mir dennoch das Becken brach). Ich konnte mir zumindest sicher sein, dass die Polizei das Rad mit einpackte. Ein freundlicher Biker hat mich aufgesammelt und so konnte ich – mit tiefen Atmen 😉 – sogar noch die letzten 2-3km bis zur Straße fahren und habe mich dann meinem Schicksal ergeben. Danach war ich Wochen, bzw. monatelang richtig ausgeknockt und nach 2 Wochen die meiste Zeit auf Krücken unterwegs. Schlimmer geht immer hat man mir im Krankenhaus gesagt. Das Schlimmste war für mich jedoch das Krankenhaus selbst, weil ich dort im Hochsommer 8h im Gang in meinem eigenen Siff liegen musste und definitiv nicht fliehen konnte und auch niemanden anrufen konnte, weil mein Handy kaputt war…

    So ein Aufprall ist tatsächlich nicht zu unterschätzen und ich denke gegen ein Auto werden dann schnell ganz andere Kräfte wach..

    Ich wünsche dir auf jeden Fall gute Besserung!

    • Oh je, das klingt ja ganz übel! Gebrochenes Becken – muss ja ein total blöder Sturz gewesen sein! Und jetzt wieder fit auf dem Rad unterwegs und laufend aktiv? Ich kann total verstehen, dass das richtig richtig nervt. Im Krankenhaus frage ich mich auch immer, ob Patienten so eine Art Zimmerpflanzen sind, um die man sich nur einmal die Woche kümmern muss – ich hatte zum Glück mein Handy dabei und viele liebe Nachrichten.
      Alles Liebe!

      • Ja das war echt nicht schön. Jetzt wieder so gut unterwegs wie noch nie. Weiß nicht, ob du meinen Blog kennst, aber da habe ich auch schon die Unfall Geschichte durch exerziert und berichte immer mal wieder über meine Trainingswochen, MTB Touren und WKs. Und seit neustem auch mal über eine Leistungsdiagnostik 😛

        LG, Jamie

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