Wieder bei Null anfangen: Einmal fit, immer fit?

Nein. Eine ganz simple und knackige Antwort. Besonders geeignet für alle, die schon seit Jahrzehnten, was sage ich: seit Jahrhunderten auf der Suche nach einer Antwort sind. Die Frage ist auch ganz simpel und knackig: Einmal fit, bleib ich fit? Für immer und ewig und bis dass der Tod uns scheidet? Sind meine monatelangen, jahrelangen mühselig und mit viel Schweiß erarbeiteten Erfolge mir dann für immer sicher? Ist meine Bikinifigur safe und mein Sixpack meine Belohnung auf mein Japsen auf dem Laufband? Ist meine persönliche Bestzeit von (füge hier Distanz ein) in Stein gemeißelt?

Nein.

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Nun, wer ab und an nachdenkt, das Hirn anwirft und überlegt, der weiß das bereits seit Tag 1. Seit dem ersten Tag an dem man sich entscheidet Gewicht zu verlieren, einen Marathon zu laufen, 10km unter 50 Minuten zu schaffen oder 5km durchlaufen zu können. Seit dem ersten Tag ist klar: Ich arbeite auf dieses Ziel und wenn ich es dann erreicht habe, sehen wir weiter. Und wenn man dann nicht gerade von der Sportbegeisterung, Laufliebe oder wie auch immer es heißt erwischt wird, kann es gut sein, dass man das geschaffte Ziel einrahmt, an die Wand hängt und es gut sein lässt. Oder eben auch nicht.

Wer läuft und dann pausiert hat seine Gründe. Ich habe meine, die wohl jeder zur Genüge kennt. Es fängt mit „mimi“ an und hört mit „mi“ auf. Wenn man ergo ich ehrlich bin. Denn ich jammere einerseits, dass mir das Laufen fehlt, andererseits laufe ich nicht. Klar, einen Wald zaubert man nicht einfach her. Sicher, Laufen in der Stadt kann grauenhaft sein. ‚türlich, die meisten sind schneller und sportlich als ich. Und logisch wird der Spaß beim Laufen nicht kommen, wenn man an Erinnerungen fest klammert. „Aber in Erlangen wars viel schöner“, „Aber ich lauf halt gern um Ruhe zu haben“, „Aber ich bin so gern in der Natur“ und „Aber ich hab doch keine Laufschuhe für Asphalt“. Aber aber aber. Eingewöhnungszeit ist das eine, sich Zeit geben das andere. Alles notwendig, denn jeder macht Sport mit anderen Beweggründen oder Zielen. Aber wer sagt denn, dass ich ewig in der Stadt bleibe? Wie soll ich denn in der Natur lange laufen können, wenn ich nicht mal läppische 5km in der Stadt schaffe? Und wieso verdammt ist es nicht mal gut mit dem Hinterherjammern und Zeit für das Schöne im Jetzt finden? Eben, es ist jetzt mal gut Kirsche.

Laufen ohne eine ganze Weile (ca. 7 Monate) nicht richtig gelaufen zu sein ist hart. „Einmal fit, immer fit“ stimmt eben nicht. Ich atme, viel. Also mehr. Also hysterisch anstrengend laut und kränklich. Fliegende Beine werden durch fliegende Schweißtropfen ersetzt. Anstatt Kontrollieren der Zeit kontrolliere ich meinen Herzschlag. Ich denke nicht „Boah, was n Flow“ sondern „Ich will nicht mehr“. Ich genieße nicht den Duft des Waldes, sondern spüre ein Brennen der Lungen. Aber das ist eben der Anfang, von nichts kommt nichts und erst recht kein Ankommen in der läuferischen Umgebung Münchens. Warum ist mir Laufen nur so wichtig, dass mich das so beschäftigt? Weil es schön ist, toll ist, Dinge erleben lässt, lebendig fühlen lässt, den Tag super starten lässt und auch rettet. Weil es einfach zum Leben dazugehört, deswegen.

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Keine Riesenschritte machen, sondern klein und gemütlich tänzeln. Das heißt ich laufe keine langen Distanzen, sondern kurze – die aber regelmäßig. Beine, Füße, Zehen, Rücken und Bauch müssen sich wieder daran gewöhnen, dass ich laufe. Also, dass ich mich per Fuß vorwärts bewege in einem etwas schnellerem Tempo und mit etwas zu engen Laufklamotten. Und das ist gerade okay für mich, da ich wirklich nur das Laufen wieder in meinem Leben haben möchte. Weil es mir fehlt, weil mir die Freude dabei, das Abschalten, Kopf frei pusten und Draußensein fehlt. Letzteres habe ich mit dem Rad, das ist sportlich gesehen jedoch etwas anderes – nicht minder schön. (Liebe Räder, wenn ihr das lest, dann wisst ihr, dass ich euch liebe. Jawoll.)

Vielleicht – oder eher sehr wahrscheinlich – habe ich den Fehler gemacht und mein Lauferlebnis aus Erlangen auf München übertragen wollen. Das geht einfach nicht, da es ein anderer Lebensstil und ein anderes Umfeld war. Das Festhängen in Erlangen aufgrund einer Beziehung war sicherlich auch nicht sehr hilfreich, was das „Ankommen“ und „Anpassen“ betrifft. Dabei ist es garnicht so schlimm, wenn man morgens mit den Laufschuhen in Richtung Nymphenburger Park läuft. Oder an der Isar. Oder am Tegernsee. Oder leicht urban an den Gleisen in Richtung Blutenburg. Und wenn die Lunge weniger brennt, die Beine weniger stolpern und das Herz nicht aus der Brust springt, dann kommt die Freude sicher auch wieder. Die Vorfreude auf diese habe ich nämlich bereits – die ist riesig!

10 Antworten zu “Wieder bei Null anfangen: Einmal fit, immer fit?

  1. Wiedereinstieg ist hart. Fast härter, als neu zu beginnen, weil man weiß, was man erreicht hatte. Andererseits kann man sich vor Augen halten, wie genial es früher war.
    Ich hatte eineinhalb Jahre Pause, und laufe wieder. Mehr, sicherer und mit deutlich mehr Freude als früher. Ich drück dir ganz fest die Daumen und schick dir ein bissle Durchhaltevermögen aus dem Off! Es wird toll werden 😀

    • Dankeeeee 😀 Ich bin auch sicher, dass es mal besser wird. Vielleicht wenn ich umziehe oder wieder am Wochenende schön im Wald laufen kann – die 30km Distanzen muss ich aber wieder locker aus dem Ärmel schütteln können. Das geniale Laufen assoziere ich extremst mit Wald, Ruhe, Alleinsein – bissl schwierig, aber daher muss Umdenken her.

  2. Auf jeden Fall klingst Du jetzt wieder voll motiviert! Das ist doch schon mal was. Ja, leider kann man den Idealzustand nicht einfach speichern, aber ich glaube, wer einmal fit war, kommt schneller wieder hin, weil das System sich erinnert. Großstadtdschungel wär jetzt auch nicht mein Laufterrain der Wahl, aber gerade in München gibt’s echt schöne Parks. Hau rein!

    • Ach, Parks… diese eingekerkerten, von Menschen überlaufenen Grünflächen? 😀 Naja, optimal ist’s nicht, aber ich find schon was – irgendwo. Das wird, das muss, einfach an schöne Gegenden denken 🙂

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