Running in the Dark – Tempo dank Kopfkino

Juhu, es ist gefühlt 80% vom Tag dunkel. Gut, das liegt wohl daran, dass ich sehr viele Stunden des hellen Tages in der Arbeit verbringe und erst am stockfinstren Abend nach draußen darf. Quasi wieder frei gelassen werde. Und morgens, na, da ist es schon gerne mal heller, aber ich hab so immens Probleme aktuell in der Früh die Laufschuhe zu schnüren… nicht mehr schön.

Auf jeden Fall ist es trotzdem fast immer und überall dunkel. Oder fast-dunkel. Und deswegen muss man im Dunkeln auch laufen. Denn wenn man es in der Früh nicht schafft, tagsüber das Geld verdient und nur abends Zeit hat, dann ergibt das eine das andere und die Stirnlampe muss her. Oder beleuchtete Straßen. Aber man hat bei letzterem nicht nur tolle Straßenbeleuchtungen oder nicht-blendene und nicht-stinkende Autos an seiner Seite, sondern auch noch rot-grün leuchtende Lichter, sogenannte Ampeln. Die zerfetzen den Takt, das Tempo, den Pace, die Körperwärme. Deswegen sind Parks, Wälder, Wiesen, abgeschiedenere Wohngegenden einfach besser. Und da, ja da fehlt manchmal das Licht.

Letztens war ich in Erlangen unterwegs und habe da die Stirnlampe um den Hals dabei gehabt. Habe ich auch in München, wenn ich das Gefühl habe, ich müsste mal schöne Strecken suchen. Mach ich aber nie. Außer ich laufe von der Agentur an der Isar entlang heim. Geht aber grad schlecht, weil das Klamotten-Hin-und-Her-Schleppen im Winter komplizierter ist. In München gibt’s wo ich wohne leider genug beleuchtete Gegenden.

In Erlangen nicht. Da war ich nämlich hier unterwegs: Tennenloher Forst, der sich sehr lang und sehr gemütlich rechts neben Erlangen erstreckt. Wer Asphalt-Kiesstrecken mag kommt genauso auf seine Kosten wie kleine feine Trails durch die fränggische subba Landschafd. Ich verlaufe mich immer. Habe ich schon vorher am Europa-Kanal gemacht und mache ich jetzt im Forst auch. Deswegen war Vorsicht geboten beim dunklen Lauf. Trails waren ein No-Go, wusste ich ja nicht wo ich da rauskommen würde und wie ich wo hinkomme. Als auf die Kies-Asphaltstrecke und geradeaus, geradeaus. Je mehr ich weg von der Stadt Erlangen lief, desto dunkler wurde der Himmel und desto schwärzer der Wald um mich herum. Tiefschwarz.

Bild

Vor meiner Stirnlampe stieg mein Atem lustig Wolken bildend auf und die Schneeflocken wehten wild ins Licht. Im schmalen Lichtkegel konnte ich den Weg sehen und außenrum… Schwärze. Oder? War da nicht ein Leuchten? Was war das für eine Silhouette da, ein Mensch? Und das, das waren doch Augen, die da reflektierten. Da vorne, ganz ganz im schwarzen Dunkel, war da nicht gerade was gewesen? War ich hier noch richtig, kam da nicht was den Weg entlang, was wäre wenn…

Und was für ein schönes Tempo ich drauf hatte. Nicht zu schnell, aber mir war mit meiner kurzen Hose auch wirklich nicht zu kalt. Auch einer der Gründe, warum ich ein schönes Tempo hatte. Stehen bleiben, langsamer laufen, bedeutete nämlich, dass die dunkle Kälte in meine Beine kroch. Etwas Musik im Ohr, das Rauschen der Bäume und das Kopfkino machten den Lauf alles andere als gruselig, aber ungemein unterhaltsam. So präsent war meine Laufumgebung seit den letzten ordentlichen Trails mir nicht mehr. Und das ist schön, davon kann ich jetzt für die nächsten (leider leider leider) lauflosen Tagen zehren.

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