Ein sportlicher Reminder an mich: Piano Kirsche, piano

Radeln macht Spaß. Und ist schön. Und anstrengend. Und fordernd. Alles gleichzeitig. Aber immer ein Schritt nach dem anderen, oder eher ein Gang nach dem anderen.

Es geht einiges, aber manchmal ist es ganz gut, dass der Körper einem den Mittelfinger zeigt. Einen in die Eier tritt – pardon meine Sprachwahl. Dafür ist er ja da, irgendwo. Totalen Vollidioten wie mir zu zeigen, was eben nicht geht. Normalerweise macht das die Umwelt.

„Eeeeey, ich kann fliegeeeeen!“ Und die Schwerkraft so: „Nö.“
„Eeeeey, ich bin voll klug!“ Und die Wissenschaft so: „Hahahaha. Nö.“
„Eeeeey, ich bin voll schön!“ Und die Gesellschaft so: „Du entsprichst keinem surrealen Ideal, daher nö.“

Beim Sport ist das anders. Eher genau das Gegenteil. Du denkst, dass 10km nicht zu schaffen sind, du versagst, es nicht kannst. Währenddessen brüllt dir die halbe Welt ins verschwitzte Gesicht, dass du rockst. Weil du etwas machst, dich traust. Aber dieses liebevoll-übertriebene Supporten von tollen Menschen kann dem Körper einen Maulkorb verpassen. Kann, muss nicht, ach keine Ahnung. Aber man sollte auf den Körper hören, manchmal, oft, ab und an – vor allem dann, wenn es wichtig ist. „Lerne deinen Körper kennen und verstehe seine Signale“ hat mal irgendjemand Kluges warum auch immer irgendwo gesagt. Stimmt.

Wenn ich Fahrrad fahre, dann fahre ich soweit, so gut und so schnell ich kann. Oftmals hör ich sehr früh schon meine Beine nach einer Pause jammern und die Lunge ist irgendwie auch am Überstunden machen. Aber es tut gut. Was aber nicht gut tut, ist der beschissene Ehrgeiz von mir. Das muss mir mal klar werden: Beim Laufen hab ich gedacht, ich könnte es. Und mein Körper hat mir einen Roundhouse-Kick mitten in die Fresse ähm Knie verpasst. Kondition: Futsch. Ausdauer: Futsch. Begeisterung einfach loslaufen und durch Wälder zu tigern: Futsch. Futsch, weg, flöten gegangen.

Und wenn mich dann beim Radeln jemand überholt, der quasi rückwärts treten, einen wissenschaftlichen Aufsatz währenddessen verfassen und Hebräisch lernen könnte und immer noch 32km/h fährt, dann heißt das nicht „Heho, kannst du mir mir mithalten?“ sondern eher ein „Hello, ich radel schon seit Jahren und bin gerade bei Kilometer 140 gemütlich beim Ausfahren.“ – eigentlich. Und wenn ich dann trotzdem denke ich müsse Gas geben, bis mein Atem rasselt und die Beine gefühlsmäßig nicht mehr da sind, aber der auf dem Fahrrad Handstand machende Typ nur noch ein winziger Punkt am Horizont ist, dann ist gut.

Erstens, es ist ein Mann. Mann ist schneller. Mann ist stärker. Auf’m Rad.
Zweitens, es ist uncool die Lunge auszukotzen, wenn man die eigentlich noch braucht.
Drittens, eine Überreizung von den Beinchen kann zu fiesen Krämpfen führen. Nicht. Gut.
Viertens, die Schlangenlinien, die man danach auf der Straße torkelt, sind scheiße.
Fünftens, die Geschwindigkeit, die man danach erradelt, ist die eines 97jährigen Radler.
Sechstens, die Power, die man als schwächelnder Anfänger für Minihügel braucht, ist weg.
Siebtens, die Kraft, um gegen den Drang sich einfach hier und jetzt hinzulegen, geht flöten.

bike-me

Nichts gegen brennende Beine, brennende Lunge und brennende… ähm… Creme Brulées. Gehören so, sind gut so und danach ist es einfach nur perfekt. Aber trotzdem: Piano Kirsche, piano. Auch beim Radeln kann dir der Körper n fiesen Kinnhaken verpassen, der könnte aber fataler enden als beim Laufen. Und um Gottes Willen, ich muss mich wärmer anziehen. Sonst macht auch deswegen der Körper zu, erfriert einfach so beim Radeln.

Eine Antwort zu “Ein sportlicher Reminder an mich: Piano Kirsche, piano

  1. Piano ist Tatsache das Schwierigste am sporteln. Mein Ehrgeiz hat mich leider auch schon in Verletzungspausen getrieben…

    Das erzähl mal einem Nicht-Sportler, dass langsam am Schwersten ist 😉

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