Der japanische Onlineshop Rakuten und seine Ebooks

Es war mal wieder so weit: In München tagte die DLD Conference (Digital, Life, Design) und lud einen Haufen an interessanten und wichtigen Menschen aus der digitalen Welt ein. München war sozusagen Gastgeber der digitalen Welt. Die DLD Conference wurde von Stephanie Czerny und Marcel Reichart, beide von Hubert Burda, gegründet und setzt meiner Meinung nach um, was dringend in Zeiten der digitalen Umstrukturierungen benötigt wird: eine Plattform zum Austauschen.

 

Interessant wurde es nicht nur als Greg Greeley von Amazon selbstsicher und begeistert seinen Kindle Fire aus dem Jackett zauberte und darüber sprach, dass damit den Kunden mehr geboten würde, was sie sich jemals vorgestellt hätten. „15 Jahre Arbeit von Amazon stecken hier drin.“ sagte er und meinte damit wohl vor allem das Kundenverhalten, das Kaufverhalten und die richtige Kundenpflege.

Oder Jimmy Wales von Wikipedia mit klaren Worten sagte „I wanted to pay for that movie again although I already had it. But iTunes wouldn’t take my money and so I asked myself: Why don’t you offer the things people want and are ready to pay for? My daughter looked at me and thought „Daddy, why don’t you go on megaupload?“ but she actually didn’t say it… (laugh) Give the people what they want, why is it so hard to do so?“. Außerdem hatte sich wikipedia.org mit dem Blackout bezüglich SOPA such einen Applaus verdient und konnte mit schlagkräftigen Argumenten erklären, was denn Demokratie im Internet sei.

Aber auch Japan war vertreten. Nicht nur mit Yoko Ono sondern auch mit Hiroshi Mikitani, dem Chef von Rakuten. Rakuten ist nach Erlös eines der drei größten Onlineshop-Portale weltweit und ist somit auch weltweit vertreten. Interessant ist es auch zu hören, dass Mikitani die Firmensprachen von Japanisch zu Englisch abgeändert hat, was sicherlich zu einigen Diskussionen geführt hat. Aber Mikitani meint, dass die Kleindenkerei, die japanische Firmen mit der sehr speziellen Sprache (Schriftzeichen als Anfang) und der ganz eigenen Firmenkultur an den Tag legen, den globalen Erfolg eher hemmt.

Daher sind manche japanische Firmen, wie beispielsweise Kinokuniya zwar sehr stark aufgestellt und agieren auch in anderen Ländern, jedoch haben sie so manche Schwierigkeiten bspw. in Europa. Größer ist jedoch die andere Seite: Taschen Verlag hat seine Zentrale in Japan verkauft, Random House in Japan wurde ebenfalls verkauft und andere Tochterfirmen von Verlagen oder Niederlassungen, die erfolgreich sind, sind vollkommen japanisch. Zufall? Kennt man die japanische Gesellschaft, dann kann man wohl eher sagen „Nein, sicher nicht“ und versteht, dass man um in Japan erfolgreich zu sein, sich auch mit den internen Strukturen dort auskennen muss.

Rakuten hat im November Kobo gekauft, das heißt: Ebooks. Die Ebook-Sektion wird ausgebaut, daher sucht Rakuten auch Manager für diesen Bereich, die fließendes Englisch und fließendes Japanisch sprechen – das wird lustig. Aber ein deutlicher Schritt in Richtung Globalisierung der digitalen Märkte ist erkennbar.

Rakuten hat verstanden, dass auf dem Ebook-Markt die kleinen Fische kaum überleben können und katapultiert sichmit dem Kauf von Kobo an die Spitze.

Kinokuniya wird natürlich auch mitziehen, nachdem sie mit dem BookWebPlus und der Kinoppy-App schon eine gute Plattform und eine große Anzahl an registrierten Nutzern vorweisen können. Vor allem durch die Kombination der App (für Tablets, Smartphones und PC) mit dem Onlineshop, sodass während dem Lesen eines Ebooks bspw. die Sonderedition im Printformat über die App gekauft werden kann, ist spannend! Aber reicht das, um im globalen Markt überleben zu können?

Im Angebot hat Rakuten schon den Raboo, den Ereader von Panasonic und bringt mit dem Vox reader (Android) von Kobo ein weiteres Lesegerät auf den Markt, wobei letzteres mit Farbdisplay versehen ist und als Konkurrent von Amazon Kindle Fire verstanden werden könnte. Warum Kobo für Rakuten sinnvoll ist, liegt anderseits auch an den Sozialen Buchnetzwerk „Reading Life“, das Rakuten sicherlich für andere Verkaufszwecke verwenden möchte. Warten wir ab, was daraus wird. Nachdem sich Rakuten ja als „freundlich“ erweist, indem es Anteile am lokal generierten Umsatz von Ebooks für stationäre Verkäufer der Rakuten- und jetzt auch Kobo-eReader ermöglicht, kann es gut sein, dass die Kobo-Nutzer auch bald Rakuten-Kunden sein werden.

Wer sich dann noch sein Gespräch auf der DLD Conference anschauen möchten, kann hier schauen: Hiroshi Mikitani auf der DLD Conference. Aber ich warne vor Herrn Holger Schmidt, dem Interviewer vom Focus, der sich wohl als Ziel gesetzt hat wizz his grait Englisch tu schock ze Pipel. Man könnte fast den Wunsch haben aufzustehen und zu brüllen „Holger, komm ey, lass mich bitte die Fragen stellen!“ wenn man nur live dabei gewesen wäre. Nochmal: Leute, deutsches Englisch zu sprechen ist nicht immer toll!

5 Antworten zu “Der japanische Onlineshop Rakuten und seine Ebooks

  1. Danke für die interessante Zusammenfassung.

    Rakuten ist, wie einige andere japanische Unternehmen, auf Einkaufstour um somit den starken Yen bzw. den schwachen Euro / US Dollar auszunutzen. Tradoria zählt ja auch seit einiger Zeit zur Rakuten Group, viel passiert ist dort aber bis jetzt nichts.

    Was den japanischen eBook Markt betrifft schaue ich da leider etwas pessimistisch in die Zukunft. Man kann die Entwicklungen der letzten Jahre wohl als „too little, too late“ zusammenfassen. Die japanischen Verlage sträuben sich gegen eBooks und haben bis jetzt wohl allen potentiellen Verhandlungspartner aus der Branche (amazon, Apple, etc.) eine Abfuhr erteilt.

    Ebenso hat die japanische Industrie, genau wie die Verlage, den eBook-Zug total verpasst. Sharp startete 2010/2011 mit einer eigenen Hard- und Software Platform unter dem grenzdebilen Namen „Galapagos“. Wie der Insel und dem Dodo erging es dann auch innerhalb eines Jahres den Galapagos eBook Readern und dem proprietären XMDF Format – beide sind tot. Die für die Galapagos verkauften Bücher waren weiterhin gleich dreifach gehandicapt – eBooks konnte man ausschließlich IN Japan erwerben und auch nur dort und eingeschränkt in den USA lesen. Wer das Gerät mit nach Europa nahm, als Import oder auf Dienstreise, Urlaub, etc., konnte weder lesen noch kaufen. Schöne neue eBook-Welt

    FAZIT: Rakuten mag den internationalen eBook Markt beäugen, aber solange sich die japanischen Verlage gegen eBooks sträuben und Hersteller wie Sharp lieber auf Insellösungen die ausschließlich in Japan funktionieren setzen, werden eBooks in Japan genauso wenig passieren wie das Web 2.0. Der Zug ist abgefahren

    Viele Grüße,

    Marco 🙂

    • Hallo Marco 🙂

      Ich glaube es ist auch wichtig zu sagen, dass der Bereich „Mobile phones“ in Japan schon seit langem sehr stark vertreten ist – sowie beispielsweise die Comics für das Handy oder das Smartphone und auch die Fortsetzungsgeschichten via Handy (hier gibt es Bastei Lübbe, die mit „Apocalypsis“ in die ähnliche Richtung gehen und auch Erfolge damit vorweisen können).

      Dass Japan – was nicht zu bestreiten ist – im eBook-Bereich verschlafen hat, hat sicherlich auch mit der Einstellung zu tun „Wir sind mit Handys schon so weit vorne, da kann mit eBooks nicht mehr viel kommen“. Außerdem ist die strikte Rechte- und Lizenzen-Politik vieler Verlage schwierig für den internationalen Bereich – daher auch das Problem, dass in Japan Gekauftes in Europa nicht mehr funktioniert.

      Die starke Nutzung von Handys für das Lesen in Japan kann als Grundlage für die Weiterentwicklung von ebooks – in welcher Form auch immer – verwendet werden. Eventuell gelingt das durch überzeugende eReader, durch Verdrängen der „altmodischen“ Handys und somit Ermöglichen der Hüll-Apps wie Kinoppy oder auch Bereitschaft der Verlage international offener zu agieren (eine Online-Reading-Plattform wie viz-media wäre etwas, auch für Deutschland, dann würden die illegalen Scans nicht das Misstrauen der japanischen Verlage schüren etc.)

      Aber an sich: Schön, dass trotz allem in Japan das gedruckte Buch noch immer eine solch wichtige Rolle zugesprochen wird, auch wenn Apps und digitale Geräte noch als „Erweiterung“ zum Gedruckten verstanden werden. Oder als Plus-Funktion 🙂

      • Hallo cherry,

        Bei Mobiltelefonen muss ich allerdings zu bedenken geben, dass das japanische „keitai“, trotz all seiner Funktionen, langsam auch den Weg des Dodo geht. Apple und asiatische Smartphone-Hersteller wie HTC und Samsung konnten sich in den letzten Jahren große Marktanteile zum Nachteil der klassischen „keitai“ sichern.

        Ich habe vor einiger Zeit eine Präsentation zum Thema „Der japanische Mobilfunkmarkt“ gehalten und bei der vorausgehenden Recherche haben wir im Juni 201 6000 Befragten in Japan die Frage gestellt „Welches Mobil-OS benutzen Sie?“ – also welches Betriebssystem auf dem Mobiltelefon der Befragten eingesetzt wird.
        Anhand des Betriebssystems lässt sich naturgemäß auf den Typ des Mobiltelefons schließen. iOS läuft schließlich nur auf iPhones, Android gehört zu Google und die klassischen „keitai“ die sich fast ausschließlich auf dem japanischen Markt bis heute weiterentwickelt haben setzen auf NOKIAs Symbian Platform.

        Das Ergebnis war meiner Meinung bezeichnend für den langsamen Niedergang der „keitai“

        Zwar läuft auf 53% der Mobiltelefone weiterhin Symbian ABER bereits 17% setzen auf Android (Google), 7% nutzen Windows Mobile (Microsoft) und ebenfalls 7% setzen Apple’s iOS ein. Die komplette Online-Präsentation gibt’s hier >> http://okage.de/1f

        Worauf ich hinaus möchte: Mit der zunehmenden Dominanz von iOS, Android und Windows Mobile – ausschließlich us-amerikanische Unternehmen – werden auch andere Internationale über die respektiven App-Stores (App-Store, Android Market, etc.) nach Japan drängen und hier, insbesondere seit Apples letztem Vorstoß, auch in den eBook Sektor. Wenn Japan also den nächsten (und übernächsten?) Zug nicht auch verschlafen will dann müssen die Verlage und Technologieunternehmen endlich ins (nicht mehr ganz so kalte) Wasser springen.

        Mit meinem neuen Startup ゲンゴラ (www.gengora.de) habe ich da auch schon etwas Passendes in der Pipeline. Vielleicht wird ja der japanische Markt auch von aussen revolutioniert 🙂

        Marco

  2. Der schwierige Umgang der Verlage mit eBooks ist ja kein rein japanisches Phänomen. In Deutschland haben wir das genauso, weil keiner der Verlage vernünftig mit der fortschreitenden Digitalisierung umgehen kann und möchte, obwohl die Nachfrage langsam steigt.

    • Chris, da hast du natürlich recht, aber im Vergleich zu Japan sind wir noch etwas besser aufgestellt. Aber auch nur etwas, wenn man global schaut.
      Ich kann hier nur einen Vergleich im Bereich Comics/Mangas nennen:
      Einmal die amerikanische VIZ-Media Seite, die auch aufgrund der immensen Größe natürlich anders aufgebaut ist:
      http://www.viz.com/

      Und dann sieht man sich Carlsen, Egmont Manga oder Tokyopop an, die noch relativ wenig aktiv in diesem Bereich sind – weil vielleicht auch die Leser nicht mitziehen? Aber wieviele junge Leute weltweit schauen sich Manga-Scans online an, weil es schneller geht? Da kann man ansetzen und mir kitzelt es in den Fingern da was zu machen, aber mit all den Rechten, Lizenzen, der DRM-Frage und den Endgeräten wird das alles sehr erschwert wie ich finde.

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