Zeit für Yoga 2. Oder: Wie ich merkte, was ich nicht an Yoga mag.

Ich mache Yoga. Nicht jeden Abend, nicht jeden zweiten Tag und ich nenne mich auch nicht Yogi. Ich habe keine entspannt klingende, nasale, esoterisch angehauchte Stimme, wenn ich über Yoga spreche. Ich kann Ukatasana und Chaturanga sagen, weiß jetzt aber gerade nicht so wirklich was das nochmal war. Ach, diese Planking-Figur nicht wahr? Und Ukatasana ist sozusagen die Kniebeuge mit nach oben gehenden Armen. Oder?

Nun, das erklärt warum ich Führung brauche. Videos, die mir erklären, was ich zu tun habe. Aber durch die gelegentlichen, maximal 45 Minuten andauernden Yoga-Sessions die ich bisher hatte, habe ich auch festgestellt was ich nicht mag. An Yoga. Aber natürlich kann sich daran noch einiges ändern, da Dinge die man mag eventuell mit Übung, Erfahrung und Routine besser werden. EInfacher. Aussprechbarer sogar. Trotzdem – mal diesen negativen Flair ignorierend – ist es wichtig zu wissen, was man an gewissen Sportarten mag. Und eben minimalst verabscheut. Der Fortgeschrittene sieht nämlich darin die einfachste Chance besser zu werden, indem man Dinge, die man nicht mag, einfach unerbitterlich übt. Wie beim Laufen: Wer Intervalle hasst, macht diese so oft, bis man dann merkt, dass man eigentlich die Geschwindigkeit erhöhen könnte. Und plötzlich ist eine neue persönliche Bestzeit da. Huch, wie das… Aber zurück zum Yoga.

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Was ich an Yoga nicht mag

1. Die Geschwindigkeit

Ich mag es nicht schnell. Auf dem Rad ja, bergab ist es auch super, aber beim Yoga brauch ich keine Rekordgeschwindigkeit. Zwar bin ich ein Fan von Vinyasa Flow, also aneinander gereihte, ineinander übergehende Posen, aber bitte mit Möglichkeit diese richtig auszuführen und das Atmen nicht zu vergessen. Slow Flow bitte.

2. Die Sprecherstimme

Empfindlich? Ich?! Ach, so ein Unsinn. Ich mag nur keine quäkende, nervige, trantütige, pseudo-esoterische oder schrille Stimme, die mich durch die Yoga-Session geleitet. Wenn für einen Satz „Wir beginnen die Stunde in Childs Position und atmen uns erst einmal ein…“ ungefähr 2 Minuten benötigt werden, dann habe ich meinen Namen mit den Vorderzähnen schon ins Parkett geritzt. Nicht jede Stimme funktioniert für mich, daher nicht jede angebotene Yoga-Stunde online.

3. Die Matte

Bei aller Liebe: Gibt es auch Matten, die nicht ein qualvoll langsames Rutschen beim Underdog hervorrufen? Bei der man nicht Millimeter um Millimeter mit dem Bein von der einigermaßen sicheren Haltung weg rutscht? Ich habe eine normale Übungsmatte und eine richtige Yogamatte, letzteres hat leider auch nicht so komplett die Aufgabe mit voller Punktzahl gemeistert. Aber sie ist dünn und griffiger. Wenigstens das.

4. Die Nähe zu Menschen

So gut wie nie mache ich Yoga in einem Kurs. Das erste Mal war toll, weil es bei der Birgit Gehring war, aber ich hatte Popos im Gesicht. Und steckte meinen Allerwertesten sowie Füße oder galante Handschläge in Körperbereiche anderer Teilnehmer. Find ich für Kungfu-Übungen ganz große klasse, aber hier fand ich das schwierig. Frei sein, frei fühlen geht schwer, wenn man einen Vollmond an Hintern in Yogahose vor sich hat. Daher lieber allein daheim oder in großen Räumlichkeiten.

5. Das Unwissen, wie falsch ich was mache

Wer eben wie erwähnt alleine trainiert, der hat niemanden – außer den imaginären besten Freund – der einem beisteht. Wer wie ich nichts auswendig aus dem Ärmel schütteln und morgens die Sonne im Hirschgarten begrüßen kann, der macht Dinge falsch. Da ist das Knie über dem Fuß, der Arm nicht gestreckt, der Rücken ein Hohlkreuz und so weiter. Würden die digitalen Lehrer all das erwähnen, dann käme man nicht mehr vorwärts. Und das wär mir dann wieder zu langsam. Oder zu anstrengend, gewisse Posen möchte ich nicht 5 Minuten halten müssen – unkontrolliertes Ganzkörperzittern ist immer etwas doof. Ich habe also niemanden der mich freundlich auf Fehler hinweist oder Tipps gibt oder eventuelle Schäden verhindert, die ich durch wiederholte falsche Bewegungen hervorrufe. Also trainier ich so gut es geht, höre auf, wenn es *knacks* im Rücken macht und versuche zu atmen.

6. Dieses Atmen

„Yoga ist Atmen, nicht die Übungen stehen im Vordergrund sondern das Atmen.“ Wer weiß, wo ich das gelesen habe. Ich stimme dem irgendwie zu, muss ja so tun als wüsste ich als Yogamachermädel Bescheid, aber trotzdem finde ich es lächerlich. Wenn ich 45 Minuten Yoga mache, dann habe ich keine Probleme mit dem automatischen Luftholen, sondern mit den Übungen. Nicht umzufallen, den Arm richtig zu strecken, den Schmerz zu ignorieren, mit von Chaturanga in Upperdog aufrichten zu können (und das einige Male) oder nicht minimal deprimiert zu sehen, wo mein Bein sein sollte und dann zu realisieren, dass es nur 10 Zentimeter über dem Boden krampfhaft zitternd schwebt. Das ist die Herausforderung bei Yoga für mich, das Atmen kann sicherlich einen tollen Flow erzeugen. Aber das übe ich bereits schon getrennt. Wenn ich also mal Yoga etwas besser drauf habe, kann ich diese Skills mit meinem tiefen und rhytmischen Atmen kombinieren. Bis dahin aber ist das Atmen, um zu überleben, das einzige mit dem ich dienen kann.

7. Diese Dehnbarkeit

Halbspagat hier, Kopf da, fliegendes Bein dort. Ich kann das nicht, ich bin ein wabbeliges Etwas. Noch. Aber ständig eine Yogapose nach der anderen im Noob-Modus angehen zu müssen stimmt mich traurig. Man könnte fast meinen, man erwarte eine grundsätzliche Dehnbarkeit von allen, die Yoga machen wollen. Und auch wenn es Yogaübungen für die blutigsten aller blutigen Anfänger sind, dann heißt es nicht „Hebt das Bein etwas hoch“ sondern „Und wir nehmen das Bein hoooooch, es ist okay, wenn ihr es nicht ganz hoch schafft. Hebt es soweit ihr könnt.“ und ich möchte gern ein „Natürlich ist das okay, denn ansonsten muss ich es mir ausrenken, um da hoch zu kommen – okay?“ drauf antworten. Aber Übung macht den Meister und Dehnbarkeit sowie Muskelreaktionen sind erlernbar.

8. Die Yogastudios

Die sind teuer. Die sind zeitlich unflexibel. Die haben soviel verschiedene Yoga-Angebote, dass nicht für alles und für jedes Level ein Angebot zeitlich passend ermöglicht werden kann. Yoga im Fitness Studio ist kaum vorhanden und heißt auch nur „Yoga“ – könnte alles sein. Yoga um 10 Uhr und Yoga um 21 Uhr, alles echt schwierig zu bewältigen. Und deswegen muss ich bei den digitalen Videos und Angeboten bleiben. Ich glaube, ich werde zahlendes Mitglied bei Yoga-Download – deren Kurse mag ich einfach.

7 Antworten zu “Zeit für Yoga 2. Oder: Wie ich merkte, was ich nicht an Yoga mag.

  1. 1. Geschwindigkeit:
    Diese variiert in VInyasa Flow Klassen meist mit dem Level, also würde ich dir entweder zu einer „Level 1“ oder Beginner/Intermediate empfehlen – da wird es meist weniger schnell zugange gehen.
    Ansonsten schau mal nach VInyasa Krama – es gibt eine 30 tage Trial von Whit Hornsberger (Der einzige Lehrer, der mir bekannt ist, der diesen Style unterrichtet), unter soularchyoga.com solltest du was finden.

    3. Ja, die gibt es zu Hauf, aber die kosten natürlich auch ein bisschen mehr. Ich kann dir empfehlen: Bodynova, Jade, Manduka, Lululemon. Ich habe (unter anderem) diese hier:
    http://bodynova.de/YOGA/Yogamatte/Matten-aus-Naturmaterialien/Naturkautschuk-Yogamatte-ECOPRO.html
    http://bodynova.de/YOGA/Yogamatte/Matten-aus-Naturmaterialien/Reise-Yogamatte-ECOPRO-TRAVEL-aus-Naturkautschuk.html
    Die Travel ist sehr dünn, also falls du empfindliche Knie hast – nimm die dickere. 🙂

    4. Die Nähe
    man gewöhnt sich daran – wirklich! Ich fand das anfangs ganz fürchterlich, auch wenn mich jemand korrigiert hat und ich voll schwitzig war, aber mittlerweile stört mich das nicht mehr und ich mag mehr Menschen sogar lieber. So oder so erübrigt sich mit mehr Kursen mit mehr Übung auch das Problem unter Nummer 5:

    5. Unwissen
    Geh.In.Die.Kurse.Häufig. Vor allem aber: regelmäßig.
    Ich übe Yoga jetzt seit über 3 Jahren intensiver und ich mache immer noch Fehler. Und ich übe täglich.
    Alternativ: Ein Spiegel hilft zuhause auch. Oder film dich mal dabei – dann fällt einem auf Video meist etwas ganz Schlimmes auf und bleibt dann für das nächste mal im Kopf – dann wirst du quasi zu deinem eigenen Lehrer.

    6. Das Atmen
    So wie du schreibst, unterschätzt du das Atmen deifnitiv. Es gibt natürliches Atmen und es gibt „Mediattion in motion“ Letzteres bedeutet, dass du jede Bewegung mit dem Atem einleitest und beendest und Atem und Bewegung eine Einheit bilden.
    Gerade wenn du Vinyasa Krama mal ausprobierst – die gehen da nämlich von der Vorstellung aus, dass man aufhört Yoga zu üben, sobald man aufhört zu atmen.
    Und ich verstehe es gerade aus der Perspektive eines Läufers – die Atmung könnte unterschiedlicher fast gar nicht sein, was allein schon an der Verengung in der Kehle liegt und daran, dass man durch die Nase, statt den Mund atmet.
    Und Yoga ohne Atmen ist wirklich kein Yoga. 😉

    7. Dehnbarkeit
    Ja, Übung macht in de rTat den Meister. Aber es dauert und gerade, wenn man zwischendurch wieder Sportarten übt, wo die Muskeln sich verkürzen, wird es nur besser wenn man es tatsächlich täglich macht. Wenn ich jetzt eine Woche am Stück jeden tag Yoga übe, kann ich am Ende der Woche gaaaaanz anders in Positionen kommen, als am Anfang der Woche – und das trotz Intervalltrainign 2x pro Woche und Radfahren und Bürojob – also es geht, man muss nur dran bleiben.

    8. Das Studio
    Wo wohnst du denn? Natürlich ist das schwierig – vielleicht gibt es sowas wie Kurspass o.ä. in deiner Stadt? Oder du schaust mal nach privaten Angeboten, kleineren Studios, etc. Wenn dir ein Lehrer gefällt zum Beispiel, sprich ihn/sie doch mal an, ob er/sie nciht auch woanders Kurse gibt und wann… eine Tageskarte für’s Fitnesstudio kostet z.T. ja auch weniger als oder gleich viel wie eine Yogastunde.

    Zum Abschluss noch ein paar Tipps zu Youtube Channels, die ich empfehlen kann:

    Bad Yogi – Erin Motz
    Lesley Fightmaster (evtl etwas zu fortgeschritten)
    The ultimate Yogi
    Meine Lehrer sind größtenteils auf yogeasy: Nicole Bongartz und Frank Schuler
    soularchyoga – Whit Hornsberger

    Liebe Grüße
    Nadine

    PS: Es heißt Utkatasana und Upward facing dog, oder Up Dog. (Sorry, Klugscheißermodus)

    PPS: Es hilft manchmal, anstatt Chaturanga- Updog, sich als Brett runterzulassen und dann die Cobra zu wählen – da kann man sich weniger gut selbst verarschen – ich spreche da aus Erfahrung. 😉

    • Hi Nadine,
      danke für deine Antworten und deine Meinung – leider ist ein Studio und Kurse einfach „out of question“ sodass sich das nicht schnell ändern wird. Und das Atmen übe ich mit einem gesonderten Programm, unterschätzen wäre falsch ausgedrückt, aber ich kann nicht korrekt atmen, wenn ich fast einen Krampf kriege 😉 Soviel dazu – irgendwann wird das aber mal.
      Und egal ob Ukadingsda oder Sunshine warrior jump, hauptsache ich kann die Übungen mal 😀

  2. Moinsen,

    schön geschrieben und ich kann Dich gut verstehen.
    Für mich hieß die Lösung: alle Studios in der Umgebung anschauen und mir DIE Lehrerin aussuchen bei der ich mich am Wohlsten fühle. Denn für mich ist eine Yogasession ohne Schlussentspannung und Kontakt zu anderen Menschen undenkbar. Es ist (in meinen Augen) unheimlich wichtig, gerade zu Beginn, Feedback zu bekommen und korrigiert zu werden. Und die Meditation am Ende ist GOLDWERT! Erst das macht für mich eine erfolgreiche Yogastunde aus.
    Ich habe das optimale Studio gefunden. Kleine Klassen, gemütliche Räumlichkeiten, nette Mit-Yogis (hier wirst Du nicht gemessen daran ob Du die neueste Yogaklamotte trägst oder Dein Bauch den Hang zum Schwabbeln hat) und eben eine sehr sympathische Lehrerin, die trotz Ihres Esoterikhangs mit beiden Beinen fest im Leben steht. Eine ganz Handfeste eben.
    Schau Dich doch mal um, ob Du nicht was Nettes findest. Es lohnt sich.
    Namaste,
    Anja
    PS: Falls Du mal Yogaeasy testest würde ich mich über eine Meinung dazu freuen.

    • Hach, danke dir 🙂
      Ich fand meine Session mit Birgit auch sehr angenehm, die Arbeit mit ätherischen Ölen fand ich traumhaft und die Entspannung war einzigartig (und der Muskelkater am Tag danach). Ich finde es nur schwierig neben Fitness-Studio, Turnverein, Renn- und Crossradausflügen und Laufrunden jetzt auch noch ein Yogastudio zu haben – das wird mir einfach zu viel und auch zu teuer. Daher fand ich die Lösung Yoga daheim zu machen so toll und so super!
      Aber Yogaeasy ist wirklich was, was ich mir anschaue – wenn ich wieder die Knie belasten kann 😉

  3. Du sprichst mir so dermaßen aus der Seele! Genialer Beitrag!
    Ich muss sagen, dass ich Yoga seit yogaeasy für mich entdeckt habe. Und durch so inspirierende Persönlichkeiten wie @juyogi (www.juyogi.com).
    Lieben Gruß 🙂

    • Das muss ich mir wohl mal anschauen – inspirierende Persönlichkeiten gibt es einige, aber meistens starre ich nur sprachlos was die so machen und versuche dann beim Reverse Warrior nicht zu wackeln 😀 Und wenn ich dann bald wieder laufen kann und meine Knie frei von Schmerzen sind mach ich auch gleich wieder weiter! Danke dir!

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