Warum Uran wirklich bei der Tour de France Singlespeed gefahren ist

Er soll ein Problem mit dem Umwerfer gehabt haben. Sagt man. Sagt die Presse. Sagt er auch im Interview. Um dann eben doch noch funktionieren zu können – als Radfahrer und als möglicher Etappen-Sieger – einigten sich Radfahrer und Mechaniker eben darauf manuell die Kette auf dem großen Blatt zu haben. Damit er so noch wenigstens mitfahren könne. Tuschelt man. Vermutet man. Sagt man. Ich jedoch habe ein geheimes Interview mit dem Sieger dieser Etappe führen können und ihn gefragt, was er denn wirklich davon halte mit einem Pseudo-Singlespeed eine Etappe so zu rocken, dass sie am Ende ihm gehört. Mieses vorheriges Verhalten mal dahin gestellt. Wir haben uns ganz gechillt am Ruhetag gestern getroffen, er ist kurz nach München geflogen, weil er sich so gelangweilt hat. Verständlich. Da radelt man jeden Tag und dann muss man einen Tag die Beine ruhig halten. Geht ja mal garnicht. Armer Junge. Sein Deutsch im Interview war übrigens auch überraschend fließend.

Ich: „Danke für deine Zeit. Muss ja echt doof sein heute nicht mal 200km radeln zu dürfen und alles zu geben, nur um eine Etappe mal zu gewinnen während andere in grausamen Unfällen fast ihr Leben lassen. Das nenne ich doofes Timing, oder?“

Er: „Ja, total mies. Ich hab von anderen gehört, dass sie gezwungen werden auszuschlafen. Auf ihre Ernährung gesondert achten sollen. Nicht verzweifelt auf dem Rad um alles und nichts kämpfen dürfen. Find ich grausam. Echt jetzt.“

Ich: „Verständlich. Vor allem, wenn man wie du die Tour de France sowieso nicht ganz so hart findet. Da bist du wohl einfach ein Stückchen zu gut oder?“

Er: „Haha, nicht ganz. Aber irgendwie schon. Ich glaube, du spielst auf meinen Singlespeed-Sieg am Sonntag an?“

Ich: „Genau den meine ich.“

Er: „Naja, das war halt technisch recht doof und was hätte man da tun sollen.“

Ich: „Ehrlich gesagt wäre es für die meisten das Aus gewesen. Haben sogar die Kommentatoren gesagt und wie wir wissen, wissen die alles, weißte?“

Er (nickend): „Weiß ich.“

Ich: „Also was steckte dann wirklich dahinter, hinter diesem Ein-Gang-Rad-Abenteuer?“

Er: „Nun… das war so. Schon als kleines Kind wurde ich oftmals gehänselt, dass ich vieles nicht schaffen würde. Dass ich es nicht könnte. Dass ich zwar versuchen dürfte, aber es sowieso keinen Sinn gäbe. Ich vermute, das hat mit meinem Vater zu tun, der damals schon…“

Ich: „Ähm, ist ja alles schön und gut. Aber gibt’s eine Kurzversion deiner tragischen lebenseinschneidenden Erziehungswelt, die dich zu dem trieb, was am Sonntag dann eben geschah?“

Er: „Aber es verliert an Würze, wenn ich’s abkürze!“

Ich: „Du sagst es doch selbst schon: In der Kürze, liegt die…“

Er: „…Schürze?“

Schweigen.

Ich: „Lassen wir das dann lieber mal mit dem auf Allgemeinwissen basierenden Sprüchen.“

Er: „Aber ich bin ja nicht mal Muttersprachler!“

Ich: „Du lenkst ja schon wieder vom Thema ab. Wir waren doch gerade bei deiner Etappe, deinem Sieg, deinem fast schon lächerlich einfachen Singlespeed-Kampf.“

Er: „Einfach… nun ja. Davor war es einfach, das stimmt. Aber in dem Moment, in dem man zeigt wie einfach die Tour für einen wie mich ist, wird man sofort in das Fass des Dopings gestossen. Da kommt man nie wieder raus. Denn wenn jemand was kann und nicht Team Sky angehört, dann ist da recht schnell die UCI aktiv. Ich möchte ja nicht saganisiert werden.“

Ich: „Sagani-was?“

Er: „Saganisiert. Normale Scheiße bauen und dann außerordentlich drastisch bestraft werden, weil man jemanden ein Dorn im Auge ist. Peter Sagan…?“

Ich: „Ach dieses saganisiert. Ich dachte schon an ein anderes.“

Er: „Welches andere soll es denn geben? Ist das keine Wortschöpfung?“

Ich: „Du hast selber schon gesagt, Deutsch wäre nicht deine Muttersprache, daher müssen wir ja jetzt nicht zu deinem Nachteil die deutsche Sprache diskutieren.“

Er: „Aber ich bin mir sicher, dass…“
Ich: „Ja ja, zurück zum Thema: du und dein Rad.“

Er: „Nun, ich dachte mir, dass ich diese Etappe – weil ich schon soweit vorne war und Gaudi hatte – etwas aufpäppeln könnte. Daher gab ich per Augenblinzeln einem Streckenposten ein Zeichen, der schickte Rauchzeichen seiner Zigarette an ein Mopedfahrer, der wiederum mit Spiegelsignalen meinem Mechaniker eine kodierte Nachricht zukommen ließ. Der wusste dann Bescheid und über den Funk erhielt ich das Go. Natürlich getarnt als eine exakte Anzahl an Nieser in bestimmter Höhe und Lautstärke.“

Ich: „Klingt logisch.“

Er: „War es auch. Tolle Teamarbeit da, wirklich. Also ich tat dann so, als hätte ich einen Defekt und der entsprechende Mechaniker aktivierte meinen Singlespeed-Modus durch offizielle Abnahme meines Defekts. Und ich konnte endlich loslegen.“

Ich: „Wow. Wie hat sich das angefühlt, als du endlich mit deinem Ein-Gang-Rad in der Gruppe losfahren konntest? Endlich weg von der ollen Schaltung? Weg von hilfreichen leichteren oder dann schwereren Gängen?“

Er: „Ich hatte, ehrlich jetzt, etwas Pipi in den Augen. Um mich zusammen zu reißen nahm ich meine Kette um den Hals hängend zwischen die Zähne. Ich wollte nicht glücklich auflachen und weinen, weil ich nur noch mit einem Gang fuhr. Daher tat ich so als würde ich leiden. Das Beißen in die Kette war meine Rettung.“

Ich: „Sehr clever, die Kommentatoren meinten sogar, du gäbst grad alles und würdest absolut über dich hinaus wachsen.“

Er: „Bin ich auch in gewisser Weise, wirklich! Endlich waren diese Fesseln aka Gänge weg und ich konnte fliegen. Keine Technik, kein Geschalte, kein Überlegen ob dieser Gang der richtige sei – ich war frei. Und so fühlte sich das Tanzen auf dem Rad auch an. Im Kopf hatte ich den Song „Freiheit, Freiheit, ist das einzige was zählt…“

Ich: „Die Anstrengungen machen sich dann schon irgendwie bemerkbar. Offenbar auch im schlechten Musikgeschmack…“

Er: „Was?“

Ich: „Nichts, ich meinte: Wie anstrengend war’s denn dann für dich zu gewinnen?“

Er: „Ich durfte ja nicht meine Überlegenheit zu sehr zeigen, eben wegen der Gefahr der Saganisierung und um nicht die werten Kollegen gegen die Wand zu fahren. Manchmal vergesse ich das einfach, aber ich werde immer wieder daran erinnert. Dafür habe ich ein geheimes Tattoo auf dem Zeigefinger was Rigoberto stop sagt.“

Ich: „Gibt’s denn mehr Siege diese Tour oder musst du wieder piano fahren?“

Er: „Och, mal sehen. Singlespeed wird es wahrscheinlich nichts mehr geben, sehr zu meinem Bedauern. Aber ich versuche in erster Linie heil zu bleiben, denn am Ende hat jeder Fahrer, der sich nichts bricht oder im Krankenhaus aufwacht oder von einem Motorrad angefahren wird schon gewonnen. Die Tour ist und bleibt ein Höhepunkt in meinem Leben, ob Singlespeed oder nicht – hauptsache das Team bleibt ganz und hat eine bombastische Zeit.“

Ich: „Danke Rigoberto Uranus für dein Interview!“

Er: „Gerne. Ich geh jetzt mal noch ne Runde feiern, es reicht ja wenn ich einigermaßen nüchtern bei der nächsten Etappe ankomme, wenn ich schon kein Singlespeed fahren darf… oder?“

Dieser Artikel ist Satire.

 

 

3 Antworten zu “Warum Uran wirklich bei der Tour de France Singlespeed gefahren ist

  1. Am meisten gefällt mir der letzte Satz. Muss man ja heute wirklich klarstellen. Nicht, dass alles „einfach“ zitiert wird und am Ende von Fake-News gesprochen wird, 😉

    • Ja ja, diese Fake-News. Ich mein es ist doch total logisch, dass dieser Mann einfach mal zu mir fliegt für ein Tattoo. Die Menschheit glaubt eben doch gerne alles und nichts.

  2. Pingback: Lieblingsblogs Folge 76 - Coffee & Chainrings·

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