Laufgürtel – Top oder Flop?

Man fühlt sich nackt. Frei. Unabhängig. Leicht. Nur mit Laufhose, Laufshirt und Laufschuhen bekleidet jagt man über Straßen, durch Wälder, an Häusern, Seen und lahmen Passanten vorbei. Yehahaha! Ich brauche nichts! Nichts! Bis… auf einmal eine Blase am Fuß schmerzhaft pulsiert und bis daheim sind es noch ein paar Kilometer. Oder die Rotzglocke an der Nase baumelnd fast den Boden berührt. Oder auch der Durst so immens wird, dass man wild brüllend eben jene lahme Passanten überfällt und in deren Taschen nach Trinkbaren sucht.

Der Laufgürtel mal erklärt

Die Lösung dieses etwas misslichen Problems, das einen eventuell auch Schlagzeilen in den Lokalnachrichten einbringt, heißt „Laufgürtel“. Die Vorstufe davon ist natürlich die Möglichkeit in den meist eingebauten Taschen der Laufhose oder Oberteils notwendige Dinge wie Schlüssel, Smartphone oder Tempos zu verstauen. Aber erstens haben nicht alle Kleidungsstücke Taschen, zweitens sind einige Taschen für Ameisen gemacht und drittens reichen diese Taschen oftmals nicht für längere Läufe aus. Bei mir persönlich sind die Taschen auch schon im Allerwertesten. Wortwörtlich. Das Smartphone klebte statt in der Gesäßtasche auf einmal am Hintern, unglaublich amüsant das da raus zu holen, für alle anderen Betrachter.

Laufgürtel sind einfach. Als Gürtel mit beispielsweise Klettverschluss oder Schnappsystem können sie an Hüfte oder Taille festgemacht werden. Es gibt Laufgürtel, die festgenähte Taschen, Behälter für kleine Trinkflaschen oder Flaschenhalter haben. Je nachdem gibt es auch nur Laufgürtel für Getränkeversorgung und Laufgürtel für Notwendiges wie Riegel, Gels oder sonstiges.  Da gibt es wunderschöne Sachen von Salomon und Nathan. Es gibt auch Laufgürtel, die mobile Elemente haben. Das heißt, man kann je nach Bedarf Taschen oder Behälter entfernen oder dazugeben, was unglaubliche Flexibilität verspricht. Beispielsweise ist der Runners Point Laufgürtel so einer.

Laufgürtel-Spende von Carsten

Meinen Laufgürtel hat mir der wunderbare, unkomplizierte und liebe Carsten alias twitt3erless geschickt. Einfach so. Weil ich dank Studium&Co. mehr als pleite bin. Und deswegen gilt ihm hier ein riesiger Applaus und wer kann schickt ihm sofort einen Tweet mit „Carsten, du Socke, du rockst!“, weil so ein Entgegenkommen einfach unfassbar toll ist. Außerdem kam der Gürtel in einem Blümchenpaket an. Soll ich dazu noch mehr sagen? Blümchen und Laufgürtel? Der Wahnsinn.

Der RP-Laufgürtel – auf jeden Fall dieser – hat verschiedene Systeme bzw. besteht aus einem Basis-Gürtel zu dem verschiedene Einheiten dann hinzugekauft werden. Eine kleine Tasche mit Reißverschluß und Vordertasche, ein Trinkflaschensystem für zwei kleine Flaschen und ein großen Behälter für eine große Trinkflasche. Da ich erst nach ca. 2 Stunden Durst bekomme, habe ich beim Stadtlauf in München beim 10km Lauf nur die „Aufbewahrungstasche“ benötigt. Und da passt einiges rein: iPhone, Kopfhörer, Taschentücher (einzeln), Chip und Geld. Ausgestattet – und halleluja, war ich froh die Taschentücher dabei gehabt zu haben – und vorbereitet freute ich mich auf den Lauf. Endlich klebte mal nichts in irgendwelchen sowieso zu engen Taschen.

Der Test

Ich also in der Masse. Orangene Masse und anstatt Kontakte zu knüpfen starrte ich auf die Laufschuhe. „Den da will und den da will ich und – ui – den da auch…“ und ich überlegte schon, ob ich nicht einfach unauffällig jemanden bewusstlos schlagen könnte, dann die Schuhe von den Füßen reißen und damit abhauen könnte, als auch schon der Startschuss fiel. „Schon“ ist mal salopp gesagt, da ich Trottel im 3. und letzten Pulk stand. Das heißt Wartezeit. iPhone in der Tasche, Kopfhörer angeploppt und los ging’s. Und am Anfang dachte ich mir, dass ich mir das Ding gleich vom Körper reiße und um den Kopf wickel. Oder einem Passanten mit den Worten „Wir seh’n uns im Ziel“ reiche. Oder in der Hand halte. Aggressionslevel hoch 3.

stadtlauf-orange

Warum? Nun. Das Ding hüpfte und sprang und rutschte an mir herum wie die Hände eines Flughafensecuritymannes. Ich probiere eine Platzierung auf den Hüften. Dafür reichte aber der Klettverschluss nicht wirklich – ja, ich bin eine Frau und ja ich habe einen Arsch – sodass es dann nach oben rutschte. Manchmal sogar unter das T-Shirt. Also ab in die Taille und ganz eng machen. Ging nicht, da war ich wieder zu tailliert. Ich grollte innerlich, dass ich soviel abgenommen hatte und nicht mehr wabbelndes Ich da war, um den Gürtel zu halten.

Also blieb mir nur eines über: So eng wie möglich in der Taille machen. Das Täschen, das ständig nach vorne rutschte und da bedrohlich auf und ab sprang, schob ich dann immer händisch nach hinten. Also alle paar Sekunden. Und der Abstand dazwischen wurde immer größer und wuchs. Und dann, nach Kilometer 4 ungefähr, blieb die Tasche wo sie war und der Gürtel ebenfalls.

Und in dem Moment, als der Laufgürtel sich entschied nicht mehr hin- und her zu wechseln und die Tasche nicht mehr ständig nach vorne rutschte, war es wunderbar. Ich spürte nur das leichte Gewicht des Gürtels und die Tasche im unteren Rücken – nicht störend jedoch. Ich hatte meine Sachen dabei, verlor nichts und konnte entspannt Musik hören. Ich war glücklich.

Ich glaube, das Hin- und Herrutschen hat mit mehreren Faktoren zu tun. Erstens: aalglatte T-Shirt-Oberflache ohne griffigen Schweißbestandteil. Das änderte sich ja na einer Weile. Zweitens das absolute Nicht-wissen wohin mit dem Gürtel. Hoch, runter, rechts, links, enger, weiter. Drittens der fehlende Halt, weil für einen Männergürtel ich irgendwie nicht die Männerfigur habe.

Fazit Nummer 1:

Wer länger unterwegs ist, gerne mit Wasserflaschen, Riegeln, Gels, Blasenpflastern und Tempos ausgestattet ist, der muss sich einen Gürtel zulegen. Wer während dem Lauf gerne noch Brot beim Bäcker kaufen will und zwischendrin Baden gehen will sollte sich dann einen Rucksack zulegen. Oder einfach Einkaufen gehen. Dabei den Gürtel im Laufladen testen oder verschiedene Modelle bestellen und ausprobieren: Mit zuviel Gewicht kann das ärgerlich auf- und abwippen oder auch die Armbewegung etwas einschränken. Ebenfalls sollte man sich überlegen, ob man einen Gürtel mit flexiblen oder statischen Elementen will. Und wieviel Geld man um sich werfen… ähm, dafür ausgeben möchte.

Fazit Nummer 2:

Wer beim Laufen nackt bleiben möchte – also gürtelnackt, ansonsten… ehem – und längere Läufe eher mit Rucksack absolvieren will, weil da noch mehr mit muss und mitunter auch mal die Berge im Programm stehen, wird wohl eher kaum auf den Laufgürtel zurückgreifen. Wer das Gefühl, etwas um die Hüfte/Taille geschnallt zu haben nicht mag, Gewicht auf Rücken oder Taille belastend empfindet und bei Störungen der Armbewegungen hulkbrüllend durchdrehen kann, sollte es lieber lassen. Dafür gibt es Hosen, Jacken und Oberteile, die genug Platz für Smartphone, mp3-Player oder Schlüssel ermöglichen – einfach vorher beim Kauf die Augen aufmachen. Am besten sind für das Smartphone oder mp3-Player Taschen, die auch etwas stabiler sind.

Ich mag meinen, ähm, den Laufgürtel von Carsten sehr. Ich werde wohl noch ein Stückchen Klett annähen müssen, damit er richtig eng sitzt und nicht erst nach Kilometer 4 sich in eine bequeme Laufposition begeben hat. Endlich alles dabei, endlich mehr Platz und endlich kann ich auch meine anderen zwei Laufhosen tragen, die sich nämlich grandios taschenfrei von meiner sonstigen Laufkollektion abheben. Das mit den Trinkflaschen probier ich auch mal, ich hoffe nur, ich schleuder die nicht aufgrund des „Gluck-gluck-gluck“-Geräusches durch die Gegend.

3 Antworten zu “Laufgürtel – Top oder Flop?

  1. Toller Bericht!
    So ein Laufgürtel ist schon was feines. Für mich ein super Kompromiss zwischen…“ich nehm mal nur ne Flasche mit“ und „ich packe mal was für zwei Tage zusammen“.
    So muss der Fotoapparat auch auf kleineren Touren nicht mehr zu Hause bleiben und man hat trotzdem die Hände frei.
    Sicher nicht jedermanns Sache, aber mittlerweile gibt es echt super Modelle, die sehr angenehm sitzen und nicht verrutschen.

    Ausprobieren lohnt sich auf alle Fälle!

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