Foot love: love your feet, feed your love

Meine Socken von GripGrab sagen „Foot Love“. Ganz klar, ganz deutlich, in starken weißen Lettern stehen diese zwei Worte auf meinen schwarzen Socken. Andersrum stünde da dann „Love Foot“, was alle die an Podophobie leiden, wohl nie verstehen werden. Alle, die ihren Füßen unvergessliche Momente, erklommene Gipfel, erkämpfte Kilometer, verdiente Hochgefühle, glücklich schlagende Herzen, jauchzendes Gelächter und vor Freude strahlende Gesichter verdanken, die alle werden mir zustimmen: Foot Love is real.

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Wir sind oftmals zu kritisch, zumindest sehe ich das bei mir. Kritik, die mein innerer Kritiker aus mir oftmals unerklärlichen Gründen an die Oberfläche kommen lässt, macht es mir manchmal schwer gewisse Dinge zu lieben. Dazu zählen meine Füße. Nicht, dass ihr mich nicht falsch versteht: ich finde sie hübsch, ich mag sie optisch, ich tanze mit ihnen über warmen Asphalt. Aber sie sind ja nicht nur zum Schönaussehen da, sondern zu viel wichtigeren Dingen.

Unsere Füße führen uns zu allen Momenten im Leben, die uns lachen, weinen, träumen, staunen, lieben, kämpfen und wundern lassen. Unsere Füße sind nicht unsere Beine, unsere Augen, unsere Stimme, unsere Ohren, Arme, Hände, Finger, Herz. Aber sie sind mindestens genauso unabdinglich, wenn es darum geht, aus vollstem Herzen zu leben.

Daher, wenn sie denn mal nicht so funktionieren wie sie sollten oder jammern oder zwicken oder mit keinem Schuh zufrieden sind oder Blasen bekommen, tu ich mir schwer meine Füße immer und jederzeit zu lieben. Aber vielleicht sollte man einfach mal einen Schritt zurück machen, oder ich, und sich vor Augen führen, was unsere Füße so alles leisten, zu was sie uns verhelfen. Und dass etwas mehr Liebe einfach nicht schaden kann.

Unsere Füße in Laufschuhen. Sie tappen über den Asphalt, halten an Bordsteinen, sprinten über regnerische Wege, traben vorbei an duftenden Blumenfeldern, tragen uns dem Sonnenaufgang entgegen, jagen mit uns den Waldduft, laufen Kilometer um Kilometer. Sie tragen unser Gewicht, unsere Ziele, unsere überfüllten Köpfe, unsere Ambitionen, unsere Schmerzen, unseren Ehrgeiz nach draußen. Meter für Meter tragen uns unsere Füße voran, egal ob Regen, Sonne, Schnee, Herbstblätter. Egal ob bergauf, bergab, geradeaus, am glitzernden Wasser oder am schattigen Wurzeltrail.

Unsere Füße in Radschuhen. Sie lassen uns einklicken, uns eins werden mit der Pedale, dem Fahrrad, den surrenden Reifen, der Geschwindigkeit, dem Fahrtwind, den Sonnenflecken, dem prickelnden Regentropfen, den verlockenden Serpentinen, dem kühlen Waldduft, dem goldenen Licht über dahinrauschenden Feldern, den vorbei tanzenden Wolken. Unsere Lunge brennt, die Beine drücken, ziehen, drücken, ziehen… die Hände spielen verliebt mit den Bremsen, den Schalthebeln, die Landschaft fliegt vorbei, das Herz wird leicht, der Himmel glüht, die Sonne blendet – all das, weil unsere Füße mit uns, für uns, wegen uns arbeiten.

Wir bewundern unsere Beine. Doch unsere Beine würden nicht stark sein, über sich hinaus wachsen oder uns unseren Zielen näherbringen können, wenn es unsere Füße nicht gäbe. Unsere Füße haben unsere Zuneigung verdient. Eine Pause. Gute Schuhe. Fußmassagen. Tolle Socken. Pflegende Cremes. Neue Schuhe. Ab und an ein verliebter Blick, denn unsere Füße sind mit all ihren Ecken und Kanten und Besonderheiten liebenswert. Der Zeh zu groß, der Ballen zu wuchtig, der andere Zeh ist schief, ein Plattfuß – egal was, unsere Füße haben wir ein einziges Mal. Da wären wir ja schön blöd, wenn wir nicht das Beste daraus machen. Schließlich sind sie ein Teil von uns und lassen uns durch all die wunderbaren Orte, die wir mit ihnen erkunden, und Erlebnisse, die wir durch sie erfahren, zu dem Menschen werden, der wir sein wollen.

“It’s a dangerous business, Frodo, going out your door. You step onto the road, and if you don’t keep your feet, there’s no knowing where you might be swept off to.”

Und stell dir vor, was das Leben ohne Abenteuer wäre. Was es ohne lange Touren in den Bergen wohl mit einem anstellen würde. Wie ein Blick auf eine Karte wohl kommentiert würde, wenn man noch nie irgendwo einen Weg für sich erobert hat. Was würde man denn von seiner Umgebung kennen, verstehen, wissen, wenn man nicht auf dem Rad oder zu Fuß einfach erkundet hätte. Wie man wohl Freiheit definiert, wenn man noch nie vor etwas wirklich weggelaufen ist oder für Schritt für Schritt dafür gekämpft hat. Ob man dann wirklich das Gefühl kennt, alle Tore stünden einem offen, man müsse einfach nur den ersten Schritt machen? Ich bezweifle es, aber irgendwann sind die Füße dann nicht mehr zu halten. Das verspreche ich.

 

 

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