Mit dem Rad in der Stadt: Wieso alle anderen blöde sind

Es kommen einige Sachen zusammen oder eher: es kamen einige Sachen zusammen. Also kleine Dinge, die in ihrer Kombierscheinung mich auf 100 gebracht haben. Draußen kocht das sommerliche Traumwetter und ich koche gerade noch nach. Nun, ehrlich gesagt koche ich mir Sacksuppe, um meinem fiesen Magen etwas Gutes zu tun. Ich hoffe es hilft, denn diesen Gedanken „etwas Gutes tun“ hatte ich heute auf dem Nachhauseweg einige Male. Da befasste ich mich aber mit dem Eliminieren so mancher Menschenleben, um der Welt etwas Gutes zu tun. Nicht unbedingt vergleichbar.

Nehmen wir Magenbeschwerden seit 1,5 Wochen, die sich gestern verschlimmert haben. Dazu kommt, dass die lang ersehnte Mädelsausfahrt für das Bikedress dadurch nicht von mir organisiert und mitgefahren werden konnte. Dazu kommt, dass da draußen die Sonne den Sommer eingeläutet hat und ich nicht draußen sein kann. Dazu kommt, dass durch eine Augenentzündung ich mit Brille unterwegs bin und die Kopfschmerzen sich im Schläfenbereich manifestierten. Dazu kommt, dass ich nichts essen konnte, durfte, wasauchimmer. Ganz zu schweigen von einem gewissen PC der gewisse Dinge nicht tun wollte, weil die Verknüpfung zum Server irgendwie nicht die Beste war.

Kirsche auf 100. Aber ich denke, das wäre jeder andere auch. Außer Zen-Meister, ja, die wohl nicht. „Du musst deine innere Ruhe finden…“ „N Scheiß muss ich.“

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Wer in diesem Zustand sich auf ein eigentlich nicht für die Innenstadt geeignetes Rad stürzt (ich weise auf die Klickpedalen hin und die perfekte Anpassung von Sattelhöhe&Co. auf einen durch Radschuhe 2cm höheren Körper), der muss mit Problemen rechnen. So geladen? Das geht doch nicht gut. Doch, eigentlich sehr gut. Ich lade gerne auf, das geht bei mir automatisch. Kein Essen, kein Sport, keine 30 Minuten Ruhe und ich nage quasi am Freundlichkeitszaun. Den hatte ich heute allerdings recht schnell verschlungen. Auf dem Rad allerdings, weil es doch um mein Leben geht und so, bin ich  immer vorsichtig. Achte ich besonders auf alles und fahre, wenn nötig, explizit langsam und schau dreimal. Nur ist das mit dem Radfahren in der Stadt so eine Sache, das involviert nämlich auch noch andere Mitmenschen. Menschen auf Rädern, mit Kinderwägen oder Kickboards, Menschen in Autos, auf Mopeds oder mit Hunden. Menschen, die einfach und simpel gesagt saublöde, dämlich und strunzbescheuert sind.

Stellt euch vor ihr steht an der Ampel. Mit langer warmer schwarzer Hose, Rucksack voller Radkleidung die ihr leider leider nicht für die Ausfahrt habt verwenden können. Unter dem Helm steigert sich die Temperatur den 34 Grad entgegen, der Schweiß umarmt den Rucksack, die Brille rutscht und das Sichtfeld der erkennbaren Dinge rutscht ebenfalls. Und dann fahrt ihr los, vorsichtig, weil diese blöden Klickpedalen ja alles andere als für normale Schuhe gemacht sind. Dann brüllt eine Frau die über die rote Ampel fährt „Pass doch auf du!“ und mäht mich fast nieder. Auch gut, rote Ampeln kann man ja quasi als Empfehlung sehen, nicht als Muss hier bitte jetzt stehen zu bleiben. Oder bei der komplizierten Kreuzung der Radwege ist es auch sehr fatal auf dem Radweg zu fahren, denn normalerweise – hahaha, ich Dummerchen – fährt man kreuz und quer. Und zwar so kreuz und quer, dass man selbst einfach in den anderen Radfahrer reindonnert. Ist ja auch eine Kreuzung, kreuz und quer also. G

Allerdings sind Fußgänger die unterhaltsamsten Vollidioten, die es gibt. Radweg rechts, Fußgängerweg links. Alles klar. Drei Damen, die schlicht und ergreifend fett, rund und hässlich waren stehen also dick und breit auf diesem Radweg, anstatt einen Schritt vor oder zurück zu machen. Auf mein „Hey, passt doch auf!“ geht die äußerst niveauvolle Schimpftirade los. „Ey mann dann halt doch an! Oder die Klingel! Echt diese ey“ und ich meine nur, der Worte verlegen weil ich nicht fassen kann, dass sie einigermaßen zusammenhängende Worte rausbringt, „Klingel? Du weißt was das ist? Boah!“ worauf sie „Ey sei nicht so, geh doch zur Polizei du Klugscheißer!“ worauf ich gerne geantwortet hätte: „Dass du dummes Schwabbelchen die Polizei schon sehr gut kennst glaube ich dir sofort. Aber erstaunlich, dass so ein leeres Gesicht wie du überhaupt einigermaßen gute Sätze rausbringt. Dennoch, ich glaub ich tu dich jetzt ein bisschen kloppen Fetty. Mein Aggressionslevel ist grad hoch.“

Hab ich aber nicht. Wollte fast aber brüllen und hätte ich meine Klickies angehabt, hätte ich diese ausgezogen und auf sie eingedroschen. Oder auf alle anderen Menschen. Weil es von denen so verdammt viele heute gab, dass ich absolut verstehen kann, warum man Menschen eher weniger mag. Nur weil es warm ist und in der Stadt auch angenehm zum Schlendern, ins Café gehen, draußen in der lauen Luft beim Italiener sitzen, mit Freunden die Sommer-Cocktail-Saison anstoßen… alles schön und gut, aber dann bleibt doch bei euren Leisten, liebe Schuster: Fahrt mit den Öffentlichen. Lasst das Radfahren, die Radwegen mir. Und zwei, drei anderen. Aber in erster Linie mir! Ansonsten gibt es tatsächlich noch ein Unglück, in dem ich minimal austicke. Weil die Klamotten für’s Radfahren nicht gemacht sind, der Rucksack an mir klebt, das Rad nicht für das Commuten gemacht ist (Pendeln via Rad) und ich keine Nägelbesetzte Keule schwingen darf, um Platz zu machen.

Während die Mädels heute also gemütlich zusammen fahren, ich meinen Magen gut zurede, merke ich, dass Sommer absolut und total geil ist. Aber das Radfahren in einer sommerlichen Stadt wie München einfach verdammt viel Streß bedeutet. Aber es ist schön. Aber Streß. Aber schön. Wären nur diese anderen Menschen nicht, die zu langsam, zu dumm, zu ignorant, zu unhöflich, zu vollbepackt, zu unerfahren und zu unaufmerksam sind. Dann wär das ja eigentlich ganz nett. Denn in einer Kleinstadt rockt das Radfahren, zumindest für mich. Das Bedürfnis zu Morden habe ich rein in München. Bis ich am Ende mein Rad auf irgendwelche Menschen werfe und mich in Hulk verwandle. Ist garnicht mal so unrealistisch.

9 Antworten zu “Mit dem Rad in der Stadt: Wieso alle anderen blöde sind

  1. Ich kann dich gut verstehen. Sobald’s bissl schönes Wetter gibt, meint jede(r), dass er radln muss. Ob er/sie es kann? Wurscht! Und den Fußgängern kannst einen zehn Meter breiten Fußweg hinpflastern – sie trampeln trotzdem auf den (meist zu schmalen) Radlweg. Und da wundern sich die Autofahrer, dass wir Radler auch auf die Straße wollen. Es ist manchmal echt besser, wenn’s regnet. Dann wird man zwar nass, hat aber Platz.

    • Echt überraschend gewesen, als ich aus der Arbeit raus bin hab ich wirklich zweimal schauen müssen was auf den Straßen so abgeht. Wahnsinn! Und wirklich wahnsinnig verhalten sich so manche – natürlich auch Radfahrer – andere. Ob es mal so eine Überholspur gibt? Ich wünsche mir auch Radwege ohne Holterdipoltersteine drin oder Bordkanten. Heut bin ich zwischendrin einfach auf der Straße gefahren, die teils gesperrt war, das war herrlich! Mehr davon! Fährst du denn mit dem Rad zur Arbeit?

    • Sacksuppe. Eine Bezeichnung für a Supperl aus dem Sackerl (=Tüte) die sich bei uns in der alten WG als Bezeichnung für Gemüsesuppe durchgesetzt hat. Sacksuppe, schreiend dann Sacksuppö.

  2. Jup, da kann man schon mal durchdrehen! V.a. wenn mans grad eilig hat und irgendwo ankommen muss. Aber in solchen Fällen reg ich mich auch über Gegenwind und widriges Wetter auf…
    Nachdem ich letzten Monat nen paar mal quer durch Köln musst, hab ich mir ne Klingel besorgt. Die ist Gold wert und leute anklingeln macht auch Spaß. Wie oft ich schon diesen blöden Spruch hören musst: „Hast du keine Klingel?“…Normalität im Stadtwahnsinn!

  3. Ich liebe deinen Humor (vielleicht auch Bissigkeit xD ), der ist Weltklasse !!! 😀 Deine Flucherei hat einen Preis verdient 😀
    Dumme Menschen gibts überall, nur ich habe das dumpfe Gefühl in den letzten Jahren sind es mehr geworden. Ich rufe(schreie) immer ACHTUNG! egal ob beim laufen oder radfahren, zieht immer. Sie springen entsetzt auf Seite, falls sie nett sind, entschuldige ich mich dafür 😀 Natürlich gibts auch die, die sich provokant in den Weg stellen, dann wird vorbeigeheizt und ich begrüße denjenigen mit einem OPFER ! xD oder ganz langweilig mit Trottel ! 😉

  4. München im Sommer ist so herrlich bekloppt, die ganze Stadt ein großes Freilichthektikergehege…

    Und ich weiß schon, warum ich jedes Mal beim Überqueren eines Radweges elfunddreiundzwanzigmal nach links und rechts schaue 😉

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