Warum Läufer weniger husten und rotzen

Hallo du schöne kalte klare eisige Winterzeit. Irgendwie wurdest du nicht vermisst und irgendwie schon. Die Luft draußen ist auf einmal so klar und auch so brutal eisig, ja fast schneidend kalt. Du hast nicht nur Schnee, kalte Winde, kühle Luft, Frost und Lebkuchenzeit gebracht sondern auch die obligatorische Erkältungszeit. Die Zeit, in der jeder in allen öffentlichen Verkehrsmitteln kurz vorm Erstickungstod ist und sich nur noch durch hysterisch röchelnde Huster am Leben halten kann. Die Zeit, in der Rotz mit Wasser ausgetauscht wird, damit jeder Bewohner der Erde sofort eine Dauerlaufnase hat und dies öffentlich durch geübtes Hochziehen des Inhalts der Nase – was auch immer das sein mag – kund tut. Erfindungen wie Taschentücher oder Taschentücher oder Taschentücher werden ignoriert. Sind doch für Weicheier, Warmduscher und Memmen was.

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Dabei sind sie es selber, diese penetranten nervigen Rotz-im-Hirn-Sammler und Lunge-Raushuster und Viren-Verschenker. Sind alles Weicheier und Warmduscher und Memmen. Weil sie nämlich keine Läufer sind. So.

Läufer sind nämlich weniger krank. Ergo rotzen und husten sie weniger. Eigentlich nie.

Okay, das ist nicht ganz korrekt, aber ohne Übertreibung kommen wir nicht weiter. Also Läufer sind durchgehend gesund, immer, überall, ständig. Erkältungen und Grippen und Nasennebenhöhlenentzündungen und sonst was sind für sie Märchen. Man erzählt sich in der Läufergemeinschaft, dass die anderen solche Erkrankungen haben, dadurch k.o. geschlagen werden und nur noch durch Gabe von Paracetamol, Tee und Hustenbonbons am Leben gehalten werden können. In der Läufergemeinschaft nickt man dabei verständnisvoll, während man den 15. Kilometer im Wald bei -8 Grad über den Waldboden entlang fliegt. Das muss schon anstrengend sein, so ein Leben mit Erkältungen.

Irgendjemand, ich sag mal meine Oma, weil meine Oma irre klug war, hat mal gesagt, dass „was dich nicht tötet dich nur stärker macht“. Also abhärtet. Und da haben wir schon die Lösung des Rätsels: Läufer härten sich ab. Klar, wer nur im Sommer läuft, der schwitzt einfach nur gerne. Aber wer seine Laufschuhe schnürt, das Buff über die Nase zieht, in die Handschuhe schlüpft und unter fallendem Schnee oder klirrender klarer Kälte läuft, der mutet seinem Körper einiges zu. Und dieser bedankt sich, indem er streßresistenter wird. Immunsysteme werden aufgefahren und laufen auf Hochleistung. Die Durchblutung war noch nie besser, auch wenn manches etwas taub wird. Die Fitness steigert sich durch Kombination der Kälte mit der gesteigerten Anforderungen an den Körper und der Bewegung des Laufens.

Ich laufe und meine Nase läuft ebenfalls begeistert mit. Deswegen bin ich mit Tempos ausgestattet und sehe manche Läufe als eine Art Inhalationsbad an. Zwar ohne Kamille oder Salz, dafür mit viel Winterduft, Waldbodengeruch oder Isarwasserschnuppern. Das ist mindestens genauso gut. Und nach dem Lauf? Nach dem Lauf ist die Nase frei, freier, gesund. Naja, eigentlich rauscht nur mehr Blut durch die Nase bei Kälte sodass die Nase zum Laufen anfängt ergo „mehr Flüssigkeit produziert“ um es korrekt auszudrücken. Die Nase wird irgendwie auch trainiert und abgehärtet, so Viren werden irgendwann nur noch belächelt von der Nase und beim nächsten Lauf rausgeschmissen. Laufen mit laufender Nase bei eisigen Temperaturen also: Vollkommen okay.

Übrigens auch voll okay für die Lungen zu trainieren. Nicht durch Bronchitis, ne, das ist nicht so spaßig, aber durch Laufen. Gezieltes und konzentriertes Atmen ist hier wichtig, da eisig kalte Luft nicht unbedingt über den Mund direkt den Lungen zugeführt sondern über die Nase erwärmt werden sollte. Die Nase ist halt irgendwie doch so eine Art Heizung in der Visage. Dadurch, dass es etwas anstrengender ist bei kalten Wetter im Winter und eventuell noch auf Schnee zu laufen, trainiert man das Herz-Kreislauf-System recht gut. Und wer wie ich vom massiven Rauchen von früher noch angeknackste Lungen hat wird merken, dass sich die Lungen langsam aber sicher von der Rauch-Schleim-Ständig-Bronchitis-Schicht verabschieden. Ehem.

Läufer sind gesünder als Nichtläufer. Irgendwo ja, irgendwo… nö. Es muss nicht Laufen sein, aber Ausdauertraining an der frischen Luft rockt. Hält gesund. Fordert den Körper heraus, der sich eigentlich nur in ein Bad voller Glühwein in einem Schokolebkuchenhaus verdrücken will. Setzt den Menschen der menschenfeindlichsten Jahreszeit aus und belohnt ihn gleichzeitig mit Fitness, Gesundheit und roten Wangen.

Aber Laufen ist einfach so irre toll, dass mir einfach keine andere Sportart für die tagtägliche Flucht aus dem Alltag eingefallen ist. Und Laufen geht immer, überall, zu jeder Tageszeit und außerdem darf man da soviel rotzen und husten wie man will. Man darf, weil man sich heldenhaft der kalten Winterzeit entgegenstellt und sich mit Badewanne, Pasta und Sofa belohnen muss.

Und nur so als Fakt: Seit ich regelmäßig laufe hatte ich weder meine monatliche Bronchitis noch meine Erkältung oder sowas wie eine Kehlkopfentzündung, Grippe oder Lungenentzündung. Und auch deswegen rockt Laufen.

 

Eine Antwort zu “Warum Läufer weniger husten und rotzen

  1. Dies ist ein Pflichtkommentar um meiner Disqualifizierung entgegenzudingsen:
    Neben dem Laufen sollte man dem Körper aber auch ein bißchen Obst gönnen. Denn wie sagt man: A cherry a day keeps the doctor away!

    Sehr witzig übrigens, mir läuft beim Laufen im Sommer häufig die Nase, bei meinen ersten beiden Winterläufen brauchte ich zu meiner Verwunderung kein Taschentuch.

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