Lieber pleite als gestresst?

Ich bin ein Student. Überraschung. Und nicht selten ist das große Problem der Studenten das Finanzielle. Man hat nicht zuviel vom Geld, eher das Gegenteil ist des öfteren der Fall. Man muss ich verschiedene Möglichkeiten überlegen um an Geld zu gelangen: Da gibt es die elterliche Unterstützung in allen Variationen, das Bafög (das übrigens schwieriger zu erhalten ist, als das Bundesverdienstkreuz), dann etliche Arten des Geldverdienens und am Ende noch der Studienkredit.
Aber oft wird ein minimal klein aber wichtiger Punkt vergessen: Die Zeit des Studierens ist nicht nur das „Ich hock dann mal in der Uni und hör so halb zu“ sondern vor allem das Vor- und Nachbereiten der Texte und Unterlagen. Und dann schlussendlich auch das Lernen auf die Prüfungen, während man noch immer vor- und nachbereitet und in der Uni sitzt.

Hat man einen Job, der von 5 bis 50 Stunden die Woche gehen kann – wobei letzteres sicherlich nicht ein gängiges Phänomen ist – muss man als Student in die Schuhe des „Koordinators“ schlüpfen. Vor allem ist es von der Job-Art abhängig: Gastro, Call-Center, Home-Job, Promotion oder Selbstständigkeit…
Um Geld zu verdienen bin ich in letzter Zeit wieder in der Branche „Gastronomie“ tätig geworden und habe – warum auch immer – einen Job in der Getränkeküche des renommiertesten und beliebtesten Cafés in Erlangen angenommen. Für 6,50 Euro die Stunde.

Vorteil:

Ich kann viel Tee trinken. Und Kaffee. Und bekomme 50% als Gast. Und bekomme das Geld. Nett.

Nachteil:

Kein Anteil am Trinkgeld. Getränkeküche = Spüle mit simultanen Getränkemachen, Polieren, Mise en place vorbereiten und Putzen. Die Angestellten sprechen kaum mit einem. Immer eingesaute Klamotten. 6,50 Euro die Stunde. Kein Anteil am Trinkgeld. Und erst wenn ich in der Essensküche ein Jahr war, kann ich mal mit dem Service anfangen.
Dieser Job bringt mir etwas Geld, das ich gut gebrauchen kann. Aber er schluckt auch meine unglaublich rar gewordene Zeit, die ich für meiner Meinung nach wichtigere Projekte benötige: Hausarbeit, LooksIntoBooks, anstehende Publikation „Alles Buch“ der Buchwissenschaft Erlangen, Referate, Reportage für „Buchreport“, Social Media AG des Nachwuchsparlaments, Geheimprojekt XYZ
… und Zeit für mich und Sport und Schlaf.
Deswegen werde ich morgen wohl einen arschigen Schritt machen müssen und „kündigen“, wenn das Wort überhaupt passt. Mache ich das nicht, werde ich irgendwann einmal mich in meinem Bett verkriechen und vor dem riesigen Berg an Arbeit verstecken – die ich eigentlich über alles liebe. Aber da ich eben meine Projekte genial finde und Uni wichtig ist, muss ich auf dieser Seite Abstriche machen: Ade Gastro-Job mit schlechter Bezahlung und seltsamen Kollegen – Hallo Zeit zum Arbeiten, Schreiben und Konzept-Erstellen.

Und auch ein Hallo an das schlechte Gewissen, da ich eigentlich immer einen sauberen Schnitt machen möchte. Wer mir aber so wenig zahlt, mir 32,65 auf den Cent genau auszahlt und mir ein ständig komisches Gefühl in der Magengegend verschafft … muss mit ebenso komischen Konsequenzen rechnen. Vor allem ohne Vertrag. Lieber jammere ich darüber, dass ich kein Geld hab, als dass ich Dinge, die mir im Leben mehr bringen, nicht machen kann.

2 Antworten zu “Lieber pleite als gestresst?

  1. Seltsamerweise habe ich gerade über eben jene Maschinerie, die ich kurzum „The horrible machine“ getauft habe, nachgedacht. Diese unendliche Tretmühle des Lebens ist auch mir bekannt und manchmal kann der Tag nicht genug Stunden und der Kaffee nicht genug Koffein haben.

    Ich find’s prima dass du einen Schnitt machst und aus der „horrible machine“ austrittst um dich den wichtigen Dingen zu widmen – denen die dir Freude bereiten. Deshalb Daumen hoch und weiter so!

  2. Danke schön – es ist echt schwer gewesen, da ich normalerweise auf „Heile Welt“ mache. Aber wie sagte jemand zu mir letztens erst: „Sometimes … you have to be hated.“
    Und in meiner früheren Gastrozeit hab ich gelernt, was nur schwer in meinen Kopf ging: „Du bist ersetzbar, also bleib dir selber treu.“

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