Meine erste „Radltour“

Radltour wäre übertrieben. Also stark übertrieben. Tour ist etwas, das eine ordentliche Distanz bedeutet. Ein langes Vorbereiten erfordert, lange Abwesenheit bedeutet und lange körperliche Anstrengungen. Bei mir waren es nur knapp 2 Stunden Abwesenheit, gefühlte 4 Stunden körperliche Anstrengungen und die Vorbereitungen… die dauerten die letzten Wochen an. Bis ich schlussendlich meine Radlschuhe hatte. Schwere Geburt oder auch: So muss sich ein Endlosberg für Radler anfühlen.

Das erste Mal war es nicht. Also das erste Mal auf einem Rad allgemein, das erste Mal mit einem Helm aufm Kopf, das erste Mal mit Pampers-Hosen und das erste Mal mit Klickschühchen. Das war nämlich so ein bisschen am Montag. Da war es kalt, dunkel und naß. Und ich musste unbedingt raus auf’s Rad. Gesagt getan, das Raus- und Reinklicken geübt, das Taubwerden der Hände vor Kälte gelernt und leicht verzweifelt nach schönen Radstrecken gebettelt. Verliebt hatte ich mich auch. In mein Canyon Roadlite. Meins.

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Die schöne Radlstrecke kam dann heute. Heute war es nämlich warm. Sonnig, blauer Himmel, trocken… ein Traum. Daher wagte ich mich schon um 10 auf die Straßen ähm Radlwege. Kurze (einzige) Radlhose an, helles Trikot (dessen Preis man auch in der Passform merkte) übergestreift und Sonnenbrille eingepackt. Klick-Klick und endlich durfte ich bei Tageslicht fahren. Am Anfang kühl wurde es aber mit steigendem Ich-muss-mich-da-jetzt-auspowern-weg-da-aus-dem-Weg-Getue meinerseits schnell wärmer.

Die Fürstenrieder Straße (holterdipolter über Radlwege) entlang und dann Abbiegen auf die Olympiastraße. Und da waren sie schon: noch einzeln anzutreffen die ersten Rennradlfahrer. Ruhige, gerade und leicht hügelige Asphaltstraße, die sonnengefleckt wirklich perfekt zum Radeln waren. Irgendwann sagte meine Hüfte bzw. mein Oberschenkelgelenk „Njööö“ und tat ordentlich komisch weh. Fußhaltung, Kraftausübung und und und anpassen, ausprobieren und einmal das Bein einschnackeln lassen und es lief wieder.

Es ging ab nach Wangen, weiter nach Perach. Am Starnberger See kurz meiner Trail-Lauf-Runde Hallo gesagt, dann versucht wieder aufzusteigen. Losgefahren und die rechte Pedale wollte nicht in meinen Schuh. Absteigen funktionierte aber irgendwie blöderweise nicht, weil das linke Bein ja schon eingeklickt war. Rumms. Lag ich da. Radl auf mir – gottseidank – und ein Herr im gestreiften Frotteebademantel eilte mir zu Hilfe. Steine aus dem Knie gepickt und diesmal richtig (wie ich auch immer das sein möge) aufgestiegen und losgebrettert. Bergab ist ja schon schön, aber bergauf macht auch nicht weniger Spaß!

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Auf dem Weg zurück, der gefühlt trillionen Mal schneller war und mit trillionen Mal stärkeren Gegenwind als auf dem Weg hin etwas anstrengender schien, hatte ich das Gefühl die Samstags-Rennradl-Uhrzeit erwischt zu haben. Gruppen, Teams, Packs, Gangs oder wie auch immer sie heißen: Die Massen der Radlfahrer nahmen kein Ende. Und das freundliche Grüßen, Angrinsen und -nicken sowie Anpeacen (ohne Scheiß, der Typ rockt unheimlich!) haben die Rückfahrt noch viel schöner gemacht als die Hinfahrt.

Popes tat dann arg weh, die Finger waren taub – diesmal nicht vor Kälte – und ich musste arg viel flennen. Nächstes Mal dann halt doch die Sonnenbrille aufsetzen, auch wenn ich sie nicht mag. Und nächstes Mal das Unteren-Lenker-Greifen nochmal probieren, irgendwann ist’s vielleicht besser. Und nächstes Mal vielleicht nicht umkippen. Und nächstes Mal am besten Morgen sein lassen!

5 Antworten zu “Meine erste „Radltour“

  1. Ein paar Schmerzen gehören am Anfang einfach dazu 😀
    Aber wenn man einmal mit dem RR angefangen hat ist es einfach nur noch genial.

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