Radrucksack im Test: Der Velocity Rucksack von Ortlieb

Wasserdicht, 20 Liter Fassungsvermögen und bequem wie sonst was – das ist der Radrucksack Velocity von Ortlieb. Aber jetzt erst einmal der Reihe nach.

Wer häufig mit dem Rad unterwegs ist, sei es in der Stadt oder auch außerhalb von A nach B fahren möchte und dabei Wechselklamotten&Co. mitnehmen will, der braucht einen Rucksack. Ich habe mich schon länger nach einen Rucksack umgeschaut, vor allem eher unbekannte aber sehr teure und hochwertige Marken ins Visier genommen – siehe auch mein Beitrag über schicke Lifestyle-Rucksäcke. Da ich dann jedoch für meine Radtouren dieses Jahr eine Satteltasche brauchte, habe ich nicht lange entschieden und zur deutschen Traditionsmarke „Ortlieb“ gegriffen: ein absoluter Erfolg, ich bin noch immer sehr zufrieden mit dieser wasserdichten Satteltasche. Auch meine Radtour-Begleitung Marianne hatte sich dann so eine Tasche zugelegt, das Ding kann wirklich was!

Jetzt musste ein Rucksack her und dieses Mal hatte ich einfach keine Lust groß zu schauen was wie teuer wo erhältlich sein könnte: Ab zum Globetrotter am Isartor – erst online und dann in Echt. Vorher hatte ich nämlich auf der Ortlieb-Seite nachgeschaut welche Radrucksäcke es gibt, dann auf der Website von Globetrotter überprüft ob sie diesen denn da hätten und dann vor Ort kaufgeil die recht genervt wirkenden Mitarbeiter geärgert. Außerdem hatte ich auch den Preis überprüft, der für mich sehr fair klang – für diese Ortlieb-Qualität. Außerdem gab es online nur sehr gute Bewertungen der Ortlieb Rucksäcke. Nach dreimaligen „Weiß nich, vielleicht bei den Rädern?“ Hin-und-Herschicken der Angestellten beim Globetrotter hatte ich ihn dann in der Hand: der Velocity Rucksack von Ortlieb.

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Was den Velocity Rucksack auszeichnet

  • Wasserdichter Daypack mit komfortablem Rückenpolster aus geschlossenporigem Schaum
  • Ideal als Schulrucksack und für kleine Wandertouren
  • Halterung für optionales Rücklicht oder Fahrradhelm (nicht enthalten)
  • Festes Anliegen am Rücken durch Bauchgurt
  • Schneller Zugriff und gute Befüllbarkeit durch Roll-Klett-Verschluss
  • Kantenschutz an den unteren Ecken auf der Rückseite verhindert Scheuerstellen
  • Herausnehmbare Innentasche zur Aufbewahrung von Schlüssel, Geld, Handy, auch als Hüftgurttasche verwendbar
  • Geeignet für Ordner im DIN A4-Format
  • Tragegriff
  • Separat erhältiches Zubehör: Handyhalter für Schultergurt, Verlängerung des Klettverschlusses bei grossem Packvolumen
Hier kann man die Rückenpolster und die Gurte sehr gut sehen - die sind für das angenehme Tragen verantwortlich.

Hier kann man die Rückenpolster und die Gurte sehr gut sehen – die sind für das angenehme Tragen verantwortlich.

Was Ortlieb sagt ist das eine, was aber tatsächlich den Rucksack auszeichnet ist das andere. Aber gottseidank konnte ich den Rucksack sowohl in der Stadt als auch außerhalb auf meiner Tour von Salzburg nach Kroatien testen. Dabei hatte ich Regen und Sonne, Dunkelheit und einiges an Gewicht dabei. Ich habe daher fast alles auf Herz und Nieren testen können. Hier mein Feedback zu den Charakteristika des Velocity:

  • Wasserdicht? Bei Regen und Nieselregen ist nichts im Rucksack feucht oder nass geworden, 3-4maliges Einrollen wird aber von Ortlieb empfohlen um die Spritzsicherheit zu gewährleisten. Bei Regen also nicht ganz voll stopfen.
  • Komfortables Rückenpolster? Oh yeah, es macht den Rucksack zuckerwattenleicht am Rücken, ohne Druck und Reibungsstellen.
  • Wandern und Schule? Letzteres besuche ich nicht mehr, Wanderungen habe ich auch noch nicht gemacht, aber er trägt sich in der Stadt auch off-bike sehr angenehm und leicht.
  • Rückenlicht? Es gibt eine Schlaufe zum Einhängen eines der Rückenlichter, definitiv sinnvoll für die dunkle Jahreszeit, da der Rucksack leider nicht reflektierend ist.
  • Bauchgurt? Nun, ich habe keinen der anderen Gurte benötigt oder auch nur angefasst. Beim Radfahren möchte ich den Rucksack eher frei beweglich am Rücken haben, durch den Bauchgurt wäre er mir zu eng gewesen. Kleiner Tipp: Gurt lösen und außen rum festklicken. Ich hatte ihn nämlich geschlossen, sodass er nach 4 Tagen und 500km meinen Rücken an einer Druckstelle aufgerieben hat. Natürlich doof, dafür ist der Gurt nicht gemacht und würde man den Rucksack korrekt tragen, passiert das auch nicht.
  • Gute Befüllbarkeit und schneller Zugriff? Das Ding ist endlos, ich habe soviel Sachen da reinbekommen, dass ich fast eine Katze mitgeschmuggelt habe. Schneller Zugriff ist jedoch fragwürdig, denn es ist an sich eigentlich ein großer Sack. Wenn du etwas kleines hineintust und es dann suchst, kann es sehr, sehr lange dauern. Die kleine klippbare Tasche mit Reißverschluß innen drinnen hilft da leider wenig, es gibt keine anderen Fächer, was jedoch für das Fassungsvermögen hilfreich ist, aber nicht, wenn man bspw. einen Laptop mal transportieren möchte.
  • Roll-Klett-Verschluss? Der ist zackig, schnell und einfach. Allerdings, sollte man mal etwas mehr hineinstopfen wollen oder müssen, dann wird es eng beim Zukletten. Da fehlt mir ein Sicherungsgurt, das man längentechnisch verstellen könnte oder einfach eine größere Klettfläche für verschiedene Fülloptionen des Rucksacks.

Bildschirmfoto 2015-10-15 um 12.22.00

  • Kantenschutz? Stabiles Ding, steht super und gibt unten ein sicheres Gefühl, dass es nicht durchwetzt oder wie ein wabbeliger Sack in sich zusammenklappt.
  • Innentasche? Hm, ganz praktisch für Schlüssel, Geldbeutel und Handy – für eine bessere Unterteilung allerdings zu klein. Ich empfehle wichtige Dinge oder ähnliches in kleine Tüten oder Beutel zu packen, damit man einen leichteren Zugriff hat.
  • DINA4-Format Ordner? Klar, als ich nämlich da an der Schnellstraße von Trieste nach Opatija in Slowenien unterwegs war dachte ich mir kurz „Hey, was steht eigentlich in diesem europäischen Straßengesetzbuch?“ und war froh meinen Ordner „Europäisches Straßengesetzbuch“ dabei zu haben. Eine unterhaltsame Lektüre an der Straße, sehr hilfreich. Und im Ernst: Für Studenten wär das ein echt verdammt guter Rucksack, so ein Ordner passt da nicht nur einmal rein und wer zur Bib zum Lernen fährt, kann hier alles reinpacken: Ordner, Laptop, Thermoskanne, Bücher und Katze. Für gelegentliches Schmusen.
  • Tragegriff? Hilfreich, stabil – aber der Rucksack sitzt mir so bequem auf dem Rücken, dass ich ihn einfach lieber da habe als tragend neben mir.
  • Erweiterungen? Handytasche: Brauche ich, dringend. Sofort. Verlängerung: Wer viel packt oder mal die 20 Liter sprengen möchte, sollte sich das holen. Werde ich wohl auch machen.

Warum so einen großen Rucksack überhaupt?

Wer mit Handtaschen lebt, der lebt – nun ja – mit Handtaschen. Und wird sich diesen Artikel wohl kaum durchlesen. Wer jedoch immer wieder mit Rucksack unterwegs ist oder gar mit sehr großen Taschen, wird wissen: Stopfen, Packen und Schleppen ist nervig. Ich nehme Trainingsklamotten und -schuhe mit, habe ein Buch dabei und gelegentlich eben auch meinen Laptop. Mein Fjällräven platzt aus allen Nähten, wenn ich ins Training möchte, da neben zwei paar Schuhen auch zwei Handtücher mitmüssen. Und wasserdicht war der Rucksack sowieso nicht.

Ein großer Rucksack ist wie die 10,- Euro mehr, die man für ein Zugticket ohne Umsteigen zahlt: Klar, mit dem günstigen Zugticket kommt man auch von A nach B, aber das dreimal Umsteigen und Warten ist stressig, nervig und lässt einen eventuell den Anschlusszug verpassen. 10,- Euro mehr und man fährt durch, ohne Streß. Dasselbe kann ein großer Rucksack bieten: Man kann endlich alles einpacken, muss nicht auf etwas verzichten („Okay, dann halt kein Saunahandtuch und keine Sauna…“) und ist flexibel, wenn man noch kurz einkaufen will. Außerdem minimiert man so die Gefahr den Turnbeutel in der U-Bahn liegen zu lassen. Vielleicht sogar den tollen „Zugspitz Ultra“-Turnbeutel?!

Ein großer wasserdichter Rucksack ist für all diejenigen, die mit dem Rad viel unterwegs sind, Sport vor oder nach der Arbeit machen möchten oder einen bequemen Stadtrucksack für alle Situationen suchen ideal. Und wer auch noch mit dem Rad die ein oder andere Tour mal machen möchte, liegt mit so einem Ding wirklich nicht verkehrt.

Fotos, Fotos, Fotos. In Bad Gastein - nach dem fiesen Anstieg - musste der Wasserfall natürlich verewigt werden. Und der Velocity schaut super aus, oder? Foto: Tristan_svart

Fotos, Fotos, Fotos. In Bad Gastein – nach dem fiesen Anstieg – musste der Wasserfall natürlich verewigt werden. Und der Velocity schaut super aus, oder?
Foto: Tristan_svart

Lob und Kritik vom Velocity Rucksack

Lob

Der Rucksack ist sehr bequem und ist, auch wenn schwer befüllt, fast federleicht auf dem Rücken. Ich habe oft vergessen, dass ich einen Rucksack trage und die Schultergurte haben erst nach 3 kompletten Rad-Tagen angefangen etwas zu drücken. Im Vergleich zu anderen Rucksäcken reibt er nicht, saugt sich nicht mit Schweiß voll und erhitzt den Rücken nicht – wirklich sehr angenehm! Das Fassungsvermögen ist der Wahnsinn und der Verschluss geht vollkommen idiotensicher. Das Design ist schlicht und cool, genau mein Geschmack und ohne großes Trara. Er wackelt nicht, sitzt bombenfest, aber ist auch flexibel.

Kritik

Die Gurte sind etwas sehr lang, sodass ich auf diesen gelegentlich saß und diese immer wieder unter meinem Hintern rausziehen musste – gen Ende der langen Tour stand ich viel auf. Das Material ist leider nicht reflektierend, was ich mir schon gewünscht hätte, da es in Schwarz vor allem in der dunkleren Jahreszeit viel Licht schluckt. Eine größere Innentasche wäre toll gewesen, um so eine bessere Unterteilung – falls notwendig – vornehmen zu können.

Fazit

Ein bequemer, kaum zu spürender Traum von einen Rucksack, der wasserdicht genug Stauraum für fast alles bietet. Ideal für Radstrecken innerhalb der Stadt und für Rennrad-Touren, die nicht länger als 5 Tage gehen.

In dunkleren Jahreszeiten empfiehlt sich das Rücklicht für den Rucksack, aber auch hellere Farben wie weiß oder grellgelb können mehr Aufmerksamkeit erzeugen. Die Länge und Anzahl der Gurte ist optimierungsbedürftig und eventuell gibt es bald reflektierende Versionen des Velocitiy. Ansonsten ist der Velocity für 79,95 Euro mehr als das Geld wert: ein toller Begleiter für alle Radfahrer, die einen verlässlichen und leichten Rucksack suchen.

Eine Antwort zu “Radrucksack im Test: Der Velocity Rucksack von Ortlieb

  1. Als Handtaschenliebhaberin fühle ich mich aber mal trotzdem angesprochen. Die meisten von mir sind so groß, dass ich mein gesamten Hab und Gut mit etwas Drücken und Quetschen hineinbekomme. Aber so einen großen Rucksack braucht es eben einfach. Danke für den Bericht. Ich kenne da jemanden, der auch so einen braucht. Damit meine ich mal ausnahmsweise nicht mich 😉 Aber eine schöne Weihnachtsidee habe ich so schon einmal auf meiner Liste.

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